<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>denk!BAR  &#187; Zukunft</title>
	<atom:link href="http://denkbar-mobil.de/tag/zukunft/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://denkbar-mobil.de</link>
	<description>Impulse zum Umdenken </description>
	<lastBuildDate>Thu, 12 Mar 2026 14:20:53 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
		<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
		<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.8.2</generator>
	<item>
		<title>Zur Identitätskrise junger Männer</title>
		<link>http://denkbar-mobil.de/2026/03/zur-identitaetskrise-junger-maenner/</link>
		<comments>http://denkbar-mobil.de/2026/03/zur-identitaetskrise-junger-maenner/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 Mar 2026 19:16:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Josef Hülkenberg]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Auf Männerpfaden]]></category>
		<category><![CDATA[Cocktails aus der denk!BAR]]></category>
		<category><![CDATA[Denken schadet nicht]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenken über...]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexionslogik]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://denkbar-mobil.de/?p=1357</guid>
		<description><![CDATA[&#160; &#160; &#160; &#160; &#160;         Ursachen, Folgen und systemische Handlungsfelder 1. Einleitung: Die Erosion der männlichen Teilhabe als gesellschaftliches Risiko Die gegenwärtige Krise junger Männer darf nicht länger als Summe individueller Biografien oder persönlicher Defizite missverstanden werden. Aus der Perspektive der Bildungssoziologie zeichnet sich ein strukturelles Risiko ab, das wie ein [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://youtu.be/NDScPmBIpwI"><img class="alignleft  wp-image-1359" alt="Krise junger Männer 2" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/03/Krise-junger-Männer-2.png" width="289" height="218" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>       </b></p>
<p style="text-align: left;" align="left"><b>Ursachen, Folgen und systemische Handlungsfelder</b></p>
<p><b>1. Einleitung: Die Erosion der männlichen Teilhabe als gesellschaftliches Risiko</b></p>
<p>Die gegenwärtige Krise junger Männer darf nicht länger als Summe individueller Biografien oder persönlicher Defizite missverstanden werden. Aus der Perspektive der Bildungssoziologie zeichnet sich ein strukturelles Risiko ab, das wie ein „Riss im Fundament“ unserer gesellschaftlichen Teilhabe wirkt. Wenn ein signifikanter Teil einer Generation den Anschluss an Bildungsbiografien verliert, sich vom Arbeitsmarkt entfremdet und in reaktionäre digitale Subkulturen flüchtet, ist der soziale Zusammenhalt als Ganzes gefährdet. Eine strategische Analyse dieses Phänomens muss jenseits ideologischer Gräben erfolgen: Es geht nicht um die Revitalisierung patriarchaler Hierarchien, sondern um die Sicherung der Zukunftsfähigkeit unserer Institutionen. Die mangelnde Integration junger Männer führt zu messbaren Verwerfungen, die von ökonomischer Prekarität bis hin zu politischer Instabilität reichen. Um diese Entwicklung umzukehren, ist eine kühle Analyse der harten Fakten des Bildungssystems die notwendige Voraussetzung.</p>
<p><b>2. Bestandsaufnahme: Die Bildungsschere im primären und sekundären Sektor</b></p>
<p>Schulabschlüsse fungieren in der modernen Wissensgesellschaft als primäre Zugangsberechtigung für gesellschaftliche Teilhabe. Wer hier scheitert, bleibt oft dauerhaft marginalisiert. Die aktuelle Datenlage verdeutlicht, dass Jungen im Bildungssystem systematisch ins Hintertreffen geraten.<span id="more-1357"></span></p>
