Archiv der Kategorie: Denken schadet nicht

Oder müssen wir auf einen Anderen warten? Matthäus 11,3

Franziskus enttäuscht – dieser Papst ist kein Reformer. Hoffnungen auf ersehnte Umwälzungen im Kirchenrecht und epochale Strukturänderungen enttäuscht dieser Papst auch im siebten Jahr seiner Amtsführung.

Damit erweist er sich als würdiger Nachfolger des Zimmermannes aus Nazareth. Hat nicht auch Jesus die Hoffnungen seiner Zeitgenossen und Freunde gründlich enttäuscht. Wer sich vom Messias die Befreiung von den Römern, das Ende der politischen und wirtschaftlichen Unterdrückung erhoffte, sah sich verraten und enttäuscht. Solche Enttäuschung brachte Judas Iskariot in den tödlichen Konflikt.

Es wird Zeit zur Ent-Täuschung. Jesus ließ sich aus guten Gründen nicht zum politischen Helden, zum Wortführer des Widerstandes machen. Weiterlesen

Happy birthday, Grundgesetz

Das mediale Geburtstags-Feuerwerk zum 70. Jahrestag des deutschen Grundgesetzes findet heute seinen Höhepunkt. Langsam verziehen sich die Rauchschwaden dieser Lobes-Illumination, die wie Nebelkerzen die Sicht auf die reale Verfassung unserer Gesellschaft trüben.

Soziale Spannungen, Machtkonzentration und Geldherrschaft über das Gemeinwesen, Erosion der Demokratien in völkerrechtliche Herrschaftsformen – doch liegt es an der Verfassung, wenn ein Land in schlechte Verfassung abgleitet? Weiterlesen

Geht doch!

Voller Freude berichtete der örtliche Parteichef, in der Ratsfraktion hätten sie über 30 Punkte eines Aktionsplans in eine Rangfolge bringen können – zügig, ohne Streit und mit gemeinsam akzeptiertem Ergebnis. Sie hätten dabei jenes Verfahren angewandt, von dem er durch mich erstmals  gehört habe – dem Systemischen Konsensieren. Einige Tage später berichteten mir andere Fraktionsmitglieder, wie erfreulich diese Sitzung abgelaufen sei.

Den „Grenzhoppers“, einer grenzübergreifende Arbeitsgemeinschaft von Kommunalpolitikern, durfte ich am 8. Mai 2019 eine Einführung in die neue Entscheidungskultur geben. Weiterlesen

Auf den zweiten Blick

„Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet!“ oder „Der Berg kreißte und gebar eine Maus!“ Unsere Sprache bietet deutliche Redewendungen, um Projekte und Aktionen zu charakterisieren, die aufwändig starten, doch den gepushten Erwartungen nicht gerecht werden. Da steht dann so mancher Politiker als „Ankündigungsminister“ in den Medien, Reformkonzepte verstauben in nichtfinanzierten Vorhabenlisten und das Engagement mancher Prozessbeteiligten schlägt um in Frustration und Resignation. Weiterlesen

2018/2019 Erinnerung und Aufbruch

Wieder mal ein Jahreswechsel. In der Summierung eigener Lebensjahre verschieben sich die Perspektiven: Zeiträume verdichten sich, die Abstände der Jahreswechsel scheinen immer kürzer. Eigene Erinnerungen und geschichtliches Wissen leisten solchem Perspektivverschub Vorschub. Weiterlesen

Deutschlands Schicksalstag?

Und wieder 9. November! Und wieder deutscher Gedenktag. „Deutschlands Schicksalstag“ heißt es in den diversen Medien, als haben an den 9. Novembern verschiedener Jahre germanische Schicksalsgöttinen mit dem deutschen Volk gespielt. Als hätten sie Eingriffe ins Leben dieses Volkes vollzogen. Eingriffe, derer sich niemand erwehren konnte und die unausweichlich waren – Weichenstellungen der Geschichte, denen ein Volk ausgeliefert ist. Schicksal eben!

