Archiv der Kategorie: Denken schadet nicht

Die 375-Milliarden-Euro-Rechnung

Warum Bocholt sein „Beton-Gedächtnis“ löschen mussWir bauen heute die Ruinen von morgen, während wir so tun, als würden wir das Klima retten. Das Ziel „Bocholt 2040“ – die Vision einer klimaneutralen Stadt – ist in aller Munde, doch zwischen den Hochglanzbroschüren und der harten Realität der Baustellen klafft ein Abgrund aus Beton. Der renommierte Stern-Report hat es bereits vor Jahren skizziert: Das wirtschaftliche Risiko des ungebremsten Klimawandels beläuft sich auf bis zu 20 % des globalen Bruttoinlandsprodukts. In Deutschland übersetzt das Umweltbundesamt (UBA) dieses Versäumnis in eine konkrete Zahl: 375 Milliarden Euro an jährlichen Umweltfolgekosten bis zum Ende des Jahrhunderts.
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KI-generiert Bocholt Solarstadt

Themengrafik KI-generiert

 BOH Klima 2

Quellen:Bocholt belegt Spitzenplatz bei Solarenergie-Ausbau, BBV 07.03.2026  / C3 (jkr)
Verlässlichkeit und Verantwortung für Bocholt  - Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Wahlperiode 2025-2030
Hülkenberg, Josef; Maier, David; HS Wismar 2024, Klimafolgekosten (bzw. ÖkoBilanz) als Controlling-Instrument für Planer, politische Entscheidungsträger und Bürger
Hülkenberg, Josef; HS Wismar 2024, Potentiale dezentraler Stromerzeugung im urbanen Bestand – Betrachtet am Sozialraum 4 Bocholt Nordost/Giethorst
 Zum vertieften Lesen: 
1. Das Versprechen der Klimaneutralität vs. die Realität des Betons
Warum aber unterschreiben wir auf kommunaler Ebene weiterhin Rechnungen, deren wahres Ausmaß wir nicht kennen? Die zentrale Herausforderung ist nicht nur der Radweg oder die E-Mobilität – es ist die massive „Pfadabhängigkeit“ unserer Bauentscheidungen. Wir steuern auf einen „Carbon Lock-in“ zu, weil wir die versteckten Kosten unseres Lebensraums konsequent ignorieren. Um die pro-Kopf-Last von 11 Tonnen CO₂ auf unter 1 Tonne zu senken, müssen wir aufhören, den Bausektor als bloße Kulisse zu betrachten.2. Der „Blinde Fleck“ der Stadtplanung: 50 % der Emissionen liegen im BauWenn wir über den Gebäudesektor sprechen, blicken wir meist auf den Schornstein oder die Dämmung. Das ist ein fataler Irrtum. Der wahre Hebel liegt in der sogenannten „Grauen Energie“. Daten belegen eindringlich, dass der Bau- und Gebäudesektor weltweit für über 50 % der Emissionen verantwortlich ist, sofern man die prozessbedingte Herstellung und den Abriss mit einberechnet.Während der Betrieb von Wohngebäuden oft im Fokus der „Wärmewende“ steht, wird die „Beton-Sünde“ – also die massiven Scope-3-Emissionen aus Zement- und Stahlproduktion – systematisch unterschätzt. Wir optimieren die Effizienz von Heizungen, während wir für den Rohbau Ressourcen verschwenden, die das CO₂-Budget der nächsten Generation bereits heute sprengen.

„Wenn knapp die Hälfte aller CO₂-Emissionen dem Faktor Bauen zuzurechnen ist, wächst eine immense Verantwortung jenen Instanzen zu, die für die Vergabe und Gestaltung von Baurechten zuständig sind.“

3. Die Transparenz-Lücke: Was Planer wissen und Politiker (nicht) sehen

Die Kluft zwischen fachlicher Erkenntnis und politischem Handeln ist in der Stadtplanung besonders tief. Eine Umfrage unter Experten und Entscheidern zeigt ein besorgniserregendes Bild der Informationsasymmetrie. Während Stadtplaner den Bestand als entscheidendes Feld identifizieren, herrscht in der Politik oft noch das Primat des Neubaus vor.

