Archiv der Kategorie: Allgemeines

Zur Identitätskrise junger Männer

Krise junger Männer 2

 

 

 

 

 

       

Ursachen, Folgen und systemische Handlungsfelder

1. Einleitung: Die Erosion der männlichen Teilhabe als gesellschaftliches Risiko

Die gegenwärtige Krise junger Männer darf nicht länger als Summe individueller Biografien oder persönlicher Defizite missverstanden werden. Aus der Perspektive der Bildungssoziologie zeichnet sich ein strukturelles Risiko ab, das wie ein „Riss im Fundament“ unserer gesellschaftlichen Teilhabe wirkt. Wenn ein signifikanter Teil einer Generation den Anschluss an Bildungsbiografien verliert, sich vom Arbeitsmarkt entfremdet und in reaktionäre digitale Subkulturen flüchtet, ist der soziale Zusammenhalt als Ganzes gefährdet. Eine strategische Analyse dieses Phänomens muss jenseits ideologischer Gräben erfolgen: Es geht nicht um die Revitalisierung patriarchaler Hierarchien, sondern um die Sicherung der Zukunftsfähigkeit unserer Institutionen. Die mangelnde Integration junger Männer führt zu messbaren Verwerfungen, die von ökonomischer Prekarität bis hin zu politischer Instabilität reichen. Um diese Entwicklung umzukehren, ist eine kühle Analyse der harten Fakten des Bildungssystems die notwendige Voraussetzung.

2. Bestandsaufnahme: Die Bildungsschere im primären und sekundären Sektor

Schulabschlüsse fungieren in der modernen Wissensgesellschaft als primäre Zugangsberechtigung für gesellschaftliche Teilhabe. Wer hier scheitert, bleibt oft dauerhaft marginalisiert. Die aktuelle Datenlage verdeutlicht, dass Jungen im Bildungssystem systematisch ins Hintertreffen geraten. Weiterlesen

Abbau oder Neubau des Sozialstaates?

Als Versorgungsstaat, der Bedürftigkeit seiner Bürger alimentiert und primär Defizite verwaltet, kommen auch moderne Industriegesellschaften an ihre Grenzen. Die klassischen Sozialsysteme werden im politischen Spagat zwischen Alterung der Bevölkerung und wegbrechender Beitragsbasis zerrissen. Notwendig erscheinende Sparpolitik verschärft die Lage, führt die Mehrheit der Bürger in die Verarmungsspirale und den Staat in die steuerpolitische Sackgasse.Politischer Mut um die staatliche Handlungsfähigkeit durch eine proaktive Ausweitung der Wertschöpfungsbasis  zu stabilisieren, ist weder bei Parteien noch in breiten Kreisen der Wählerschaft zu erkennen. Eine darauf ausgerichtete Strategie stellte einen tiefgreifenden Systemwandel dar.

Dass ein derartiger Systemwechsel sich allerdings nationalökonomisch rechnen würde, legte das POLITISCHE FORUM UNTERE SAAR – HOCHWALD dar. Sprecher dieses Forums ist der Nationalökonom Hans Ludwig, ehemaliger Direktor des Sozialinstituts der süddeutschen KAB in Waldmünchen. In einer Denkschrift vom Oktober 2016 entwarf das Forum eine „solidarische Arbeitsgesellschaft in marktwirtschaftlicher Ordnung“. Die vorgeschlagene strategische Lösung liegt im Übergang zu einer „Vorsorge- und Tätigkeitsgesellschaft“. Mit ökonomischen Berechnungen bestätigte das Forum die „Vision für eine gerechter Gesellschaft – Solidarität – Chance für die Zukunft“, mit der bereits 2003 der Bund der katholischen Jugend (BdkJ) für ein bedingtes Grundeinkommen in einer Tätigkeitsgesellschaft warb.Statt auf fragwürdige „Sondervermögen“ zu setzen, schlagen die Ökonomen des Forums die soziale, marktwirtschaftliche Regulierung bestehender Geldflüsse vor. Eine Regulierung, die die Schuldenspirale aufbricht.Die aktuellen politischen und regierungsamtlichen Bestrebungen zum Abbau des Sozialstaates geben Anlass, die Perspektiven unterschlagener Propheten erneut ins gesellschaftliche Bewusstsein zu heben.