Waren aber die das deutsche Volk prägenden historischen Ereignisse an so unterschiedlichen 9. Novembern unausweichliches Schicksal? Haben hier nicht Menschen gezielt politische Macht manifestiert – mal diktatorisch, mal demokratisch?

Wessen wird an diesem Tag gedacht? Dazu lohnt ein tieferer Blick in die Geschichte. Ein Blick auf historische Ereignisse, die mit diesem Datum verbunden sind: Weiterlesen

Freistaat entthront

„l’état c’est moi“ soll der absolutistische Sonnenkönig Ludwig XIV. von Frankreich (1638-1715) einst gerufen haben. Dieses „der Staat bin ich“ haben die freistaatlichen Bayernregenten als „Mir san mir“ in die Welt getragen. Traditionelle absolute Mehrheiten bei meist paralysierter Opposition lieferten den CSU-Regenten immer wieder Möglichkeiten, selbst die Bundespolitik in krachlederne Geiselhaft zu nehmen.

Interne Machtkämpfe wurden in bierzeltseligen Brünften ausgetragen, das Volk hielt seiner CSU die Treue. Als Markus Söder im Frühjahr 2018 den politisch senilen Horst Seehofer vom bayrischen Thron stieß und ins Berliner Exil schickte, übersah er Fatales: Nicht nur der Regent war überfällig, der Thron selber war morsch und brüchig. Weiterlesen

Resignieren ist keine Option

Das war kein schöner Sommer. Auch wenn ich das Wetter genoss und mich Mitte Oktober noch der Sonnentage erfreue. Die stets deutlicheren Hinweise auf den sich vollziehenden Klimawandel sehe ich als Herausforderung und Gestaltungsaufgabe. Was mich an den Rand der Resignation brachte, ist die politische Großwetterlage.  Sie bringt unsere ohnehin nur embryonal entwickelte demokratische Kultur in Überlebensnot. Wahnwitz allerorten und die mediale Kakophonie lässt das Bild eines Irrenhauses entstehen – einer Anstalt, in der die Kranken Direktorium und Personal stellen. Weiterlesen

Zur Kompetenz der Vielfalt

„Wo Vielfalt stört, bleibt Einfalt übrig“, schreibt Erich Visotschnig in seinem neuen Buch „Nicht über unsere Köpfe“ (2018, oekom, München). Seit über 30 Jahren plädiert er dafür, die Kompetenz- und Ideenvielfalt der von Entscheidungen betroffenen Bürger in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Der Grazer Systemanalytiker entwickelte gemeinsam mit seinem Kollegen Siegfried Schrotta das Systemische Konsensieren (SK-Prinzip). Während die von ihnen entwickelte Methode in Mediationen und Konfliktberatungen erfolgreich Anwendung findet, zeigen Politiker und Parteien vor allem Desinteresse. Dabei sind gerade sie es, die es mit den schwierigsten Entscheidungsprozessen zu tun haben. Ihre Voten binden als gesetzliche Normen die repräsentierten Bürger und ihr Gemeinwesen. Ausgerechnet sie halten daran fest, eigene Lösungskonzepte mit Macht gegen anderslautende Lösungsvarianten durchzusetzen.

Die Bürger haben die neuen Regeln zu akzeptieren und ihnen zu folgen, egal, ob ihnen die neue Vorschrift passt.  Derartige Macht zu erringen und auszuüben, gehört zu den Grundbestrebungen politischer Parteien.

Doch immer schwerer fällt ihnen der Umgang mit bürgerlichem Unwillen. Wohin mit deren Unmut bei Nichtgefallen? Wohin mit deren Unmut, nicht gefragt und berücksichtigt worden zu sein? Der Verweis auf Korrekturen an der Wahlurne verpufft, Wahlversprechen sind die ersten Opfer auf dem Altar notwendiger Koalitionen. Unmut wächst sich aus zum Widerstand. Bleibt dieser innerhalb des Systems unbeachtet, wendet er sich gegen das System. Weiterlesen