<table width="100%" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td>Indikator</td>
<td>Mädchen / Frauen</td>
<td>Jungen / Männer</td>
<td>Strategische Relevanz</td>
</tr>
<tr>
<td><b>Top-Abitur (Quote)</b></td>
<td>55 %</td>
<td>43 %</td>
<td>Massive Disparität bei Elite-Zugängen</td>
</tr>
<tr>
<td><b>Relative Erfolgswahrscheinlichkeit</b></td>
<td><b>+ 80 %</b></td>
<td>Basiswert</td>
<td>Mädchen erreichen fast doppelt so oft Spitzennoten</td>
</tr>
<tr>
<td><b>Bildungsbenachteiligte / Kranke</b></td>
<td>~ 1/3</td>
<td><b>2/3</b></td>
<td>Jungen dominieren die Problemgruppen</td>
</tr>
<tr>
<td><b>Schulabbruchrisiko</b></td>
<td>Niedriger</td>
<td><b>Signifikant höher</b></td>
<td>Prekäre Startbedingungen in den Arbeitsmarkt</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Die Ursachen für diese „Bildungsschere“ sind systemisch. Jungen scheiden schneller aus dem System aus und verlassen die Schule häufiger ohne Abschluss. Während die moderne Schule stark auf sprachliche und akademisierte Kompetenzen setzt, werden traditionelle Stärken wie mechanisches Know-how oder physische Handlungsfähigkeit seltener adressiert. Diese schulische Unterleistung ist kein isoliertes Problem, sondern die direkte Vorstufe zu einer dauerhaften ökonomischen Marginalisierung.</p>
<p><b>3. Transition in die Arbeitswelt: Kompetenz-Mismatch und die „Härte-Falle“</b></p>
<p>In einer Dienstleistungs- und Wissensökonomie sind „Soft Skills“ – insbesondere kommunikative und soziale Kompetenzen – zu strategischen Schlüsselqualifikationen geworden. Hier offenbart sich eine wachsende Diskrepanz zwischen Anforderungsprofilen und männlichen Sozialisationsmustern.</p>
<p>Viele junge Männer zeigen ein ausgeprägtes Ablehnungsverhalten gegenüber Berufsfeldern, die soziale Interaktion erfordern. Stattdessen ziehen sie sich in körperlich anspruchsvolle Bereiche zurück, die durch Automatisierung zunehmend unter Druck geraten. Ein kritisches Hindernis ist dabei ein tradierter Disziplinbegriff, den Protagonisten wie Karim oder Matteo (Berlin-Neukölln) verkörpern: Die Fehlannahme, dass physische Stärke und äußere Härte fehlende formale Qualifikationen kompensieren könnten. Dieses Credo – „Harter Kern, weicher Boden“ – führt direkt in eine Karrieresackgasse. Die Fixierung auf Fitness und Disziplin als „Abkürzung“ zum Erfolg ignoriert die ökonomische Realität, in der kommunikative Kompetenz die wahre Währung ist. Diese berufliche Perspektivlosigkeit schafft das Vakuum, das junge Männer vermehrt in radikalen Identitätsräumen füllen.</p>
<p><b>4. Psychosoziale Desintegration und die Flucht in die „Manosphere“</b></p>
<p>Die Krise hat eine tiefgreifende psychologische Dimension. Der Verlust an Anerkennung führt zu einer Verunsicherung, die sich oft in einer spezifisch männlichen Form der Depression äußert. Wie Experten wie Wolf Gaebel betonen, manifestiert sich diese Depression bei Männern oft nicht durch Rückzug, sondern durch Irritabilität, Aggression und externe Schuldzuweisungen.</p>
<p><b>Kritische Indikatoren der Desintegration:</b></p>
<ul>
<li><b>Suizidraten:</b> Bei den 10- bis 25-Jährigen ist Suizid eine der häufigsten Todesursachen; knapp drei Viertel (75 %) der Fälle betreffen junge Männer.</li>
<li><b>Politische Radikalisierung:</b> Es besteht eine deutliche Tendenz zu rechtsautoritären Milieus. Bei Landtagswahlen wählten 30 % der jungen Männer die AfD (vs. 14 % der Frauen).</li>
