Archiv für Zu den Stufen zur Weisheit

Himmlische Weisheit?

SONY DSC„Luja sag i!“, grantelt der verstorbene Gepäckträger Aloisius als „Münchner im Himmel“. Dieser Himmel langweilt ihn, auf Ewigkeit verdammt zur Lobhudelei mit der Harfe auf einer einsamen Wolke. In der Satire Ludwig Thomas ist Gott nachsichtig und schickt den Grantler als Boten göttlicher Weisheit zurück ins Leben und zur bayrischen Staatsregierung. Leider kommt Aloisius auf seinem Weg am Hofbräuhaus vorbei, kehrt ein und bleibt auf ewig dort hocken. So bleibt der bayrischen Staatsregierung der Zugang zu göttlicher Weisheit bis heute verschlossen.

Doch was wäre, böte der Himmel mehr als langweilige Lobhudelei? Nur mal angenommen, die Choreografie der kürzlich erlebten Männer-Initiation gäbe einen Vorgeschmack auf die andere Seite des Lebens. Die Seelen Verstorbener würden von himmlischen Elders (Engel oder Seelen der Ahnen) empfangen und behutsam zu Reflexion des eigenen Lebens geführt. Auch beim Blick in die eigenen Abgründe von der Fürsorge der Elders gestützt. Diese hülfen ihnen zu erkennen, wo und wie sie aus Unkenntnis oder Unwillen falsche Entscheidungen trafen; wo sie aus Wut, Zorn, Angst oder Egoismus Mitmenschen verletzten und somit hinter die eigenen Möglichkeiten wahren Menschseins zurückblieben.

Von dort führten die Elders sie auf den heilsamen Weg, auf den Weg der Einsicht, dass selbst die größte Verfehlung nicht von der Liebe Gottes trennt.

Sich auf diese Liebe vertrauensvoll einzulassen, bringt die Höllenfeuer in uns zum Erlöschen.

Sollte mein jüngster Tag in eine derartige Choreografie münden, sehe ich ihm schon heute gelassen und mit freudiger Neugier entgegen.

Trotzdem hat es damit längst noch keine Eile.

Zu neuer Kraft finden

In der Tiefenpsychologie der Märchenwelt ist der dunkle Wald ein Ort der Ängste und Schreckensbilder. Sich ihnen zu stellen und auszusetzen befähigt die Märchenhelden und -heldinnen zur Heimkehr oder zu weiteren siegreichen Abenteuern.

Auch wir Initianten hatten einen Tag im Wald zu verbringen, auf einem selbst gewählten Platz von etwa 3 m Durchmesser. In der Natur, „Gottes erster Bibel“, waren wir den harten Tatsachen des Lebens ausgesetzt. Denn das Leben ist hart und von mir nicht kontrollierbar. Es dreht sich nicht um mich, ich bin nicht so wichtig und werde sterben. Der Wald bot den Raum, diese Tatsachen tief in die Seele einwirken zu lassen. Zugleich ist solch kleiner Platz im Wald groß genug, die Fülle des Lebens neu zu betrachten und zu erfahren.

Der Macht der Natur ausgesetzt entdeckten wir neue Kräfte und fanden zu altem Mut zurück. In einem Gemeinschaftsritual stellten wir uns früher erlittener und heute noch wirksamer Beleidigungen und Schmähungen. So nahmen wir ihnen ihre Macht und wir erlangten seelische Befreiung und Erlösung, um in den finalen Ritualen auf das Leben als Initiierter vorbereitet zu werden. Nun begann der Wiederaufstieg zum Leben.

Abstieg zur Hölle

In schwarzer Pädagogik und mit militärischen Drill werden Menschen seit Jahrhunderten und leider noch immer körperlich überfordert und seelisch gebrochen. So sollen sie „stark“ werden für den Lebenskampf, „gehorsam“ für den Kriegsdienst, „fügsam“ für die Arbeitswelt und „angepasst“ den gesellschaftlichen Normen.

Die Initiationen der Männerpfade.org weisen einen alternativen Weg. Wir Initianten wurden von initiierten Ältesten (Elders) in gemeinschaftlichen Ritualen behutsam an unsere eigenen Schmerzen, Brüche, Wunden und Zerrissenheit geführt. In respektvollem Geleit und liebevoller Begleitung lernten wir, unsere Schmerzen, unsere lebensprägende Wut, Enttäuschungen und Verletzungen anzusehen, statt sie zu verdrängen. Wir erlebten Befreiung darin, einander zu unseren Ängsten, Schulden und Zerrissenheit zu stehen. Diesen konnten wir so ihre beherrschende, destruktive Macht über uns nehmen.