Video-ZusammenfassungKI-generiert
Auf Pump
Themengrafik KI-generiert Investition statt Sparzwang 
Quelle:POLITISCHES FORUM UNTERE SAAR – HOCHWALDDenkschrift zur Frage Ist das Saarland noch zu retten? Eine solidarische Arbeitsgesellschaft in marktwirtschaftlicher Ordnung vom 4.Oktober 2026
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Die Finanzierungslogik der Tätigkeitsgesellschaft: Ein mathematischer Wegweiser 

In der klassischen Nationalökonomie wird oft das Dogma des „Sparens in der Krise“ gelehrt. Doch Ökonomen, der sich intensiv mit transformativen Modellen befassen, konstatieren: Herkömmliche Austerität greift zu kurz, da sie die produktive Basis schwächt. Das Modell der Tätigkeitsgesellschaft schlägt einen anderen, mathematisch fundierten Weg ein. Es begreift den Sozialstaat nicht als Kostenstelle, sondern als Investitionsmotor.

1. Der Paradigmenwechsel: Vom Sparzwang zur Investition 

Das Fundament dieses Modells ist die Auflösung des sogenannten Schuldenparadoxons. Politisch prägend ist die Sorge vor Staatsverschuldung; hier jedoch wird Verschuldung als präzise dosierter „Initialfunke“ eingesetzt. Weiterlesen

Life-Style – Menschenwürdig arbeiten und leben

Mehr arbeiten, damit (wessen?) Wohlstand wächst?

Während Wirtschafts-Ideologen über „Life-Style-Arbeitsverträge“ palavern, haben sozialbewußte Nationalökonomen längst die notwendige Umwandlung der Erwerbsarbeits-Gesellschaft in eine Tätigkeits-Gesellschaft erkannt und berechnet.Bereits im Jahr 2003 legte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ein Konzept vor, wie  eine gerechtere Gesellschaft, zentriert auf ein tätigkeitsbasiertes Grundeinkommen, die Armutsrisiken mindern kann. Dieses Modell sieht ein bedingungtes Grundeinkommen in gleicher Höhe für Kinder und Erwachsene vor, w elchesdas sozio-kulturelle Existenzminimum absichert.

Der Anspruch auf dieses Einkommen basiert auf der Erbringung von jährlich mindestens 500 Stunden gesellschaftlich notwendiger Arbeit in vier gleichwertigen Bereichen: Erwerbsarbeit, ehrenamtliches Engagement, Familienarbeit und Bildung. Finanziert werden soll das System hauptsächlich durch eine reformierte Steuerstruktur, einschließlich einer negativen Einkommenssteuer und einer Ressourcenverbrauch-Steuer, und wird ergänzt durch Maßnahmen wie eine Höchstarbeitszeitbegrenzung und eine stärkere Investition in Bildung.

Video-ZusammenfassungKI-generiert BDKJ Grundeinkommen Themengrafik KI-generiert BdkJ Grundeinkommen
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5 radikale Ideen aus einem fast vergessenen Grundeinkommens-Konzept 

Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist eine der meistdiskutierten sozialen Ideen unserer Zeit. Die Vorstellung, dass jeder Mensch monatlich einen festen Geldbetrag erhält, der die Existenz sichert – ganz ohne Gegenleistung – fasziniert und polarisiert zugleich. Es scheint, als gäbe es nur zwei Lager: die begeisterten Befürworter und die strikten Gegner. Doch diese binäre Debatte übersieht einen dritten, weitaus nuancierteren Weg – einen, der bereits vor fast zwei Jahrzehnten detailliert formuliert wurde. Weiterlesen

Auf der Suche nach dem Kompass?

