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Wenn Werte käufliche Auswege haben

Leihmutterschaft, Oligarchisierung und der gefährdete Würdeschutz

Politik beginnt nicht erst mit Gesetzen, Verordnungen und Parteitagsbeschlüssen. Sie beginnt dort, wo eine Gesellschaft entscheidet, was sie dem Menschen zumuten darf und was sie ihm niemals antun darf. Deshalb ist die Debatte über Leihmutterschaft keine bloßeSpezialfrage des Familienrechts und auch kein privates Randthema prominenter Personen. Sie berührt den innersten Punkt des demokratischen Selbstverständnisses: Wird der Mensch als Zweck an sich anerkannt, oder wird er, sobald es nützlich erscheint, zum Mittel fremder Wünsche, Interessen und Strategien?

Die Leihmutterschaftsaffäre um Jens Spahn macht diese Frage sichtbar, weil sich in ihr drei Ebenen überlagern: das private Glück eines Paares, das rechtliche Verbot einer Praxis in Deutschland und der politische Vorwurf der Doppelmoral. Nach öffentlichen Berichten wurde Spahn mit seinem Ehemann durch eine Leihmutterschaft in den Vereinigten Staaten Vater; zugleich blieb die CDU bei ihrer ablehnenden Haltung zur Leihmutterschaft, während in Deutschland ärztliche Mitwirkung und Vermittlung verboten sind. Juristisch ist damit noch nicht alles gesagt. Denn eine Handlung kann legal sein und dennoch politisch erklärungsbedürftig bleiben, wenn sie eine Norm umgeht, die man öffentlich verteidigt. Weiterlesen