Der initiierende Weg führte uns in unsere je eigene Hölle. Dort konnten wir die Lasten der Seele loslassen und sie dem Feuer übergeben. Hier erkannten wir: Religiös ist, wer die Hölle fürchtet. Wer durch seine Hölle gegangen ist, wird spirituell.

“Vater unser” als Realität

Verlorener Sohn Skulptur von Egino Weinert

Der gute Vater
Skulptur von Egino Weinert

„Wie im Himmel, so auf Erden“. Millionenfach wird dieser Vers des „Vater unser“ regelmäßig von Christen gebetet.

Der Zimmermannsohn aus Nazareth hat in vielen seiner Geschichten dargelegt, wie die umfassende Liebe seines Abba, des himmlischen Vaters, wirksam wird. Wenn wir in tiefem Gottvertrauen den Beispielen dieser Geschichten folgten, würde das Reich Gottes auf Erden Realität. Jesus lebte diese Überzeugung konsequent vor und ließ sich dafür kreuzigen. In seiner Nachfolge finden sich seither immer wieder Menschen bereit, im Umgang mit den Mitmenschen die Maßstäbe des himmlischen Vaters anzulegen. „Wie im Himmel, so auf Erden“ findet auf Erden allerdings nur selten ungeteilte Zustimmung. Allzuoft hebeln die Gebote der Liebe, der göttlichen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit die irdischen Regeln zwischenmenschlichen Verhaltens aus.

Hier gilt vor allem:

  • Keine Schwäche zeigen;
  • Macht und Herrschaft sind zu sichern;
  • Gerechtigkeit definiert der Sieger;
  • Schuld muss gesühnt werden!

In der „Causa Marx“ zeigt sich Papst Franziskus als guter Schüler und Nachfolger Jesu. Weiterlesen

An welchem „Menschen“ orientieren wir uns?

Steinfigur an der Kathedrale von Metz (F)

Steinfigur an der Kathedrale von Metz (F)

Der Mensch ist zu höchster Kompetenz fähig, zu höchster Einsicht und zu höchsten Leistungen. Der Schöpfergott erhob den Menschen zur Krone der Schöpfung, ernannte ihn zum Mitgestalter der Schöpfung. Großzügig begnadete er den Menschen und stattete ihn mit vielfältigen Talenten und Charismen aus. So erhob er den Menschen in den Gedanken des göttlichen Ebenbildes. Die Welt könnte noch heute ein Paradies sein, wäre der Mensch der göttlichen Idee treu geblieben. Doch die hoch begnadeten Menschen namens Adam und Eva wurden hochmütig. Ihr Bestreben, zu sein wie Gott, verletzte sündhaft die Regeln im Paradies. Zur Strafe wurden sie aus dem Paradies vertrieben. Seither müssen die Menschen mit dieser Schuld leben. Die Sünde, sich gegen Gott zu stellen, bleibt der durch alle Generationen vererbte Makel des Menschseins.

Diesem Makel kann der Mensch nicht aus eigener Kraft entkommen. In seiner prinzipiellen, ererbten Gebrochenheit bedarf er der Erlösung. Die grausame Hinrichtung des Jesus von Nazareth am Kreuz war die Erlösungstat, der Gottessohn nahm alle Schuld der Menschen auf sich. Das Geheimnis dieser Erlösung, dessen Wirkung und Entfaltung sind in die Hut der Kirche als personale Gemeinschaft gelegt. Gesichert und bewahrt durch die apostolische Tradition des Bischofsamtes und der besonderen Dienstfunktion des niederen Klerus am Volke Gottes.

Auf diesen Kern verdichtet sich das „christliche Menschenbild“, folgt man dem „Kurzen Versuch über das christliche Menschenbild“ des Passauer Bischofs Stefan Oster SDB. Bischof Oster schrieb seine Abhandlung 2013 für das „Leitlinienprojekt der katholischen Erwachsenenbildung in der Erzdiözese München und Freising“.

Da schimmert viel durch von der Ideenlehre des antiken Griechen Platon (um 427-347 v.Chr.), wenn der bischöfliche Philosoph Stefan Oster das Denkmodell des „christlichen Menschenbildes“ darlegt. Weiterlesen

1000 x nix – dann ZOOM

Danke an www.facebook/Rainer_Tüschenbönner für seine pointierte und inspirierende Verknüpfung von ZOOM und. Wie man einen guten Wein kaut, um dessen Geschmacksfülle auszukosten, kaue ich Rainers Gedanken nach.

- ZOOM als existenzielles Moment, welches die Sicht auf die Welt als plötzliche Fokussierung auf den „Kern der Sache“.