<li><b>Digitale Radikalisierung:</b> In der sogenannten „Manosphere“ (TikTok, YouTube) füllen Figuren wie <b>Andrew Tate</b> das Vakuum fehlender Vaterfiguren. Mit Begriffen wie der <b>„Red Pill“</b> oder dem Ausbruch aus der <b>„Matrix“</b> wird eine misogyne Ideologie verbreitet. Hier wird die pseudowissenschaftliche <b>80/20-Regel</b> propagiert (80 % der Frauen begehren nur die obersten 20 % der Männer), was den Druck zur „Härte“ und zur Ablehnung emotionaler Offenheit weiter verstärkt.</li>
</ul>
<p>Diese Entwicklung ist kein biologisches Schicksal, sondern die Reaktion auf den Verlust historisch gewachsener Strukturen, deren Wandelbarkeit oft unterschätzt wird.</p>
<p><b>5. Historischer Kontext: Das Patriarchat als veränderbares Konstrukt</b></p>
<p>Männliche Dominanz wird oft als Naturgesetz missverstanden, ist jedoch ein soziales Konstrukt, das durch spezifische Transformationen entstand. Die Archäologie datiert die Festigung patriarchaler Strukturen auf die Zeit zwischen 10.000 und 3.000 v. Chr.</p>
<p>Katalysator war der <b>Klimawandel</b> und das Verschwinden des Großwilds. Dies zwang die Menschen von egalitären Jagdgemeinschaften zur sesshaften Landwirtschaft. In dieser Zeit entstanden „mannheitsverehrende“ Religionen und phallische Monumente wie in <b>Göbekli Tepe</b>. Der Übergang von matrilinearen zu patrilokalen Strukturen (Frauen müssen zu den Familien der Männer ziehen) und ein massiver <b>„genetischer Flaschenhals“</b> – in dem sich nur sehr wenige, mächtige Männer fortpflanzten – zementierten die männliche Herrschaft. Erst mit der Staatenbildung und der Entwicklung des <b>grammatikalischen Geschlechts</b> (um 2500 v. Chr.) wurde dieses System strukturell abgesichert. Da diese Strukturen das Ergebnis sozioökonomischer Bedingungen sind, können sie für die Anforderungen der Moderne auch gezielt neugestaltet werden.</p>
<p><b>6. Strategische Handlungsempfehlungen für Institutionen und Politik</b></p>
<p>Um die Integration der „Verlierer des Systems“ sicherzustellen, bedarf es proaktiver Interventionen. Ein passives Abwarten würde die gesellschaftlichen Kosten potenzieren.</p>
<ol start="1">
<li><b>Bildungspolitische Reformen:</b> Implementierung gezielter Jungenförderung zur Schließung der Abitur-Lücke. Schulen müssen die „männliche Depression“ (Aggression als Hilferuf) erkennen.</li>
<li><b>Arbeitsmarkt-Integration:</b> Aufbrechen stereotyper Berufsbilder. Die Förderung kommunikativer Kompetenzen muss als Kernbestandteil männlicher Ausbildung etabliert werden, um den Mismatch zur Dienstleistungsökonomie zu beheben.</li>
<li><b>Gesellschaftliche Identitätsarbeit:</b> Förderung von Projekten zur Vater-Sohn-Mediation und spezialisierter Männerberatung (analog zur Arbeit von Kazim Erdogan oder Björn Süfke). Prävention gegen die „Manosphere“ muss die „Red Pill“-Rhetorik dekonstruieren.</li>
</ol>
<p><b>Warnung:</b> Die geplante Halbierung des Budgets für die Förderung junger Männer (wie im Haushaltskontext 2026 angedeutet) ist strategisch kurzsichtig. Die Kosten durch Steuerverluste, Sozialausgaben und Kriminalität bei Bildungsverlierern übersteigen die Investitionen in Prävention um ein Vielfaches.</p>
<p><b>7. Fazit: Vom Krisenmodus zur neuen Stabilität</b></p>
<p>Die Krise junger Männer ist ein Alarmsignal für das gesamte System. Wo Bildungschancen fehlen und Rollenbilder erodieren, entstehen Räume für Radikalisierung. Es muss jedoch klargestellt werden: Die Unterstützung junger Männer ist kein Nullsummenspiel zulasten der Frauenförderung. Im Gegenteil: Eine stabile Gesellschaft benötigt beide Geschlechter in produktiven, zukunftsorientierten Rollen. Die Vision muss eine Gesellschaft sein, in der Bildungserfolg und moderne, resiliente Männlichkeit keine Widersprüche mehr bilden. Nur durch die Anerkennung dieses systemischen Problems kann der „Riss im Fundament“ dauerhaft geschlossen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://denkbar-mobil.de/2026/03/zur-identitaetskrise-junger-maenner/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Größenwahn oder Augenmaß</title>