Kriterium Stadtplaner Kommunalpolitiker

Bedeutung des baulichen Bestands

100 % („wichtig“ oder „sehr wichtig“)

55 % bewerten Bestand als „weniger wichtig“

Bekanntheit von Scope-3-Emissionen

0 % (nahezu unbekannt)

Fast 50 % (theoretisch bekannt, praktisch irrelevant)

Relevanz in der realen Abwägung

80 % geben „wenig Relevanz“ an

66 % geben „wenig/gar keine Relevanz“ an

Forderung nach Transparenz

80 % fordern klare Ausweisung

Über 50 % empfinden aktuelle Daten als intransparent

Dieser Widerspruch ist das Kernproblem: Politiker geben zwar an, dass Umweltkosten für sie persönlich eine „wichtige“ Rolle spielen, doch im harten Tagesgeschäft der kommunalen Abwägung finden diese Faktoren keine monetäre Entsprechung. Ohne Transparenz bleibt Klimaschutz eine moralische Kategorie statt einer fiskalischen Notwendigkeit.

4. Die 375-Milliarden-Euro-Rechnung: Klimafolgekosten als Controlling-Instrument

Hier liegt der Gamechanger: Die Monetarisierung von Umweltfolgen durch die „Methodenkonvention 3.1“ des UBA. Es geht nicht mehr um vage Nachhaltigkeits-Appelle, sondern um hartes Controlling. Mit einem kalkulatorischen Preis von 680 Euro pro Tonne CO₂ wird die ökologische Verantwortung erstmals buchhaltärisch greifbar.

Ein Beispiel aus der Planungs-Praxis: Werden Baustoffe verglichen, zeigt sich die dramatische Differenz. Während ein Betonfertigteil massive Emissionen in der Herstellung verursacht, fungiert Weichholz (luftgetrocknet) in der Bilanz sogar als CO₂-Speicher. Würde man diese Differenz konsequent in jede Ausschreibung einpreisen, wäre die Entscheidung für Holz oder Recycling-Stahl keine Frage der Ideologie mehr, sondern ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft. Die 375 Milliarden Euro Gesamtschaden entstehen genau dort, wo wir diese 680 Euro pro Tonne heute „einsparen“.

5. Das Potenzial vor unserer Haustür: Eine Fallstudie aus Bocholt Nordost

Wie konkret diese Zahlen sind, illustriert der Sozialraum Giethorst. In diesem Quartier zeigt sich die Diskrepanz zwischen technischem Potenzial und bürgerschaftlicher Realität:

  • Dachpotenzial: Die 766 PV-fähigen Dächer der Ein- und Zweifamilienhäuser könnten 728 MWh pro Jahr liefern.
  • Finanzieller Gewinn: In der Umweltbilanz entspräche dies einer gesellschaftlichen Entlastung von etwa 109.000 Euro jährlich (bei 680 €/t CO₂).
  • Die Realität: Trotz eines theoretischen CO₂-Einsparungspotenzials von 160 Tonnen ist das Interesse der Bürger (laut Bürgergutachten 2017/2021) an tiefgreifenden energetischen Maßnahmen erschreckend gering.

Bei maximalem Ausbau (inkl. Balkonkraftwerke) könnte das Giethorst-Quartier ca. 823 MWh/pa Solarstrom generieren – ein Bruchteil des städtischen Gesamtbedarfs von 11.328 MWh/pa. Ein wichtiger, möglicher Beitrag, der zugleich deutlich macht,  welcher Herausforderungen zu bestehen sind, um das 1-Tonnen-Ziel zu erreichen. Neue Radwege allein reichen dazu nicht. Wir brauchen eine radikale Energiewende im Bestand und großskalige Lösungen.

