Archiv für den Monat: Februar 2026

Vom Auto-Diktat zum menschlichen Maß

Warum das Pedelec die Stadtplanung radikal entschleunigen mussDie moderne Stadtplanung des 20. Jahrhunderts hat ein Erbe hinterlassen, das heute wie Blei an den Füßen unserer urbanen Entwicklung liegt. Seit über 150 Jahren quellen unsere Städte wie Griesbrei ins Umland getrieben von einer industriellen Potenz, die das Automobil ins Zentrum rückte. Das Ergebnis: Verkehrsnot, Flächenversiegelung und eine schleichende Entfremdung vom öffentlichen Raum.
Video-ZusammenfassungKI-generiert E-Bike und gutes Leben Themengrafik KI-generiert  Goldstandart Rad 1
Quelle:Projektstudie: Radeln für alle – barrierefrei und klimafreundlich?J osef Hülkenberg, HS Wismar 
  • 1. Einleitung: Die Rückkehr des menschlichen Maßes

Doch wir stehen an einem Wendepunkt. Das Fahrrad – und insbesondere seine Evolution zum Pedelec – provoziert eine Rückbesinnung auf das, was Aristoteles bereits in der Antike als Kern des Gemeinwesens definierte: Wir gründen Städte nicht bloß für den Handel oder den Verkehr, sondern um ein „gutes Leben“ zu führen. Das Fahrrad ist der Goldstandard dieser Transformation. Es ist das Werkzeug, um die Stadt vom Diktat der Maschine zu befreien und sie wieder dem menschlichen Maß anzupassen.

  • 2. Das „Speed-Platz-Paradox“: Warum Geschwindigkeit mehr Raum braucht

Ein technischer Fortschritt allein löst keine Platzprobleme – im Gegenteil. Wir erleben derzeit das planerische Dilemma der Elektrifizierung. Während ein klassisches „Bio-Bike“ bei ca. 16 km/h kaum Raum beansprucht, markiert dieses Tempo beim Pedelec die Untergrenze. Die Physik ist hier unerbittlich: Ein höheres Tempo erfordert größere Anhaltewege und damit einen massiv steigenden Raumanspruch.

Betrachten wir die nackten Zahlen des Flächenbedarfs:

  • Bio-Bike (16 km/h): Der geringe Anhalteweg erlaubt eine kompakte Infrastruktur.
  • Pedelec (25 km/h): Der Flächenanspruch wächst signifikant, da Sicherheitsabstände und Reaktionswege exponentiell zum Tempo steigen.
  • Pkw (50 km/h): Beansprucht im Vergleich gigantische Ressourcen, die unsere Innenstädte ersticken. Weiterlesen

Abbau oder Neubau des Sozialstaates?

Als Versorgungsstaat, der Bedürftigkeit seiner Bürger alimentiert und primär Defizite verwaltet, kommen auch moderne Industriegesellschaften an ihre Grenzen. Die klassischen Sozialsysteme werden im politischen Spagat zwischen Alterung der Bevölkerung und wegbrechender Beitragsbasis zerrissen. Notwendig erscheinende Sparpolitik verschärft die Lage, führt die Mehrheit der Bürger in die Verarmungsspirale und den Staat in die steuerpolitische Sackgasse.Politischer Mut um die staatliche Handlungsfähigkeit durch eine proaktive Ausweitung der Wertschöpfungsbasis  zu stabilisieren, ist weder bei Parteien noch in breiten Kreisen der Wählerschaft zu erkennen. Eine darauf ausgerichtete Strategie stellte einen tiefgreifenden Systemwandel dar.

Dass ein derartiger Systemwechsel sich allerdings nationalökonomisch rechnen würde, legte das POLITISCHE FORUM UNTERE SAAR – HOCHWALD dar. Sprecher dieses Forums ist der Nationalökonom Hans Ludwig, ehemaliger Direktor des Sozialinstituts der süddeutschen KAB in Waldmünchen. In einer Denkschrift vom Oktober 2016 entwarf das Forum eine „solidarische Arbeitsgesellschaft in marktwirtschaftlicher Ordnung“. Die vorgeschlagene strategische Lösung liegt im Übergang zu einer „Vorsorge- und Tätigkeitsgesellschaft“. Mit ökonomischen Berechnungen bestätigte das Forum die „Vision für eine gerechter Gesellschaft – Solidarität – Chance für die Zukunft“, mit der bereits 2003 der Bund der katholischen Jugend (BdkJ) für ein bedingtes Grundeinkommen in einer Tätigkeitsgesellschaft warb.Statt auf fragwürdige „Sondervermögen“ zu setzen, schlagen die Ökonomen des Forums die soziale, marktwirtschaftliche Regulierung bestehender Geldflüsse vor. Eine Regulierung, die die Schuldenspirale aufbricht.Die aktuellen politischen und regierungsamtlichen Bestrebungen zum Abbau des Sozialstaates geben Anlass, die Perspektiven unterschlagener Propheten erneut ins gesellschaftliche Bewusstsein zu heben.

Video-ZusammenfassungKI-generiert
Auf Pump
Themengrafik KI-generiert Investition statt Sparzwang 
Quelle:POLITISCHES FORUM UNTERE SAAR – HOCHWALDDenkschrift zur Frage Ist das Saarland noch zu retten? Eine solidarische Arbeitsgesellschaft in marktwirtschaftlicher Ordnung vom 4.Oktober 2026
Zum vertieften Lesen

Die Finanzierungslogik der Tätigkeitsgesellschaft: Ein mathematischer Wegweiser 

In der klassischen Nationalökonomie wird oft das Dogma des „Sparens in der Krise“ gelehrt. Doch Ökonomen, der sich intensiv mit transformativen Modellen befassen, konstatieren: Herkömmliche Austerität greift zu kurz, da sie die produktive Basis schwächt. Das Modell der Tätigkeitsgesellschaft schlägt einen anderen, mathematisch fundierten Weg ein. Es begreift den Sozialstaat nicht als Kostenstelle, sondern als Investitionsmotor.

1. Der Paradigmenwechsel: Vom Sparzwang zur Investition 

Das Fundament dieses Modells ist die Auflösung des sogenannten Schuldenparadoxons. Politisch prägend ist die Sorge vor Staatsverschuldung; hier jedoch wird Verschuldung als präzise dosierter „Initialfunke“ eingesetzt. Weiterlesen