		<link>http://denkbar-mobil.de/2026/01/groessenwahn-oder-augenmass/</link>
		<comments>http://denkbar-mobil.de/2026/01/groessenwahn-oder-augenmass/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 17 Jan 2026 12:45:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Josef Hülkenberg]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Cocktails aus der denk!BAR]]></category>
		<category><![CDATA[Denken schadet nicht]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenken über...]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Unterschlagene Propheten]]></category>
		<category><![CDATA[Zu den Stufen zur Weisheit]]></category>
		<category><![CDATA[zum Design der Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesländer-Reform]]></category>
		<category><![CDATA[Leopold Kohr]]></category>
		<category><![CDATA[politische Willensbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Stärke der Regionen]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://denkbar-mobil.de/?p=1175</guid>
		<description><![CDATA[  Das Maß verloren? Söders Fusionspläne im Konflikt mit der Philosophie der kleinen Einheiten 1. Einleitung: Zwei unvereinbare Visionen für Deutschlands ZukunftDer aktuelle Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, deutsche Bundesländer zu fusionieren, ist mehr als nur ein finanzpolitischer Schachzug; er ist die Speerspitze einer Denkschule, die Effizienz über Identität stellt und damit eine philosophische [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="288"> <a href="https://youtu.be/3GJ3CGL8UEg"><img class=" wp-image-1178" alt="Größenwahn" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/Größenwahn.jpg" width="235" height="130" /></a>
<dl class="wp-caption alignleft" id="attachment_1178" style="width: 245px;">
<dd class="wp-caption-dd"></dd>
</dl>
</td>
<td colspan="2" valign="top" width="331">
<p><div id="attachment_1177" style="width: 222px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/Kohr-Das-Maß-der-Dinge.png"><img class="wp-image-1177  " alt="Das Maß der Dinge " src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/Kohr-Das-Maß-der-Dinge.png" width="212" height="118" /></a><p class="wp-caption-text">Das Maß der Dinge</p></div></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="288"><b>Das Maß verloren?</b></td>
<td colspan="2" valign="top" width="331"></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="555"><b>Söders Fusionspläne im Konflikt mit der Philosophie der kleinen Einheiten</b></td>
<td width="64"></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="555"><b>1. Einleitung: Zwei unvereinbare Visionen für Deutschlands Zukunft</b>Der aktuelle Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, deutsche Bundesländer zu fusionieren, ist mehr als nur ein finanzpolitischer Schachzug; er ist die Speerspitze einer Denkschule, die Effizienz über Identität stellt und damit eine philosophische Grundfrage unserer Zeit aufwirft: Ist „größer“ wirklich immer „besser“? Söders primäre Motivation ist die radikale Reform des Länderfinanzausgleichs, doch seine Vision einer zentralisierten Ordnung steht im diametralen Widerspruch zu einer radikal entgegengesetzten Philosophie: der des Denkers Leopold Kohr. Wo Söder auf Zusammenschluss und Skaleneffekte setzt, sah Kohr die Lösung für die Pathologien der Moderne in Teilung und Kleinteiligkeit. Dieser Artikel analysiert die beiden unvereinbaren politischen Ontologien und beleuchtet sie am konkreten Fallbeispiel der saarländischen Denkschrift zur Teilautonomie, die Kohrs Ideen als Verteidigungsstrategie aufgreift.