Jährlich Weihnacht – täglich Menschwerdung

Die Wintersonnenwende ist wieder geschafft. Die vielfach entmutigende Stimmung immer kürzerer Tage mit stets längerer Dunkelheit wandelt sich zur Freude auf wieder längere, lichtvolle Tage. Die dunkelste Stunde der Nacht sei der Anfang eines neuen Tages, tröstet eine alte Spruchweisheit.

Solchen Trost kann unsere Welt gut brauchen, legen doch Zeitzeichen und Nachrichten von den Schauplätzen des weltumspannenden Krieges schwärzeste Stunden nahe. Imperiale Ansprüche der Großmächte USA, Russland und China werden mit verdeckter wirtschaftlicher und immer häufiger blanker Militärmacht an immer mehr Orten rund um den Globus ausgetragen. Jeweilige Vasallenstaaten – unter ihnen auch die Bundesrepublik – geben ihrer Hegemonialmacht politische Rückendeckung. Sie schicken ihre Jugend als Schutztruppen an die unterschiedlichen Fronten. Sie verbrennen im Feuer dieses Krieges die Ressourcen und Etats, die doch für Bildung, Alterssicherung oder gemeinwohlschaffende Infrastruktur dienen sollten.

Waffenhändler und Populisten wärmen sich am Weltenbrand die Hände und köcheln das ihnen genehme braune Süppchen. Der um sich greifende Missmut gegenüber der etablierten politischen Klasse – dem geschmähten Establishment – zertrumpelt Demokratien und hieft überwunden geglaubte völkische Ideologien neu auf die politische Agenda.

Gute Gründe also, schwarz zu sehen – wäre da nicht diese eine lange Nacht. Die Nacht der Erinnerung an die Menschwerdung Gottes.

Die seinerzeitige Nachrichtenlage im Römischen Imperium deutete nicht auf Friede, Freude Eierkuchen hin. Die Unterwerfung ganzer Völker, Machtmissbrauch der Besatzer, radikale Staatsräson bestimmten auch damals das politische Szenario.

In den Einwohnermeldeämtern von Bethlehem und Nazareth und deren Geburtsregistern finden sich keine Eintragungen zur Geburt des kleinen Jeshua unter dem Datum 24.12. 0000. Uns aber ist der 24.12. seit Jahrhunderten ein Erinnerungsdatum an die Menschwerdung Gottes. Vielleicht geschah sie ja so, wie die biblische Weihnachtsgeschichte es beschreibt. Vielleicht auch nicht, vielleicht geschah das Wunder der Menschwerdung auch völlig anders.

X-Mas 2016

Die kleine Weihnachtsplakette im Cockpit meines Wohnmobils hat dort ihren festen Platz, das ganze Jahr über. Sie erinnert mich, dass Gottes Menschwerdung jeden Tag immer wieder neu geschieht, ungezählte Male, rund um unseren Globus.

 

Menschwerdung Gottes geschieht jedesmal

  • Wenn ein Mensch in sich seinen göttlichen Widerschein entdeckt
  • Wenn ein Mensch sein Handeln ausrichtet an der Kraft der spirituellen Liebe
  • Wenn ein Mensch im Nächsten Schwester und Bruder erkennt und sich für dessen Lebensentfaltung einsetzt
  • Wenn ein Mensch einen Streit beendet und um eines guten Friedens willen barmherzig wird
  • Wenn ein Mensch durch sein Handeln Hoffnung in die Welt trägt und gegen die Dunkelheit sein Licht auf den Scheffel stellt

Es sind diese unauffälligen, ungezählten und ungefeierten Menschwerdungen göttlicher Kraft, die unsere Welt in aller Kriegsstimmung und Dunkelheit lebenswert und erträglich halten. In solchen göttlichen Menschwerdungen werden Menschen zum Salz der Erde und Licht der Welt.

Das Weihnachtsfest am 24.12. eines Jahres kann uns so zum Erinnerungs- und Hoffnungsfest an die Kraft der Liebe werden. Ein guter Grund, Kerzen anzuzünden und „in dulci jubilo“ zu singen.

Ich wünsche Ihnen und Euch eine geweihte Erinnerungs-Nacht stets erneuter Menschwerdung, ein Fest der Hoffnung und Freude mit Familie und Freunden.

Ein Kommentar

  1. Eine wunderschöne Sitte hast du da bei denk!Bar® eingerichtet, lieber Josef!
    Und herzlichen Dank auch für die guten Wünsche, die ich hiermit für dich persönlich
    und für deine Aktivitäten 2017 von Herzen erwidern möchte.
    Zum 24.12. und zur Sonnenwende sagen ja einige (z.B. recht humorvoll der Kabarettist Jürgen Becker), dass die katholische Kirche das in Germanien und rundum so eingerichtet habe, weil man damit bestehende Sitten früherer »Heiden« zwanglos einbauen konnte in den neuen christlichen Glauben; ebenso seien die Heiligen für einige eine Erleichterung des Wechsels von der Vielgötterei zum Monotheismus.
    Wir sollten auch nicht vergessen, dass von den monotheistischen Religionen viele Kriege ausgingen und noch ausgehen – nicht zuletzt gegeneinander.

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