Archiv für Denken schadet nicht

“Vater unser” als Realität

Verlorener Sohn Skulptur von Egino Weinert

Der gute Vater
Skulptur von Egino Weinert

„Wie im Himmel, so auf Erden“. Millionenfach wird dieser Vers des „Vater unser“ regelmäßig von Christen gebetet.

Der Zimmermannsohn aus Nazareth hat in vielen seiner Geschichten dargelegt, wie die umfassende Liebe seines Abba, des himmlischen Vaters, wirksam wird. Wenn wir in tiefem Gottvertrauen den Beispielen dieser Geschichten folgten, würde das Reich Gottes auf Erden Realität. Jesus lebte diese Überzeugung konsequent vor und ließ sich dafür kreuzigen. In seiner Nachfolge finden sich seither immer wieder Menschen bereit, im Umgang mit den Mitmenschen die Maßstäbe des himmlischen Vaters anzulegen. „Wie im Himmel, so auf Erden“ findet auf Erden allerdings nur selten ungeteilte Zustimmung. Allzuoft hebeln die Gebote der Liebe, der göttlichen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit die irdischen Regeln zwischenmenschlichen Verhaltens aus.

Hier gilt vor allem:

  • Keine Schwäche zeigen;
  • Macht und Herrschaft sind zu sichern;
  • Gerechtigkeit definiert der Sieger;
  • Schuld muss gesühnt werden!

In der „Causa Marx“ zeigt sich Papst Franziskus als guter Schüler und Nachfolger Jesu. Weiterlesen

Toter Punkt oder Wendepunkt?

Auf Augenhöhe bitte!

Auf Augenhöhe bitte!

Die katholische Kirche stehe an einem toten Punkt, schrieb der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx an den Papst.

Mit seinem Rücktrittsangebot wolle er beitragen, dass sich dieser tote Punkt zum Wendepunkt wandeln könne.

Dafür wird dem Kardinal allerorten Respekt gezollt.

Die beiden Bocholter Pfarrer Matthias Hembrock und Rafael van Straelen wiesen in ihrer Stellungnahme darauf hin, die Aussagen vom „toten Punkt“ könnten nicht auf die Gemeinden bezogen werden(BBV C3 05.06.2021). Die Kirche vor Ort lebe! Auf der Ebene des Systems müssten die Konsequenzen gezogen werden.

Was aber, wenn sowohl die Perspektiven des Kardinals als auch der Pfarrer gleich wahr und gleich falsch sind? Weiterlesen

An welchem „Menschen“ orientieren wir uns?

Steinfigur an der Kathedrale von Metz (F)

Steinfigur an der Kathedrale von Metz (F)

Der Mensch ist zu höchster Kompetenz fähig, zu höchster Einsicht und zu höchsten Leistungen. Der Schöpfergott erhob den Menschen zur Krone der Schöpfung, ernannte ihn zum Mitgestalter der Schöpfung. Großzügig begnadete er den Menschen und stattete ihn mit vielfältigen Talenten und Charismen aus. So erhob er den Menschen in den Gedanken des göttlichen Ebenbildes. Die Welt könnte noch heute ein Paradies sein, wäre der Mensch der göttlichen Idee treu geblieben. Doch die hoch begnadeten Menschen namens Adam und Eva wurden hochmütig. Ihr Bestreben, zu sein wie Gott, verletzte sündhaft die Regeln im Paradies. Zur Strafe wurden sie aus dem Paradies vertrieben. Seither müssen die Menschen mit dieser Schuld leben. Die Sünde, sich gegen Gott zu stellen, bleibt der durch alle Generationen vererbte Makel des Menschseins.

Diesem Makel kann der Mensch nicht aus eigener Kraft entkommen. In seiner prinzipiellen, ererbten Gebrochenheit bedarf er der Erlösung. Die grausame Hinrichtung des Jesus von Nazareth am Kreuz war die Erlösungstat, der Gottessohn nahm alle Schuld der Menschen auf sich. Das Geheimnis dieser Erlösung, dessen Wirkung und Entfaltung sind in die Hut der Kirche als personale Gemeinschaft gelegt. Gesichert und bewahrt durch die apostolische Tradition des Bischofsamtes und der besonderen Dienstfunktion des niederen Klerus am Volke Gottes.

Auf diesen Kern verdichtet sich das „christliche Menschenbild“, folgt man dem „Kurzen Versuch über das christliche Menschenbild“ des Passauer Bischofs Stefan Oster SDB. Bischof Oster schrieb seine Abhandlung 2013 für das „Leitlinienprojekt der katholischen Erwachsenenbildung in der Erzdiözese München und Freising“.