Aufhebung Hegels Kompass integraler Philosophie
Deutsche Christdemokraten suchen ihren Kompass in der programmatischen Wurzel ihrer Partei. Donals Trump dagegen erklärt seine eigene Moral zum Kompass seines Handelns. Doch wie Pfadfinder und Soldaten schon früh lernen, gehört zur Orientierung auch die Landkarte. Was, wenn die zerrissen ist, wie ein alter Falk-Plan auf einer Mülldeponie? Wie schaffen, wie rekonstruieren wir aus dessen Resten unsere notwendige Orientierung?Hier kommt der Sozialphilosoph Johannes Heinrichs (*1942) ins Spiel. Während sich die Philosophie nach Hegel in isolierte Spezialdisziplinen auflöste, ermöglicht Heinrichs’ Reflexionslogik eine systematische Integration, die sowohl universelle Strukturen erkennt als auch offen für neue Erfahrungen bleibt.Wie wichtig seine integrale Philosophie für die gesellschaftliche Entwicklung ist, lässt sich an mehreren Kernpunkten festmachen:

1. Überwindung der Demokratiekrise Heinrichs diagnostiziert, dass heutige Parteiendokratien strukturell unfähig sind, notwendige Reformen umzusetzen, da sie verschiedene Sachfragen (Wirtschaft, Bildung, Ethik) in unzulässige „Paket-Lösungen“ pressen. Sein Modell der Wertstufendemokratie sieht vier spezialisierte parlamentarische Kammern vor, was die politische Handlungsfähigkeit durch eine sachgemäße Gliederung wiederherstellen soll. Weiterlesen

Größenwahn oder Augenmaß

 Größenwahn

Das Maß der Dinge

Das Maß der Dinge

Das Maß verloren?
Söders Fusionspläne im Konflikt mit der Philosophie der kleinen Einheiten
1. Einleitung: Zwei unvereinbare Visionen für Deutschlands ZukunftDer aktuelle Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, deutsche Bundesländer zu fusionieren, ist mehr als nur ein finanzpolitischer Schachzug; er ist die Speerspitze einer Denkschule, die Effizienz über Identität stellt und damit eine philosophische Grundfrage unserer Zeit aufwirft: Ist „größer“ wirklich immer „besser“? Söders primäre Motivation ist die radikale Reform des Länderfinanzausgleichs, doch seine Vision einer zentralisierten Ordnung steht im diametralen Widerspruch zu einer radikal entgegengesetzten Philosophie: der des Denkers Leopold Kohr. Wo Söder auf Zusammenschluss und Skaleneffekte setzt, sah Kohr die Lösung für die Pathologien der Moderne in Teilung und Kleinteiligkeit. Dieser Artikel analysiert die beiden unvereinbaren politischen Ontologien und beleuchtet sie am konkreten Fallbeispiel der saarländischen Denkschrift zur Teilautonomie, die Kohrs Ideen als Verteidigungsstrategie aufgreift. Weiterlesen

Wir sollten nicht schweigen

Wir sollten nicht schweigen

– wenn wir eine demokratische Zukunft wollen.

Lokale Demokratie stärken

Lokale Demokratie stärken

Aktives Schweigen kann wirksam sein um dem Geschrei der Demokrate-Verächter standzuhalten.

Stille kann Raum schaffen für Reflexion, Intuitionen und Einsichten.

Doch Einsichten und Aussichten sollten nicht verschwiegen werden.

Wo Populisten laut und destruktiv die Grundlagen des Sozialen angreifen, ist es geboten, konstruktiv und mit kompetenter Gestaltungsmacht die Stimme zu erheben.

Video zur Demokratie-Entwicklung

Video zur Demokratie-Entwicklung

 

Kontemplation und Aktion,

Reflexion und Position

sind die Spannungsbögen der denk!BAR.

 

 

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Des Fragens würdiger Priesterkult

Die Skandale um sexuelle Missbräuche und deren organisierte Vertuschung haben vor allem die katholische Kirche in eine abgrundtiefe Vertrauenskrise gestürzt. Dieser Sturz in den Abgrund mag vielen traditionell Christgläubigen als Desaster erscheinen. Er kann aber auch zum Rück-Sturz in die dem Christentum eigenen Urgründe werden.

Die derzeitige Vertrauenskrise der katholischen Kirche ist im Wesentlichen eine Ablehnung traditionellen Priestertums und Priesterherrschaft. Längst überfällige Debatten brechen auf. Synodal soll die Kirche in die Zukunft geführt werden – allerdings sind sich die verschiedenen Bischöfe und Laienvertreter sehr uneins über die Begriffs- und Tragweite von „Synodal“. Frauen erheben Ansprüche auf Leitungs- und Weiheämter, Männer unterstützen diese Begehren und geweihte Amtsträger bekunden Verständnis und leichte Öffnungsbereitschaft.