6. Politische Weichenstellung: Die Koalition für die Energiewende

Die Koalitionsvereinbarung 2025–2030 zwischen CDU und Bündnis 90/Die Grünen in Bocholt versucht nun, diesen Realismus politisch zu verankern. Der Fokus verschiebt sich weg von Symbolpolitik hin zur industriellen und infrastrukturellen Basis:

  • Speicher-Bocholt 2030: Das Projekt ist die Antwort auf die oben genannte PV-Lücke. Ohne moderne Speichertechnologien verpufft das dezentrale Potenzial der Quartiere ungenutzt.
  • Wärmewende-Report: Ein jährliches Monitoring-Instrument, das Fortschritte – oder Versäumnisse – schonungslos offenlegt.
  • i-Park Mussum: Als industrielles Leuchtturmprojekt soll hier die Koppelung von industrieller Abwärme und erneuerbaren Energien zeigen, dass Ökonomie und Ökologie keine Gegenspieler sind.

Dieser pragmatische Ansatz erkennt an, dass die Bürger solchen Weg mitgehen, wenn sie die Transformation als Gewinn an Lebensqualität und Standortvorteil begreifen.

7. Fazit: Vom Wissen zum Handeln – Ein demokratischer Entwicklungsschritt

Klimapolitik ist kein abstraktes Expertenthema, sondern eine Frage der demokratischen Ehrlichkeit. Es ist Zeit, die Transparenz-Lücke zu schließen. Nur wenn wir die tatsächlichen Kosten unseres Lebensraums offenlegen, können wir faire Entscheidungen treffen, die über die nächste Wahlperiode hinaus Bestand haben. Wir wissen genug – die Potenziale in Giethorst sind berechnet, die Kostensätze des UBA liegen vor.

Sind wir bereit, die tatsächlichen Kosten unseres Lebensraums auf den Tisch zu legen, bevor die nächste Generation die Rechnung präsentiert bekommt?

 

Zur Identitätskrise junger Männer

Krise junger Männer 2

 

 

 

 

 

       

Ursachen, Folgen und systemische Handlungsfelder

1. Einleitung: Die Erosion der männlichen Teilhabe als gesellschaftliches Risiko

Die gegenwärtige Krise junger Männer darf nicht länger als Summe individueller Biografien oder persönlicher Defizite missverstanden werden. Aus der Perspektive der Bildungssoziologie zeichnet sich ein strukturelles Risiko ab, das wie ein „Riss im Fundament“ unserer gesellschaftlichen Teilhabe wirkt. Wenn ein signifikanter Teil einer Generation den Anschluss an Bildungsbiografien verliert, sich vom Arbeitsmarkt entfremdet und in reaktionäre digitale Subkulturen flüchtet, ist der soziale Zusammenhalt als Ganzes gefährdet. Eine strategische Analyse dieses Phänomens muss jenseits ideologischer Gräben erfolgen: Es geht nicht um die Revitalisierung patriarchaler Hierarchien, sondern um die Sicherung der Zukunftsfähigkeit unserer Institutionen. Die mangelnde Integration junger Männer führt zu messbaren Verwerfungen, die von ökonomischer Prekarität bis hin zu politischer Instabilität reichen. Um diese Entwicklung umzukehren, ist eine kühle Analyse der harten Fakten des Bildungssystems die notwendige Voraussetzung.

2. Bestandsaufnahme: Die Bildungsschere im primären und sekundären Sektor

Schulabschlüsse fungieren in der modernen Wissensgesellschaft als primäre Zugangsberechtigung für gesellschaftliche Teilhabe. Wer hier scheitert, bleibt oft dauerhaft marginalisiert. Die aktuelle Datenlage verdeutlicht, dass Jungen im Bildungssystem systematisch ins Hintertreffen geraten. Weiterlesen

Abbau oder Neubau des Sozialstaates?