<span id="more-1175"></span><b>2. Söders Logik: Effizienz durch Größe </b>Markus Söders Vorschlag zielt darauf ab, die Anzahl der Bundesländer durch gezielte Fusionen zu reduzieren. Der Kern seiner Argumentation ist vordergründig finanzpolitischer Natur. Den bestehenden Länderfinanzausgleich bezeichnete er als die „größte Sauerei“, da Bayern als finanzstärkstes Geberland die Defizite finanzschwächerer Länder in erheblichem Maße ausgleichen muss. Sein Ansatz folgt einer klaren Effizienzlogik, die strukturelle Probleme durch die Schaffung größerer und vermeintlich wirtschaftlich stabilerer Verwaltungseinheiten lösen will. Doch eine rein ökonomische Lesart greift zu kurz. Söders Vorstoß ist zugleich ein machtpolitisches „Signal an die Bayern“, den bayerischen Sonderstatus zu untermauern und nach einem durchwachsenen Parteitagsergebnis die eigene Machtbasis zu festigen. Es ist die Logik des Zentralismus, die Größe als Synonym für Stärke und Leistungsfähigkeit versteht.<b>3. Die Antithese von Leopold Kohr: &#8220;Small is beautiful</b></p>
<p><b>&#8220;</b>Dem steht die Lehre des österreichischen Philosophen und Nationalökonomen Leopold Koh (1909-1994)r diametral entgegen. Seine Kernthese lautet: Das Hauptproblem der modernen Zeit ist nicht eine bestimmte Ideologie, sondern die <b>übermäßige Größe</b> von Staaten, Gesellschaften und Institutionen. Sein Lösungsprinzip ist konsequent und radikal: <b>„Division, not union“</b> – Teilung, nicht Vereinigung.Kohrs zentrale Argumentation besagt, dass soziale Probleme geometrisch mit der Größe eines Organismus wachsen, während die menschliche Fähigkeit, sie zu bewältigen, nur arithmetisch zunimmt. Die Komplexität explodiert, doch unsere Problemlösungskapazität hinkt hoffnungslos hinterher. Mit einer Analogie, die auf Paracelsus zurückgeht, fasst Kohr seine Philosophie zusammen: „Die Dosis macht das Gift.“ Was in kleinem Maße heilsam ist, wird bei Überschreiten einer kritischen Masse toxisch. Berühmt wurde diese Philosophie durch den von seinem Schüler und Freund E. F. Schumacher popularisierten Slogan „Small is beautiful“. Die Kernbotschaft dahinter ist, dass kleine, überschaubare Einheiten nicht nur menschlicher, sondern auch effizienter, friedlicher und vor allem resilienter sind.Um diese Resilienzlogik zu veranschaulichen, nutzte Kohr das Bild der Matratze: Eine starre Holzplatte zerbricht unter Druck, doch eine Matratze, bestehend aus hunderten kleinen, unabhängigen Federn, absorbiert den Stoß flexibel. Ein System kleiner Staaten, so Kohr, funktioniert wie eine Matratze – es ist widerstandsfähig. Der Versuch, die Probleme der Größe durch noch mehr Größe zu lösen, ist aus seiner Perspektive nichts anderes als der „Weg in die Irrenanstalt der Unendlichkeit“.</p>
<p><b>4. Fallbeispiel Saarland: Ein Plädoyer für die Teilautonomie</b></p>
<p>Wie aktuell Kohrs Gedanken sind, zeigt eine Denkschrift zur Rettung des Saarlandes, die sich explizit auf seine Philosophie der überschaubaren Gesellschaft stützt. Erstellt vom „Politischen Forum Untere Saar – Hochwald“ ist sie nicht nur eine politische Streitschrift, sondern die direkte, realweltliche Anwendung von Kohrs abstrakten Prinzipien als Verteidigungsmechanismus gegen den von Söder repräsentierten „Größenwahn“. Sprecher dieses Forums ist der Nationalökonom Hans Ludwig, Langjähriger Direktor des Katholischen Sozialinstitutes der süddeutschen KAB, Die historische Argumentation der Verfasser ist prägnant: In seiner teilautonomen Phase von 1947 bis 1957 hatte das Saarland keine fiskalischen Probleme. Diese entstanden erst nach dem Beitritt zur Bundesrepublik durch den damit einhergehenden Verlust von Verhandlungsmacht und entscheidenden Einnahmequellen.</p>