Auf synodalen Wegen?

Auf synodalen Wegen?

Der Klerus sei die Wirbelsäule der Kirche, betont der Augsburger Bischof Bertram Meier. Männer und Frauen des gottgeweihten Lebens sieht er als „Herz der Kirche“.

Für Bischof Meier ist das Konzept sakramental verorteten Priestertums notwendiger Grundzug der katholischen Kirche. Würde die sakramentale Weihe zur Disposition, stünde die Katholizität als Ganzes auf dem Spiel. Das ginge weit über eine geistlich erneuerte Kirche hinaus, führe in eine ganz andere neue Kirche. Wie sein Münchner Amtsbruder Reinhard Kardinal Marx sieht auch er: “Eine priesterlose Kirche ist nicht mehr katholisch.”

Dagegen verweisen inzwischen verschiedene Theologen und Theologinnen darauf, dass sich weder im Verhalten Jesu noch im Neuen Testament Hinweise finden lassen, Jesus wolle die Geschicke seiner Glaubensgemeinschaft in die Hände speziell ausgebildeter spiritueller Kultdiener mit „amtlicher Heiligkeit durch Weihe“ legen. Weiterlesen

Unterschlagene Propheten

Kerzenopfer am Wallfahrtsort Fatima

Kerzenopfer am Wallfahrtsort Fatima

Das traditionelle System “Katholische Kirche” zerfällt.

Verantwortungsträger in Klerus und Laienschaft suchen synodal nach Wegen aus der Misere.

Da lohnt ein Blick auf engagierte und klarsichtige Christen, deren Einsichten in ihrer Zeit als irritierend und störend abgetan wurden. Priester als auch Laien zählen zu diesen Propheten, deren Erkenntnisse noch heute (oder gerade heute) Wege aus den Sackgassen eröffnen.

Texte dieser Vordenker habe ich als interaktive MindMaps aufbereitet.

MindMaps erlauben, die Argumentation des Autors grafisch wie eine Landkarte zu entfalten. Anders als im klassischen Fließtext wird es dem Leser möglich, in der Gedankenwelt des Autors zu stöbern.

Nach und nach stelle ich die MindMaps (bzw. die Links dazu) hier auf dieser Seite ein.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und gute Einsichten beim Stöbern.

 

Den Start macht ein Vortrag von Dr. Walter Friedberger zu den Sozialen Intentionen des Jesus von Nazareth aus dem Jahr 1976. Dr. Friedberger leitete von 1970 bis 1991 die überdiözesane Priesterfortbildung der bayrischen Bistümer.

Wie reich bist Du?

In Bocholt startet heute die WOCHE DER ARMUT:

Schwerpunktthema der diesjährigen Aktion ist Kinderarmut. Kinder leiden unter den ärmlichen familiären Bedingungen, häufig nehmen sie Schaden an ihrer personalen Entwicklung.

Kinder in Armut und ihre Eltern brauchen die Solidarität der Gesellschaft, die Solidarität jener, die nicht arm sind. Mit welchen Einkommen aber ist man eigentlich arm, wohlhabend oder gar reich?

Die hinterlegte MindMap zeigt die politischen Definitionen und deren Konsequenzen. Es wirft Fragen auf zu den Lebens- und Einkommensverhältnissen der unterschiedlichen Gruppen.

Das MindMap lädt ein zum Nachdenken über die eigene Einkommenssituation.

 

Bocholts Zukunft im Biedermeier?

Im bundesweiten Wettbewerb “Zukunftsstadt 2030“ errang Bocholt einen der hochdotierten Siegerplätze. Auch gibt es ein im Wettbewerb gefördertes Zukunftsbüro.

Die zum Wettbewerb erstellten Bürgergutachten bieten allerdings wenig Perspektiven, wie sich Zivilgesellschaft und Kommunalpolitik den prognostizierten Wahrscheinlichkeiten der kommenden 30 – 50 Jahre stellen wollen.
Die Jahreszahlen 2050 und 2072 könnten den Horizont solcher Zukunftsorientierung markieren.

Doch die debattierten Zukunftspläne erreichen solche Horizonte bei weitem nicht. Weiterlesen