Sich an Populisten abzuarbeiten hat leider einen unerwünschten Effekt: sie erhalten durch diese Aufmerksamkeit ihre Bühne und bestimmen die Themen der Debatten. Es wird Zeit, die Aufmerksamkeit von den Gegnern der Demokratie zur Frage nach einer konstruktiven Weiterentwicklung der Demokratie umzulenken und für diese Weiterentwicklung einzutreten.
a. Einführung
Bevor von neuen Formen der Demokratie die Rede ist, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten. Politische Debatten beginnen heute meist mitten im Streit: über Parteien, Krisen, Gesetze, Fehlentscheidungen oder einzelne Personen. Das ist verständlich, denn politisches Geschehen zeigt sich im Alltag oft genau so. Doch wer nur auf diese sichtbare Oberfläche schaut, übersieht leicht die tiefere Frage: Wie können Menschen frei sein und dennoch gemeinsam handlungsfähig bleiben? Dieser Frage gehe ich als Sozialpädagoge seit nunmehr über fünfzig Jahren nach.
In dieser Zeit begegnete ich vielen Menschen, die die Sehnsucht nach personaler Selbstbestimmung in guten demokratischen Verhältnissen teilen. Auf einer Vielzahl von Tagungen, Seminaren und in den eigenen Projekten lernte ich kreative Denker und engagierte Aktivisten kennen, durfte Initiativen wie den „Regionalen Aufbruch“ oder die „Initiative Verfassungskonvent“ mitgestalten. Und doch schafften wir es gemeinsam nicht, das Geschenk neuzeitlicher Demokratie vor autokratischen und populistischen Angriffen zu schützen. Herausforderungen der sozialen Gerechtigkeit, der Klimaverantwortung oder des internationalen Ausgleichs werden seit Jahrzehnten in den Mühlen des intransparent gewordenen politischen Systems zermahlen. Es ist Zeit, die Sehnsucht nach Demokratie erneut auf ihre Möglichkeiten und Bedingungen zu überprüfen. Weiterlesen