Archiv der Kategorie: Querdenker

Altern in Moll – Reifen in Dur

Ich bin alt.

Schon mein ganzes, langes Leben war ich alt

Und wurde stets älter.

Alt war ich schon am Tag meiner Taufe-

3 Tage alt.

Alt war ich bei der Einschulung –

6 Jahre alt.

Im Alter von 17 die Gesellenprüfung,

beim Studienabschluss 22 Jahre alt.

Immer wieder war ich alt.

Hochzeiten und Lebenskrisen formten mein Altern.

In Reflexionen dieser Entwicklungen wird Altern zur Reifung.

 

Nun bin ich ein Ältester im Lebens-Herbst.

Zeit der Ernte wird dazu gesagt.

Doch reife Bäume ernten nicht.

Sie streuen ihre Früchte als Aussaat..

 

Abfinden mit den Verminderungen ist „Altern in Moll“.

„Reifen in Dur“ dagegen heißt:

Früchte zur Aussaat geben.

 

Josef Hülkenberg

Wege demokratischer Neuerung

Sich an Populisten abzuarbeiten hat leider einen unerwünschten Effekt: sie erhalten durch diese Aufmerksamkeit ihre Bühne und bestimmen die Themen der Debatten. Es wird Zeit, die Aufmerksamkeit von den Gegnern der Demokratie zur Frage nach einer konstruktiven Weiterentwicklung der Demokratie umzulenken und für diese Weiterentwicklung einzutreten.

a.       Einführung

Bevor von neuen Formen der Demokratie die Rede ist, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten. Politische Debatten beginnen heute meist mitten im Streit: über Parteien, Krisen, Gesetze, Fehlentscheidungen oder einzelne Personen. Das ist verständlich, denn politisches Geschehen zeigt sich im Alltag oft genau so. Doch wer nur auf diese sichtbare Oberfläche schaut, übersieht leicht die tiefere Frage: Wie können Menschen frei sein und dennoch gemeinsam handlungsfähig bleiben? Dieser Frage gehe ich als Sozialpädagoge seit nunmehr über fünfzig Jahren nach.

In dieser Zeit begegnete ich vielen Menschen, die die Sehnsucht nach personaler Selbstbestimmung in guten demokratischen Verhältnissen teilen. Auf einer Vielzahl  von Tagungen, Seminaren und in den eigenen Projekten lernte ich kreative Denker und engagierte Aktivisten kennen, durfte Initiativen wie den „Regionalen Aufbruch“ oder die „Initiative Verfassungskonvent“ mitgestalten. Und doch schafften wir es gemeinsam nicht, das Geschenk neuzeitlicher Demokratie vor autokratischen und populistischen Angriffen zu schützen. Herausforderungen der sozialen Gerechtigkeit, der Klimaverantwortung oder des internationalen Ausgleichs werden seit Jahrzehnten in den Mühlen des intransparent gewordenen politischen Systems zermahlen. Es ist Zeit, die Sehnsucht nach Demokratie erneut auf ihre Möglichkeiten und Bedingungen zu überprüfen. Weiterlesen

Resonanz, Demokratie und das menschliche Maß

Demokratie wird häufig so beschrieben, als sei sie vor allem eine Frage von Verfassungen, Wahlen, Parteien und Institutionen. Das ist nicht falsch, aber es greift zu kurz. Denn noch bevor Menschen abstimmen, streiten, Kompromisse schließen oder politische Verantwortung übernehmen, sind sie überhaupt erst einmal Wesen, die aufeinander bezogen leben. Sie reagieren auf Blicke, Stimmen, Gesten, Nähe, Anerkennung und Zurückweisung.

Genau an diesem Punkt setzt meine Überlegung an: Wenn wir verstehen wollen, warum Bürgerbeteiligung mehr ist als ein freundliches Zusatzangebot des Staates, dann müssen wir tiefer ansetzen – beim Menschen selbst. Demokratie beginnt nicht erst im Parlament. Sie beginnt dort, wo Menschen sich wechselseitig wahrnehmen, sich angesprochen fühlen und erfahren, dass ihre Stimme etwas bewirken kann.