- ZOOM als existenzielles Moment, welches die Sicht auf die Welt gründlich verändert.

„Und es hat ZOOM gemach“ textete und sang Klaus Lage in seinem Hit. Zuvor war jedoch 1000 mal nix passiert.

1000 Momente, in denen nichts funkt. Momente voller Impulse, Riten und frohen Botschaften, die uns bekannt sind, doch uns im Kern nicht erreichen.

Und irgendwann dieser eine Moment des ZOOM, die Erfahrung, die uns bis ins Mark flasht. Eine Erfahrung, die die Welt ins Wanken bringt, uns von den Beinen haut, in der die Vorhänge unseres Denkens zerreißen und Tempel einstürzen.

„Gott liebt dich und vertraut dir. Seine Liebe wird dich nie verlassen“ ist plötzlich nicht mehr theologischer Leitsatz oder religiöse Weisheit. ZOOM – und dieser Satz wird existenzielle, lebensfördernde Erfahrung.

Auch wenn 1000 mal nichts passiert, so ein ZOOM flasht und erhellt. Möge Jede und Jeder immer wieder mit ZOOM-Momenten gesegnet sein

Ein Fundament als Impulse

Aufbruch um heute die NRW-Wahl Landesgrenze nach RP zu überschreiten. Danke an Liz und Hubertus für Gastfreundschaft, Quartier und gute Gespräche.

Die historische Saalkirche in Oberholtdorf bietet einen Hinweis:

Solange wir uns ohne fundamentalistische Ambitionen immer wieder reflektierend am Fundament orientieren, bietet Kirche erhellende und lebensfreundliche Perspektiven. Dazu lohnt es, traditionell und historisch Liebgewonnenes loszulassen. Mögen sie unsere Erinnerungskultur prägen, Gegenwart und Zukunft brauchen eigenständige Impulse.

Als “durch die Geschichte pilgernde Volk Gottes” (II. Vatikanischen Konzil) sollte historische Ballast nicht im Reisegepäck sein.

Homo Sapiens erfährt seine Grenzen

Die Corona-Pandemie stellt unser gesellschaftliches Wertesystem wieder auf die Füße. Der Homo Sapiens schwang sich auf zum Herrn und Herrscher über Natur und Biosphäre. Wissenschaftler sprechen seit einigen Jahren mal stolz, mal warnend vom Anthropozän. Gemeint ist damit, dass das Verhalten der Gattung Mensch für Zukunft und Existenz des Planeten Erde entscheidend geworden ist.

Nun kommt ein kronenartiges Virus daher und erzwingt drastisch unsere Einsicht, dass wir doch nur Teil von Natur und Biosphäre sind. So stehen wir am Scheideweg: Stellen wir uns weiterhin ein auf einen Kampf um die Beherrschung der Natur oder schließen wir Frieden, fügen uns in die angestammte Rolle der Kreatur. Weiterlesen

Oder müssen wir auf einen Anderen warten? Matthäus 11,3

Franziskus enttäuscht – dieser Papst ist kein Reformer. Hoffnungen auf ersehnte Umwälzungen im Kirchenrecht und epochale Strukturänderungen enttäuscht dieser Papst auch im siebten Jahr seiner Amtsführung.

Damit erweist er sich als würdiger Nachfolger des Zimmermannes aus Nazareth. Hat nicht auch Jesus die Hoffnungen seiner Zeitgenossen und Freunde gründlich enttäuscht. Wer sich vom Messias die Befreiung von den Römern, das Ende der politischen und wirtschaftlichen Unterdrückung erhoffte, sah sich verraten und enttäuscht. Solche Enttäuschung brachte Judas Iskariot in den tödlichen Konflikt.

Es wird Zeit zur Ent-Täuschung. Jesus ließ sich aus guten Gründen nicht zum politischen Helden, zum Wortführer des Widerstandes machen. Weiterlesen

Endlich aufbrechen, von der Sehnsucht getragen

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.
Antoine de Saint-Exupéry (1900-44)

Segel hissen

Ein Weisheitsspruch, der nicht nur mein Engagement begleitete und prägte. Weisheitssprüche verdienen beachtet zu werden. Allerdings sollten sie auch immer wieder bedacht werden, ob und wie sie der je aktuellen Realität gerecht werden.

Gab der Autor des „Kleinen Prinzen“ der etwa Sehnsuchtsförderung den Vorzug vor dem Schiffbau und der Kunst der Seefahrt? Hätte er gar die Sehnsucht als Ersatz für technisches Können gepriesen? Weiterlesen