Als Versorgungsstaat, der Bedürftigkeit seiner Bürger alimentiert und primär Defizite verwaltet, kommen auch moderne Industriegesellschaften an ihre Grenzen. Die klassischen Sozialsysteme werden im politischen Spagat zwischen Alterung der Bevölkerung und wegbrechender Beitragsbasis zerrissen. Notwendig erscheinende Sparpolitik verschärft die Lage, führt die Mehrheit der Bürger in die Verarmungsspirale und den Staat in die steuerpolitische Sackgasse.Politischer Mut um die staatliche Handlungsfähigkeit durch eine proaktive Ausweitung der Wertschöpfungsbasis  zu stabilisieren, ist weder bei Parteien noch in breiten Kreisen der Wählerschaft zu erkennen. Eine darauf ausgerichtete Strategie stellte einen tiefgreifenden Systemwandel dar.

Dass ein derartiger Systemwechsel sich allerdings nationalökonomisch rechnen würde, legte das POLITISCHE FORUM UNTERE SAAR – HOCHWALD dar. Sprecher dieses Forums ist der Nationalökonom Hans Ludwig, ehemaliger Direktor des Sozialinstituts der süddeutschen KAB in Waldmünchen. In einer Denkschrift vom Oktober 2016 entwarf das Forum eine „solidarische Arbeitsgesellschaft in marktwirtschaftlicher Ordnung“. Die vorgeschlagene strategische Lösung liegt im Übergang zu einer „Vorsorge- und Tätigkeitsgesellschaft“. Mit ökonomischen Berechnungen bestätigte das Forum die „Vision für eine gerechter Gesellschaft – Solidarität – Chance für die Zukunft“, mit der bereits 2003 der Bund der katholischen Jugend (BdkJ) für ein bedingtes Grundeinkommen in einer Tätigkeitsgesellschaft warb.Statt auf fragwürdige „Sondervermögen“ zu setzen, schlagen die Ökonomen des Forums die soziale, marktwirtschaftliche Regulierung bestehender Geldflüsse vor. Eine Regulierung, die die Schuldenspirale aufbricht.Die aktuellen politischen und regierungsamtlichen Bestrebungen zum Abbau des Sozialstaates geben Anlass, die Perspektiven unterschlagener Propheten erneut ins gesellschaftliche Bewusstsein zu heben.

Video-ZusammenfassungKI-generiert
Auf Pump
Themengrafik KI-generiert Investition statt Sparzwang 
Quelle:POLITISCHES FORUM UNTERE SAAR – HOCHWALDDenkschrift zur Frage Ist das Saarland noch zu retten? Eine solidarische Arbeitsgesellschaft in marktwirtschaftlicher Ordnung vom 4.Oktober 2026
Zum vertieften Lesen

Die Finanzierungslogik der Tätigkeitsgesellschaft: Ein mathematischer Wegweiser 

In der klassischen Nationalökonomie wird oft das Dogma des „Sparens in der Krise“ gelehrt. Doch Ökonomen, der sich intensiv mit transformativen Modellen befassen, konstatieren: Herkömmliche Austerität greift zu kurz, da sie die produktive Basis schwächt. Das Modell der Tätigkeitsgesellschaft schlägt einen anderen, mathematisch fundierten Weg ein. Es begreift den Sozialstaat nicht als Kostenstelle, sondern als Investitionsmotor.

1. Der Paradigmenwechsel: Vom Sparzwang zur Investition 

Das Fundament dieses Modells ist die Auflösung des sogenannten Schuldenparadoxons. Politisch prägend ist die Sorge vor Staatsverschuldung; hier jedoch wird Verschuldung als präzise dosierter „Initialfunke“ eingesetzt. Weiterlesen

Life-Style – Menschenwürdig arbeiten und leben

Mehr arbeiten, damit (wessen?) Wohlstand wächst?

