| 1. Einleitung: Zwei unvereinbare Visionen für Deutschlands ZukunftDer aktuelle Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, deutsche Bundesländer zu fusionieren, ist mehr als nur ein finanzpolitischer Schachzug; er ist die Speerspitze einer Denkschule, die Effizienz über Identität stellt und damit eine philosophische Grundfrage unserer Zeit aufwirft: Ist „größer“ wirklich immer „besser“? Söders primäre Motivation ist die radikale Reform des Länderfinanzausgleichs, doch seine Vision einer zentralisierten Ordnung steht im diametralen Widerspruch zu einer radikal entgegengesetzten Philosophie: der des Denkers Leopold Kohr. Wo Söder auf Zusammenschluss und Skaleneffekte setzt, sah Kohr die Lösung für die Pathologien der Moderne in Teilung und Kleinteiligkeit. Dieser Artikel analysiert die beiden unvereinbaren politischen Ontologien und beleuchtet sie am konkreten Fallbeispiel der saarländischen Denkschrift zur Teilautonomie, die Kohrs Ideen als Verteidigungsstrategie aufgreift. Weiterlesen |