Der Gedanke der Resonanz ist dafür ein Schlüssel. Resonanz meint hier nicht bloß einen schönen Klang oder ein angenehmes Gefühl. Weiterlesen

Das Ende der moralischen Instanz?

Wie die BaWü-Wahl die Macht der Kirchen entlarvtDer verborgene Wahlkrimi Die Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2026 wird als einer der knappsten Wahlkrimis in die Geschichte des Bundeslandes eingehen. Auf den ersten Blick siegten die Grünen unter Cem Özdemir mit 30,2 Prozent hauchdünn vor der CDU. Doch die wahre Geschichte steht im Kleingedruckten der Wahltagsbefragungen. Eine exklusive Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen, die auf einer massiven Stichprobe von 21.000 Befragten in 160 Wahllokalen basiert, enthüllt eine völlig andere politische Landkarte. Hätte man nur in die Kirchenbänke oder Moscheen geblickt, wäre der Wahlabend nicht mit dem Sieg Özdemirs, sondern mit einem Triumph der Union zu Ende gegangen. Die Daten zeigen: Religiöse Identität ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern ein mächtiger – wenn auch oft paradoxer – Hebel der politischen Macht.
Video-ZusammenfassungKI-generiertWahlverhalten der Christen  Themengrafik KI-generiert Wahlen BW
Quellen:
https://katholisch.de/artikel/67592-christen-waehlen-anders-analyse-der-baden-wuerttemberg-wahl   https://www.forschungsgruppe.de/Startseite/    https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2026-03-08-LT-DE-BW/umfrage-afd.shtml 
Zum vertieften Lesen:
Erkenntnis 1: Ein anderer Ministerpräsident – Die Dominanz der CDU bei Christen Wäre Baden-Württemberg ein Land, in dem nur Katholiken und Protestanten zur Wahl gehen, hieße der Ministerpräsident heute Manuel Hagel. Die Daten belegen einen massiven „konfessionellen Bonus“ für die CDU. Während die Partei im Gesamtergebnis bei 29,7 Prozent stagnierte, scharten sich die Kirchenmitglieder hinter der Union: 38 Prozent der Katholiken und 30 Prozent der Protestanten gaben Hagel ihre Stimme. In einer rein christlichen Wählerschaft hätte dies für eine komfortable Regierungsmehrheit gereicht. Die Analyse der Forschungsgruppe Wahlen lässt hier keinen Spielraum für Interpretationen:„Manuel Hagel wäre Ministerpräsident geworden, wenn nur die Stimmen von Katholiken und Protestanten gezählt hätten.“ Weiterlesen

Die 375-Milliarden-Euro-Rechnung

Warum Bocholt sein „Beton-Gedächtnis“ löschen mussWir bauen heute die Ruinen von morgen, während wir so tun, als würden wir das Klima retten. Das Ziel „Bocholt 2040“ – die Vision einer klimaneutralen Stadt – ist in aller Munde, doch zwischen den Hochglanzbroschüren und der harten Realität der Baustellen klafft ein Abgrund aus Beton. Der renommierte Stern-Report hat es bereits vor Jahren skizziert: Das wirtschaftliche Risiko des ungebremsten Klimawandels beläuft sich auf bis zu 20 % des globalen Bruttoinlandsprodukts. In Deutschland übersetzt das Umweltbundesamt (UBA) dieses Versäumnis in eine konkrete Zahl: 375 Milliarden Euro an jährlichen Umweltfolgekosten bis zum Ende des Jahrhunderts.
Video-Zusammenfassung