Während Wirtschafts-Ideologen über „Life-Style-Arbeitsverträge“ palavern, haben sozialbewußte Nationalökonomen längst die notwendige Umwandlung der Erwerbsarbeits-Gesellschaft in eine Tätigkeits-Gesellschaft erkannt und berechnet.Bereits im Jahr 2003 legte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ein Konzept vor, wie  eine gerechtere Gesellschaft, zentriert auf ein tätigkeitsbasiertes Grundeinkommen, die Armutsrisiken mindern kann. Dieses Modell sieht ein bedingungtes Grundeinkommen in gleicher Höhe für Kinder und Erwachsene vor, w elchesdas sozio-kulturelle Existenzminimum absichert.

Der Anspruch auf dieses Einkommen basiert auf der Erbringung von jährlich mindestens 500 Stunden gesellschaftlich notwendiger Arbeit in vier gleichwertigen Bereichen: Erwerbsarbeit, ehrenamtliches Engagement, Familienarbeit und Bildung. Finanziert werden soll das System hauptsächlich durch eine reformierte Steuerstruktur, einschließlich einer negativen Einkommenssteuer und einer Ressourcenverbrauch-Steuer, und wird ergänzt durch Maßnahmen wie eine Höchstarbeitszeitbegrenzung und eine stärkere Investition in Bildung.

Video-ZusammenfassungKI-generiert BDKJ Grundeinkommen Themengrafik KI-generiert BdkJ Grundeinkommen
Zum vertieften Lesen 

5 radikale Ideen aus einem fast vergessenen Grundeinkommens-Konzept 

Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist eine der meistdiskutierten sozialen Ideen unserer Zeit. Die Vorstellung, dass jeder Mensch monatlich einen festen Geldbetrag erhält, der die Existenz sichert – ganz ohne Gegenleistung – fasziniert und polarisiert zugleich. Es scheint, als gäbe es nur zwei Lager: die begeisterten Befürworter und die strikten Gegner. Doch diese binäre Debatte übersieht einen dritten, weitaus nuancierteren Weg – einen, der bereits vor fast zwei Jahrzehnten detailliert formuliert wurde. Weiterlesen

Auf der Suche nach dem Kompass?

Aufhebung Hegels Kompass integraler Philosophie
Deutsche Christdemokraten suchen ihren Kompass in der programmatischen Wurzel ihrer Partei. Donals Trump dagegen erklärt seine eigene Moral zum Kompass seines Handelns. Doch wie Pfadfinder und Soldaten schon früh lernen, gehört zur Orientierung auch die Landkarte. Was, wenn die zerrissen ist, wie ein alter Falk-Plan auf einer Mülldeponie? Wie schaffen, wie rekonstruieren wir aus dessen Resten unsere notwendige Orientierung?Hier kommt der Sozialphilosoph Johannes Heinrichs (*1942) ins Spiel. Während sich die Philosophie nach Hegel in isolierte Spezialdisziplinen auflöste, ermöglicht Heinrichs’ Reflexionslogik eine systematische Integration, die sowohl universelle Strukturen erkennt als auch offen für neue Erfahrungen bleibt.Wie wichtig seine integrale Philosophie für die gesellschaftliche Entwicklung ist, lässt sich an mehreren Kernpunkten festmachen:

1. Überwindung der Demokratiekrise Heinrichs diagnostiziert, dass heutige Parteiendokratien strukturell unfähig sind, notwendige Reformen umzusetzen, da sie verschiedene Sachfragen (Wirtschaft, Bildung, Ethik) in unzulässige „Paket-Lösungen“ pressen. Sein Modell der Wertstufendemokratie sieht vier spezialisierte parlamentarische Kammern vor, was die politische Handlungsfähigkeit durch eine sachgemäße Gliederung wiederherstellen soll. Weiterlesen

