Archiv für St.-Josefs-Pilgerweg

Moderne Menschen

Heute bin ich Logis-Gast bei meiner Nichte Carola und ihrer Familie. Ich als wir uns zuletzt sahen, war sie schwanger. Heute hält der dreijährige Rafael die Eltern und deren Freunde mächtig auf Trab. Pfiffig weiss der kleine Mann seine Interessen vorzutragen. Und geschickt für sie zu argumentieren. Ist er wirklich erst drei?

Es wird ein gemütlicher Abend mit engagierten Diskussionen. Zwei promovierter Chemiker, ein IT-Spezialist und eine Goldschmiedin freuen sich darauf, „mich zu löchern“ und endlich wieder mal „jemand mit noch unbekannter Auffassung ins Gespräch zu nehmen“.

Was ist ein moderner Mensch? Reicht es, digital gut kommunizieren zu können? Muss man technisch auf der Höhe sein? Ist es jemand, der/die jeder gerade aktuellen Mode nachgeht, also IN ist?

In Rede und Gegenrede schälen wir heraus, als „modernen Menschen“ Personen zu verstehen, die sich und ihr Leben bereit sind bewusst zu reflektieren:

– gebunden an die Gegenwart in Zeit und Raum,

– geprägt durch persönliche und gesellschaftliche Historie als Erfahrung und Erinnerung,

– offen für die Zukunft,

– Vergangenheit und Zukunft in die Gestaltung der Gegenwart eindenkend.

 

Waren dann nicht auch Sokrates, Kopernikus, Galilei und viele andere Menschen früherer Zeit modern, ohne je etwas von PC oder Smartphone zu müssen?

Wer und was hilft in den so verstandenen modernen Menschen, im Umgang und der Lösung mit gegenwärtigen und existenziellen Fragen?

Jede Gemeinschaft, die ihre Hilfe nur einbringt, wenn „Du bereit bist so zu weren, wie wir selbst es sind und es für richtig halten“ fällt dabei schon einmal aus. Die not-wendende unbedingte Annahme der Person bieten sie nicht.

Ein Christentum, wie es das II., Vatikanum aufzeigt, kann derartige Hilfe bieten. Noch aber wird nicht einmal die katholische Kirche dem eigenen Anspruch gerecht, wie der aktuelle römische Schelmenstreich um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare belegt.

Um 2:30 Uhr sind wir uns soweit einig, auch moderne, reflektierende Menschen gehören gelegentlich ins Bett.

 

1000 x nix – dann ZOOM

Danke an www.facebook/Rainer_Tüschenbönner für seine pointierte und inspirierende Verknüpfung von ZOOM und. Wie man einen guten Wein kaut, um dessen Geschmacksfülle auszukosten, kaue ich Rainers Gedanken nach.

- ZOOM als existenzielles Moment, welches die Sicht auf die Welt als plötzliche Fokussierung auf den „Kern der Sache“.

- ZOOM als existenzielles Moment, welches die Sicht auf die Welt gründlich verändert.

„Und es hat ZOOM gemach“ textete und sang Klaus Lage in seinem Hit. Zuvor war jedoch 1000 mal nix passiert.

1000 Momente, in denen nichts funkt. Momente voller Impulse, Riten und frohen Botschaften, die uns bekannt sind, doch uns im Kern nicht erreichen.

Und irgendwann dieser eine Moment des ZOOM, die Erfahrung, die uns bis ins Mark flasht. Eine Erfahrung, die die Welt ins Wanken bringt, uns von den Beinen haut, in der die Vorhänge unseres Denkens zerreißen und Tempel einstürzen.

„Gott liebt dich und vertraut dir. Seine Liebe wird dich nie verlassen“ ist plötzlich nicht mehr theologischer Leitsatz oder religiöse Weisheit. ZOOM – und dieser Satz wird existenzielle, lebensfördernde Erfahrung.

Auch wenn 1000 mal nichts passiert, so ein ZOOM flasht und erhellt. Möge Jede und Jeder immer wieder mit ZOOM-Momenten gesegnet sein

Ein Fundament als Impulse

Aufbruch um heute die NRW-Wahl Landesgrenze nach RP zu überschreiten. Danke an Liz und Hubertus für Gastfreundschaft, Quartier und gute Gespräche.

Die historische Saalkirche in Oberholtdorf bietet einen Hinweis:

Solange wir uns ohne fundamentalistische Ambitionen immer wieder reflektierend am Fundament orientieren, bietet Kirche erhellende und lebensfreundliche Perspektiven. Dazu lohnt es, traditionell und historisch Liebgewonnenes loszulassen. Mögen sie unsere Erinnerungskultur prägen, Gegenwart und Zukunft brauchen eigenständige Impulse.

Als “durch die Geschichte pilgernde Volk Gottes” (II. Vatikanischen Konzil) sollte historische Ballast nicht im Reisegepäck sein.

Wer segnet da?

Bei all den solidarischen Regenbogen-Fahnen an den Kirchen bleiben mir doch Fragen an die alte Römische Inquisition:

– Dürfen homosexuelle Priester Segen spenden?

– Wie gültige sind deren Amtshandlungen?

– Gelten sie als „Brüder im Nebel” oder dürfen sie endlich in den Farben des Regenbogens wandeln?

– Personalisieren nicht auch sie in der Liturgie den auferstandenen Christus?

 

 

 

Begegnung mit Jesus

Sonnenuntergang bei Dormagen

Sonnenuntergang bei Dormagen

Heute sprach mich (ein) Jesus an. Am Rheinufer bei Dormagen hatte er mich sitzen sehen. Mein Rucksack. Habe ihm gezeigt, dass ich wohl auf längerer Tour sei. Etwa auf dem Camino nach Santiago de Compostela?

Dorthin wolle er demnächst aufbrechen, den Pilgerausweis habe er bereits bestellt. Er sei kein Christ, doch sein Name Isa ist die arabische Form des Namens Jesu. Pilgern in christlicher Tradition gäbe ihm vielleicht neue Impulse bei der Suche nach dem eigenen zukünftigen Weg.
Vor 20 Jahren sei er mit 21 voller Hoffnung aus der Türkei nach Deutschland angereist. Weiterlesen

Ein Pilgersegen

Coronabedingter Abstand wurde durch die soziale Nähe ausgeglichen. Danke den Freunden und Verwandten, die mir gemeinsam in der Woche Bocholter Josefskirc den Pilgersegen spendeten. Es war eine nicht nur mich beeindruckende Zeremonie.
Zuvor in der heiligen Messe zum Hochfest des heiligen Josef. Wurde der Bräutigam Mariens als „treu, demütig, schweigend gehorsam“ gelobt. Mir erschließt sich nicht, wie  diese Merkmale den Ziehvater Jesu zum Patron der gesamten Kirche und des Zweiten vatikanischen Konzils führen konnten. Ein Zimmermann der etwas von Statik und Strukturen versteht, wird seine Kompetenz nicht verschweigen sondern sie in sein Patronat einbringen. Weiterlesen