Da schimmert viel durch von der Ideenlehre des antiken Griechen Platon (um 427-347 v.Chr.), wenn der bischöfliche Philosoph Stefan Oster das Denkmodell des „christlichen Menschenbildes“ darlegt. Weiterlesen

15. Mai 1891 – Geburtsstunde päpstlicher Soziallehre?

 

Werkstattleben

Werkstattleben

RERUM NOVARUM – dem „Geist der Neuerung“ widmete Papst Leo XIII. am 15. Mai 1891 seine Enzyklika über die Arbeiterfrage. Katholische Kirche und ihre Sozialverbände feiern dieses Schreiben als erste Sozialenzyklika und Ausgangspunkt einer nun 130jährigen Tradition Katholischer Soziallehre.

Doch hatte nicht schon Benedikt XIV. am 1. November 1745 in der Enzyklika VIX PERVENIT das seinerzeit in der Wirtschaft aufgekommene Zinssystem scharf kritisiert und dessen gefährlichen Folgen für die Gesellschaft und das Sozialleben aufgezeigt?

„Die Sünde, die usura heißt und im Darlehensvertrag ihren eigentlichen Sitz und Ursprung hat, beruht darin, dass jemand aus dem Darlehen selbst für sich mehr zurückverlangt, als der andere von ihm empfangen hat. Weiterlesen

Unser eiliges Leben

Gehe langsam!

Gehe langsam!

„Gehe langsam!“ hatten die Freunde mir beim Pilgersegen mit auf den Weg gegeben. Diese Aufforderung zählt zu den Geh-boten, die in einer französischen Pilgerkirche seit Jahrhunderten in Stein gemeißelt sind.

Doch was ist langsam? Mit dem Rucksack auf dem Buckel ist mein Geh-Tempo ohnehin geringer als beim Weg zum Einkauf in die Stadt. Nach und nach fand ich meinen Schritt und drosslte ihn noch weiter. Dabei merkte ich: „Langsam bin ich dann, wenn mir die anderen schnell scheinen!“ Überholte mich eine alte Dame mit ihrem halblahmen Dackel, dann war ich im richtigen Tempo. 3,2 bis 3,6 km/h zeigte mir dann meine Wander-App als Durchschnittstempo an. Weiterlesen

Sie sind Salz der Erde

Überall sind sie anzutreffen:

– Menschen, die sich stark machen für die volle Personalentfaltung ihrer Mitmenschen.

– Die erfahrungsoffen und reflektierend ihren Alltag gestalten, um der eigenen Entfaltung Kraft zu geben.

– Menschen, deren tatkräftiges Agieren zur Vermenschlichung der Welt beiträgt.

Woher sie die Kraft nehmen, so zu leben, ist selten auf den ersten Blick erkennbar. Sie erkennen sich untereinander an der gleichen „Wellenlänge des Humanen“.

Ich traf sie in kirchlichen Gruppen, in profanen Zirkeln der Nachbarschaftshilfen und Bürgerinitiativen, in buddhistischen Gemeinschaften und muslimischen Gemeinden. Weiterlesen

Bist Du fit genug?

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Da ist sie also wieder: Jene Frage, die schon vor dem Aufbruch im März wie ein Damoklesschwert über dem Projekt hing. Auch jetzt nach den Erholungstagen in Tübingen und beim Aufbruch in die weiteren Etappen steht wieder im Raum: Bist Du fit genug?

Nein, ich bin es nicht! – Ich bin jetzt 70 Jahre alt, meine Patientenakte lässt sich in Zentimetern fassen.

Pilgern aber ist keine Fitnessübung. Pilgernd will ich dem Anspruch nachgehen, den das Zweite vatikanische Konzil mit dem Bild der Kirche als „durch die Geschichte pilgerndes Volk Gottes“ aufzeigte. Weiterlesen

Die Momente sind da

Sorgenpüppchen begleiten mich

Sorgenpüppchen begleiten mich

Sie würden kommen, hatte mir ein Freund zum Aufbruch geschrieben: „Bevor Sie wohlbehalten zurück kommen, wünsche ich Ihnen aufregende Momente, die Sie fordern.

Momente, in denen Sie sich fragen, woher die Kraft fürs Weitermachen, Weiterlaufen kommen soll; Momente, in denen Sie fluchen und vielleicht sogar etwas entmutigt werden. Weiterlesen

Darf dat dat dann?

Meine Bitte um ein Pilgerquartier empfand der Prior schon als belästigende Zumutung. Da nützte auch der Pilger-Geleitbrief des Münsteraner Bischofs wenig. Es sei Pandemie, er sei Risikopatient und habe die Gemeinschaft zu schützen. Darum gäbe es auch gute Gründe für die amtlichen Beherbergungsverbote. Weiterlesen

Viele Gründe führen nach Rom

Rom ist eine schöne, geschichtsträchtige Stadt voller Überraschungen und Verlockungen. Eine Reise ist sie jederzeit wert. Aber dahin pilgern?

Dazu müssen schon andere Gründe aufwarten:

– Es ist die Stadt des Vatikans und des Papstes. Doch im Lauf der Jahre hatte ich an mehreren Papstaudienzen teilgenommen und auch Gespräche im Vatikan geführt. Für mich ist der Vatikan vor allem Versammlungsort des Zweiten vatikanischen Konzils. Weiterlesen