Größenwahn oder Augenmaß

 Größenwahn

Das Maß der Dinge

Das Maß der Dinge

Das Maß verloren?
Söders Fusionspläne im Konflikt mit der Philosophie der kleinen Einheiten
1. Einleitung: Zwei unvereinbare Visionen für Deutschlands ZukunftDer aktuelle Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, deutsche Bundesländer zu fusionieren, ist mehr als nur ein finanzpolitischer Schachzug; er ist die Speerspitze einer Denkschule, die Effizienz über Identität stellt und damit eine philosophische Grundfrage unserer Zeit aufwirft: Ist „größer“ wirklich immer „besser“? Söders primäre Motivation ist die radikale Reform des Länderfinanzausgleichs, doch seine Vision einer zentralisierten Ordnung steht im diametralen Widerspruch zu einer radikal entgegengesetzten Philosophie: der des Denkers Leopold Kohr. Wo Söder auf Zusammenschluss und Skaleneffekte setzt, sah Kohr die Lösung für die Pathologien der Moderne in Teilung und Kleinteiligkeit. Dieser Artikel analysiert die beiden unvereinbaren politischen Ontologien und beleuchtet sie am konkreten Fallbeispiel der saarländischen Denkschrift zur Teilautonomie, die Kohrs Ideen als Verteidigungsstrategie aufgreift. Weiterlesen

Wir sollten nicht schweigen

Wir sollten nicht schweigen

– wenn wir eine demokratische Zukunft wollen.

Lokale Demokratie stärken

Lokale Demokratie stärken

Aktives Schweigen kann wirksam sein um dem Geschrei der Demokrate-Verächter standzuhalten.

Stille kann Raum schaffen für Reflexion, Intuitionen und Einsichten.

Doch Einsichten und Aussichten sollten nicht verschwiegen werden.

Wo Populisten laut und destruktiv die Grundlagen des Sozialen angreifen, ist es geboten, konstruktiv und mit kompetenter Gestaltungsmacht die Stimme zu erheben.

Video zur Demokratie-Entwicklung

Video zur Demokratie-Entwicklung

 

Kontemplation und Aktion,

Reflexion und Position

sind die Spannungsbögen der denk!BAR.

 

 

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Selbstermächtigung der Bürger in der Stadtentwicklung

Kernerkenntnisse zur Selbstermächtigung der Bürger in der Stadtentwicklung 

Dieses Briefing fasst die zentralen Thesen meiner Masterarbeit aus dem Jahr 2025 „Selbstermächtigung der Bürger als Konstitutive demokratischer Stadt- und Regionalentwicklung“ / „Citizen Empowerment as a Constitutive Element of Democratic Urban and Regional Development“ zur Neuausrichtung der Bürgerbeteiligung in der Stadt- und Regionalentwicklung zusammen. Der Kern meiner Argumentation ist die Forderung, die Mitwirkung der Bürger nicht länger als ein politisch „zu gewährendes Recht“, sondern als ein fundamental „zu gewährleistendes Recht“ zu etablieren.

Bürgermacht und Demokratie.jpg Selbstermächtigung der Bürger
Als Fundament für dieses Recht wird eine anthropologische Verankerung in wissenschaftlich unbestreitbaren Grundtatsachen über den Menschen vorgeschlagen: LEBEN, ZWEIGESCHLECHTLICHKEITRESONANZ und REFLEXION. Diese Verankerung, untermauert durch neurowissenschaftliche Erkenntnisse wie die Entdeckung der Spiegelneurone, bietet eine robustere Grundlage als historisch gewachsene Wertkonzepte, die in der aktuellen globalen politischen Landschaft zunehmend in Frage gestellt werden.
 Die Studie adressiert die gegenwärtige „Krise der Demokratie“, die sich durch Vertrauensverlust, das „Beteiligungs-Paradoxon“ und den Aufstieg autokratischer Regime manifestiert. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden globalen Urbanisierung, die die Stadt zum primären Lebensraum des Menschen macht, wird die Gestaltung städtischer Räume zu einer zentralen Arena für die Verwirklichung von Grundrechten.