<p>Das in der Denkschrift formulierte sozialpolitische Ziel ist die Schaffung einer <b>„solidarische[n] Arbeitsgesellschaft in marktwirtschaftlicher Ordnung“</b>. Erreicht werden soll dies durch die Wiedererlangung von Souveränität. Konkret fordert das Papier eine <b>Teilautonomie</b> nach dem Vorbild Südtirols oder der eigenen Geschichte. Eine Fusion, wie von Söder vorgeschlagen, wird kategorisch abgelehnt. Ein solcher Schritt, so die Befürchtung, würde das Saarland zu einer reinen „Kolonie“ oder zur „verarmten Verwandtschaft“ eines größeren Nachbarn degradieren und seine Identität auslöschen.</p>
<p><b>5. Die Positionen im direkten Vergleich</b></p>
<p>Die fundamentalen Unterschiede der beiden Ansätze – Söders mechanistischer Blick auf den Staat als Optimierungsprojekt und Kohrs organische Auffassung von Gemeinschaften, die ein menschliches Maß benötigen – lassen sich in einer Gegenüberstellung klar erkennen:</p>
<table width="100%" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td width="97">Aspekt</td>
<td width="246">Söders Reformvorstellung</td>
<td width="264">Kohrs Überlegungen / Saarland-Modell</td>
</tr>
<tr>
<td width="97">Ziel</td>
<td width="246">Weniger, aber größere Bundesländer.</td>
<td width="264">Mehr, aber kleinere und überschaubare Einheiten.</td>
</tr>
<tr>
<td width="97">Logik</td>
<td width="246">Effizienz durch Größe und Reduktion von Transferzahlungen.</td>
<td width="264">Effizienz durch menschliches Maß und lokale Eigenverantwortung.</td>
</tr>
<tr>
<td width="97">Status Saarland</td>
<td width="246">Kandidat für eine Fusion/Eingliederung.</td>
<td width="264">Eigenständiger, teilautonomer Staat in einer Föderation.</td>
</tr>
<tr>
<td width="97">Problemursache</td>
<td width="246">Unfaire Finanzströme zwischen großen und kleinen Ländern.</td>
<td width="264">Überdimensionierung und Verlust der regionalen Selbstbestimmung.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><b>6. Fazit: Ein grundlegender Konflikt über das richtige Maß</b></p>
<p>Die von Markus Söder angestoßene Debatte ist weit mehr als ein Streit um Finanzströme; sie ist ein Symptom des zentralen politischen und philosophischen Konflikts des 21. Jahrhunderts. Söders Vorstoß verkörpert die vorherrschende Logik der Globalisierung und Zentralisierung, die in Skaleneffekten und immer größeren Einheiten die Lösung aller Probleme sieht – eine mechanistische Staatsauffassung, die den Menschen dem System unterordnet.</p>
<p>Demgegenüber verteidigen die Philosophie Leopold Kohrs und das darauf aufbauende Saarland-Modell eine organische Vision, die in Subsidiarität, Resilienz und der Rückkehr zum „menschlichen Maß“ die Voraussetzung für eine stabile und humane Gesellschaft sieht. Dieser Konflikt spiegelt sich global wider: in der Spannung zwischen supranationalen Unionen wie der EU und regionalen Unabhängigkeitsbewegungen, zwischen globalisierten Lieferketten und dem Ruf nach lokaler Autarkie, zwischen dem Dogma des unendlichen Wachstums und den planetaren Grenzen. Die Frage, die dieser deutsche Föderalismusstreit aufwirft, ist daher keine provinzielle, sondern die entscheidende Richtungsfrage unserer Zeit: Suchen wir unsere Zukunft in der anonymen Effizienz des Gigantismus oder in der widerstandsfähigen Souveränität der kleinen Einheiten?</td>