KI-generiert Bocholt Solarstadt

Themengrafik KI-generiert

 BOH Klima 2

Quellen:Bocholt belegt Spitzenplatz bei Solarenergie-Ausbau, BBV 07.03.2026  / C3 (jkr)
Verlässlichkeit und Verantwortung für Bocholt  - Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Wahlperiode 2025-2030
Hülkenberg, Josef; Maier, David; HS Wismar 2024, Klimafolgekosten (bzw. ÖkoBilanz) als Controlling-Instrument für Planer, politische Entscheidungsträger und Bürger
Hülkenberg, Josef; HS Wismar 2024, Potentiale dezentraler Stromerzeugung im urbanen Bestand – Betrachtet am Sozialraum 4 Bocholt Nordost/Giethorst
 Zum vertieften Lesen: 
1. Das Versprechen der Klimaneutralität vs. die Realität des Betons
Warum aber unterschreiben wir auf kommunaler Ebene weiterhin Rechnungen, deren wahres Ausmaß wir nicht kennen? Die zentrale Herausforderung ist nicht nur der Radweg oder die E-Mobilität – es ist die massive „Pfadabhängigkeit“ unserer Bauentscheidungen. Wir steuern auf einen „Carbon Lock-in“ zu, weil wir die versteckten Kosten unseres Lebensraums konsequent ignorieren. Um die pro-Kopf-Last von 11 Tonnen CO₂ auf unter 1 Tonne zu senken, müssen wir aufhören, den Bausektor als bloße Kulisse zu betrachten.2. Der „Blinde Fleck“ der Stadtplanung: 50 % der Emissionen liegen im BauWenn wir über den Gebäudesektor sprechen, blicken wir meist auf den Schornstein oder die Dämmung. Das ist ein fataler Irrtum. Der wahre Hebel liegt in der sogenannten „Grauen Energie“. Daten belegen eindringlich, dass der Bau- und Gebäudesektor weltweit für über 50 % der Emissionen verantwortlich ist, sofern man die prozessbedingte Herstellung und den Abriss mit einberechnet.Während der Betrieb von Wohngebäuden oft im Fokus der „Wärmewende“ steht, wird die „Beton-Sünde“ – also die massiven Scope-3-Emissionen aus Zement- und Stahlproduktion – systematisch unterschätzt. Wir optimieren die Effizienz von Heizungen, während wir für den Rohbau Ressourcen verschwenden, die das CO₂-Budget der nächsten Generation bereits heute sprengen.„Wenn knapp die Hälfte aller CO₂-Emissionen dem Faktor Bauen zuzurechnen ist, wächst eine immense Verantwortung jenen Instanzen zu, die für die Vergabe und Gestaltung von Baurechten zuständig sind.“

Weiterlesen

Life-Style – Menschenwürdig arbeiten und leben

Mehr arbeiten, damit (wessen?) Wohlstand wächst?

Während Wirtschafts-Ideologen über „Life-Style-Arbeitsverträge“ palavern, haben sozialbewußte Nationalökonomen längst die notwendige Umwandlung der Erwerbsarbeits-Gesellschaft in eine Tätigkeits-Gesellschaft erkannt und berechnet.Bereits im Jahr 2003 legte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ein Konzept vor, wie  eine gerechtere Gesellschaft, zentriert auf ein tätigkeitsbasiertes Grundeinkommen, die Armutsrisiken mindern kann. Dieses Modell sieht ein bedingungtes Grundeinkommen in gleicher Höhe für Kinder und Erwachsene vor, w elchesdas sozio-kulturelle Existenzminimum absichert.

Der Anspruch auf dieses Einkommen basiert auf der Erbringung von jährlich mindestens 500 Stunden gesellschaftlich notwendiger Arbeit in vier gleichwertigen Bereichen: Erwerbsarbeit, ehrenamtliches Engagement, Familienarbeit und Bildung. Finanziert werden soll das System hauptsächlich durch eine reformierte Steuerstruktur, einschließlich einer negativen Einkommenssteuer und einer Ressourcenverbrauch-Steuer, und wird ergänzt durch Maßnahmen wie eine Höchstarbeitszeitbegrenzung und eine stärkere Investition in Bildung.