Einen Lösungsansatz sehe ich in der „Reflexionslogik“, ein strukturierendes Prinzip, das komplexe gesellschaftliche Entscheidungsprozesse hierarchisch ordnet und sicherstellt, dass ethische Grundwerte den Rahmen für Kultur, Politik und schließlich die Wirtschaft vorgeben. Dies bietet eine tragfähige Statik, um der Selbstermächtigung der Bürger Gestaltungsmacht zu verleihen und sie gegen antidemokratische Kräfte zu verteidigen.
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Des Fragens würdiger Priesterkult

Die Skandale um sexuelle Missbräuche und deren organisierte Vertuschung haben vor allem die katholische Kirche in eine abgrundtiefe Vertrauenskrise gestürzt. Dieser Sturz in den Abgrund mag vielen traditionell Christgläubigen als Desaster erscheinen. Er kann aber auch zum Rück-Sturz in die dem Christentum eigenen Urgründe werden.

Die derzeitige Vertrauenskrise der katholischen Kirche ist im Wesentlichen eine Ablehnung traditionellen Priestertums und Priesterherrschaft. Längst überfällige Debatten brechen auf. Synodal soll die Kirche in die Zukunft geführt werden – allerdings sind sich die verschiedenen Bischöfe und Laienvertreter sehr uneins über die Begriffs- und Tragweite von „Synodal“. Frauen erheben Ansprüche auf Leitungs- und Weiheämter, Männer unterstützen diese Begehren und geweihte Amtsträger bekunden Verständnis und leichte Öffnungsbereitschaft.

Auf synodalen Wegen?

Auf synodalen Wegen?

Der Klerus sei die Wirbelsäule der Kirche, betont der Augsburger Bischof Bertram Meier. Männer und Frauen des gottgeweihten Lebens sieht er als „Herz der Kirche“.

Für Bischof Meier ist das Konzept sakramental verorteten Priestertums notwendiger Grundzug der katholischen Kirche. Würde die sakramentale Weihe zur Disposition, stünde die Katholizität als Ganzes auf dem Spiel. Das ginge weit über eine geistlich erneuerte Kirche hinaus, führe in eine ganz andere neue Kirche. Wie sein Münchner Amtsbruder Reinhard Kardinal Marx sieht auch er: “Eine priesterlose Kirche ist nicht mehr katholisch.”

Dagegen verweisen inzwischen verschiedene Theologen und Theologinnen darauf, dass sich weder im Verhalten Jesu noch im Neuen Testament Hinweise finden lassen, Jesus wolle die Geschicke seiner Glaubensgemeinschaft in die Hände speziell ausgebildeter spiritueller Kultdiener mit „amtlicher Heiligkeit durch Weihe“ legen. Weiterlesen

Unterschlagene Propheten

Kerzenopfer am Wallfahrtsort Fatima

Kerzenopfer am Wallfahrtsort Fatima

Das traditionelle System “Katholische Kirche” zerfällt.

Verantwortungsträger in Klerus und Laienschaft suchen synodal nach Wegen aus der Misere.

Da lohnt ein Blick auf engagierte und klarsichtige Christen, deren Einsichten in ihrer Zeit als irritierend und störend abgetan wurden. Priester als auch Laien zählen zu diesen Propheten, deren Erkenntnisse noch heute (oder gerade heute) Wege aus den Sackgassen eröffnen.

Texte dieser Vordenker habe ich als interaktive MindMaps aufbereitet.

MindMaps erlauben, die Argumentation des Autors grafisch wie eine Landkarte zu entfalten. Anders als im klassischen Fließtext wird es dem Leser möglich, in der Gedankenwelt des Autors zu stöbern.

Nach und nach stelle ich die MindMaps (bzw. die Links dazu) hier auf dieser Seite ein.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und gute Einsichten beim Stöbern.

 

Den Start macht ein Vortrag von Dr. Walter Friedberger zu den Sozialen Intentionen des Jesus von Nazareth aus dem Jahr 1976. Dr. Friedberger leitete von 1970 bis 1991 die überdiözesane Priesterfortbildung der bayrischen Bistümer.