Video-ZusammenfassungKI-generiert BDKJ Grundeinkommen Themengrafik KI-generiert BdkJ Grundeinkommen
Zum vertieften Lesen 

5 radikale Ideen aus einem fast vergessenen Grundeinkommens-Konzept 

Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist eine der meistdiskutierten sozialen Ideen unserer Zeit. Die Vorstellung, dass jeder Mensch monatlich einen festen Geldbetrag erhält, der die Existenz sichert – ganz ohne Gegenleistung – fasziniert und polarisiert zugleich. Es scheint, als gäbe es nur zwei Lager: die begeisterten Befürworter und die strikten Gegner. Doch diese binäre Debatte übersieht einen dritten, weitaus nuancierteren Weg – einen, der bereits vor fast zwei Jahrzehnten detailliert formuliert wurde. Weiterlesen

Selbstermächtigung der Bürger in der Stadtentwicklung

Kernerkenntnisse zur Selbstermächtigung der Bürger in der Stadtentwicklung 

Dieses Briefing fasst die zentralen Thesen meiner Masterarbeit aus dem Jahr 2025 „Selbstermächtigung der Bürger als Konstitutive demokratischer Stadt- und Regionalentwicklung“ / „Citizen Empowerment as a Constitutive Element of Democratic Urban and Regional Development“ zur Neuausrichtung der Bürgerbeteiligung in der Stadt- und Regionalentwicklung zusammen. Der Kern meiner Argumentation ist die Forderung, die Mitwirkung der Bürger nicht länger als ein politisch „zu gewährendes Recht“, sondern als ein fundamental „zu gewährleistendes Recht“ zu etablieren.

Bürgermacht und Demokratie.jpg Selbstermächtigung der Bürger
Als Fundament für dieses Recht wird eine anthropologische Verankerung in wissenschaftlich unbestreitbaren Grundtatsachen über den Menschen vorgeschlagen: LEBEN, ZWEIGESCHLECHTLICHKEITRESONANZ und REFLEXION. Diese Verankerung, untermauert durch neurowissenschaftliche Erkenntnisse wie die Entdeckung der Spiegelneurone, bietet eine robustere Grundlage als historisch gewachsene Wertkonzepte, die in der aktuellen globalen politischen Landschaft zunehmend in Frage gestellt werden.
 Die Studie adressiert die gegenwärtige „Krise der Demokratie“, die sich durch Vertrauensverlust, das „Beteiligungs-Paradoxon“ und den Aufstieg autokratischer Regime manifestiert. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden globalen Urbanisierung, die die Stadt zum primären Lebensraum des Menschen macht, wird die Gestaltung städtischer Räume zu einer zentralen Arena für die Verwirklichung von Grundrechten.

Einen Lösungsansatz sehe ich in der „Reflexionslogik“, ein strukturierendes Prinzip, das komplexe gesellschaftliche Entscheidungsprozesse hierarchisch ordnet und sicherstellt, dass ethische Grundwerte den Rahmen für Kultur, Politik und schließlich die Wirtschaft vorgeben. Dies bietet eine tragfähige Statik, um der Selbstermächtigung der Bürger Gestaltungsmacht zu verleihen und sie gegen antidemokratische Kräfte zu verteidigen.
Weiterlesen

Des Fragens würdiger Priesterkult

Die Skandale um sexuelle Missbräuche und deren organisierte Vertuschung haben vor allem die katholische Kirche in eine abgrundtiefe Vertrauenskrise gestürzt. Dieser Sturz in den Abgrund mag vielen traditionell Christgläubigen als Desaster erscheinen. Er kann aber auch zum Rück-Sturz in die dem Christentum eigenen Urgründe werden.

Die derzeitige Vertrauenskrise der katholischen Kirche ist im Wesentlichen eine Ablehnung traditionellen Priestertums und Priesterherrschaft. Längst überfällige Debatten brechen auf. Synodal soll die Kirche in die Zukunft geführt werden – allerdings sind sich die verschiedenen Bischöfe und Laienvertreter sehr uneins über die Begriffs- und Tragweite von „Synodal“. Frauen erheben Ansprüche auf Leitungs- und Weiheämter, Männer unterstützen diese Begehren und geweihte Amtsträger bekunden Verständnis und leichte Öffnungsbereitschaft.

Auf synodalen Wegen?

Auf synodalen Wegen?

Der Klerus sei die Wirbelsäule der Kirche, betont der Augsburger Bischof Bertram Meier. Männer und Frauen des gottgeweihten Lebens sieht er als „Herz der Kirche“.

Für Bischof Meier ist das Konzept sakramental verorteten Priestertums notwendiger Grundzug der katholischen Kirche. Würde die sakramentale Weihe zur Disposition, stünde die Katholizität als Ganzes auf dem Spiel. Das ginge weit über eine geistlich erneuerte Kirche hinaus, führe in eine ganz andere neue Kirche. Wie sein Münchner Amtsbruder Reinhard Kardinal Marx sieht auch er: “Eine priesterlose Kirche ist nicht mehr katholisch.”

Dagegen verweisen inzwischen verschiedene Theologen und Theologinnen darauf, dass sich weder im Verhalten Jesu noch im Neuen Testament Hinweise finden lassen, Jesus wolle die Geschicke seiner Glaubensgemeinschaft in die Hände speziell ausgebildeter spiritueller Kultdiener mit „amtlicher Heiligkeit durch Weihe“ legen. Weiterlesen

Bocholts Zukunft im Biedermeier?

Im bundesweiten Wettbewerb “Zukunftsstadt 2030“ errang Bocholt einen der hochdotierten Siegerplätze. Auch gibt es ein im Wettbewerb gefördertes Zukunftsbüro.

Die zum Wettbewerb erstellten Bürgergutachten bieten allerdings wenig Perspektiven, wie sich Zivilgesellschaft und Kommunalpolitik den prognostizierten Wahrscheinlichkeiten der kommenden 30 – 50 Jahre stellen wollen.
Die Jahreszahlen 2050 und 2072 könnten den Horizont solcher Zukunftsorientierung markieren.

Doch die debattierten Zukunftspläne erreichen solche Horizonte bei weitem nicht. Weiterlesen

Himmlische Weisheit?

SONY DSC„Luja sag i!“, grantelt der verstorbene Gepäckträger Aloisius als „Münchner im Himmel“. Dieser Himmel langweilt ihn, auf Ewigkeit verdammt zur Lobhudelei mit der Harfe auf einer einsamen Wolke. In der Satire Ludwig Thomas ist Gott nachsichtig und schickt den Grantler als Boten göttlicher Weisheit zurück ins Leben und zur bayrischen Staatsregierung. Leider kommt Aloisius auf seinem Weg am Hofbräuhaus vorbei, kehrt ein und bleibt auf ewig dort hocken. So bleibt der bayrischen Staatsregierung der Zugang zu göttlicher Weisheit bis heute verschlossen.

Doch was wäre, böte der Himmel mehr als langweilige Lobhudelei? Nur mal angenommen, die Choreografie der kürzlich erlebten Männer-Initiation gäbe einen Vorgeschmack auf die andere Seite des Lebens. Die Seelen Verstorbener würden von himmlischen Elders (Engel oder Seelen der Ahnen) empfangen und behutsam zu Reflexion des eigenen Lebens geführt. Auch beim Blick in die eigenen Abgründe von der Fürsorge der Elders gestützt. Diese hülfen ihnen zu erkennen, wo und wie sie aus Unkenntnis oder Unwillen falsche Entscheidungen trafen; wo sie aus Wut, Zorn, Angst oder Egoismus Mitmenschen verletzten und somit hinter die eigenen Möglichkeiten wahren Menschseins zurückblieben.

Von dort führten die Elders sie auf den heilsamen Weg, auf den Weg der Einsicht, dass selbst die größte Verfehlung nicht von der Liebe Gottes trennt.

Sich auf diese Liebe vertrauensvoll einzulassen, bringt die Höllenfeuer in uns zum Erlöschen.

Sollte mein jüngster Tag in eine derartige Choreografie münden, sehe ich ihm schon heute gelassen und mit freudiger Neugier entgegen.

Trotzdem hat es damit längst noch keine Eile.