<td width="64"></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="555">Quellen:<a href="https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/rehlinger_kontert_soeder_forderung_nach_einsparung_des_saarlandes_100.html">https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/rehlinger_kontert_soeder_forderung_nach_einsparung_des_saarlandes_100.html</a><a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/soder-will-bundeslander-zusammenlegen-aus-den-landern-kommt-gegenwind--auch-von-unions-kollegen-15132202.html">https://www.tagesspiegel.de/politik/soder-will-bundeslander-zusammenlegen-aus-den-landern-kommt-gegenwind&#8211;auch-von-unions-kollegen-15132202.html</a><a href="http://www.projekt-saarland.de/index.html">http://www.projekt-saarland.de/index.html</a><a href="https://www.tauriska.at/kohr/">https://www.tauriska.at/kohr/</a></td>
<td width="64"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://denkbar-mobil.de/2026/01/groessenwahn-oder-augenmass/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bocholts Zukunft im Biedermeier?</title>
		<link>http://denkbar-mobil.de/2022/02/bocholts-zukunft-im-biedermeier/</link>
		<comments>http://denkbar-mobil.de/2022/02/bocholts-zukunft-im-biedermeier/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Feb 2022 12:37:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Josef Hülkenberg]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Denken schadet nicht]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlich]]></category>
		<category><![CDATA[Querdenker]]></category>
		<category><![CDATA[Zu den Stufen zur Weisheit]]></category>
		<category><![CDATA[zum Design der Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Biedermeier]]></category>
		<category><![CDATA[Bocholt]]></category>
		<category><![CDATA[Janus]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtjubiläum]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://denkbar-mobil.de/?p=1071</guid>
		<description><![CDATA[Im bundesweiten Wettbewerb “Zukunftsstadt 2030“ errang Bocholt einen der hochdotierten Siegerplätze. Auch gibt es ein im Wettbewerb gefördertes Zukunftsbüro. Die zum Wettbewerb erstellten Bürgergutachten bieten allerdings wenig Perspektiven, wie sich Zivilgesellschaft und Kommunalpolitik den prognostizierten Wahrscheinlichkeiten der kommenden 30 &#8211; 50 Jahre stellen wollen. Die Jahreszahlen 2050 und 2072 könnten den Horizont solcher Zukunftsorientierung markieren. [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Im bundesweiten Wettbewerb “Zukunftsstadt 2030“ errang Bocholt einen der hochdotierten Siegerplätze. Auch gibt es ein im Wettbewerb gefördertes Zukunftsbüro.</p>
<p>Die zum Wettbewerb erstellten Bürgergutachten bieten allerdings wenig Perspektiven, wie sich Zivilgesellschaft und Kommunalpolitik den prognostizierten Wahrscheinlichkeiten der kommenden 30 &#8211; 50 Jahre stellen wollen.<br />
Die Jahreszahlen 2050 und 2072 könnten den Horizont solcher Zukunftsorientierung markieren.</p>
<ul>
<li>Für 2050 liegen fundierte Modellberechnungen über die Folgen der längst stattfindenden Klimaerhitzung vor.<i> </i><i>(siehe: <a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/toralf-staud-nick-reimer-deutschland-2050-9783462000689">Nick Reimer/ Toralf Staudt: Deutschland 2050, Kiepenheuer&amp;Witsch, Köln 2021)</a></i></li>
<li>Im <a href="https://bocholt800.de/">Jubiläumsjahr zur Stadterhebung Bocholts</a> vor 800 Jahren, ließe sich die Frage nach der Lebensqualität in der Stadt zur Zeit der 850-Jahrfeier (2072) aufwerfen.</li>
</ul>
<p>Doch die debattierten Zukunftspläne erreichen solche Horizonte bei weitem nicht.<span id="more-1071"></span> Im hiesigen öffentlichen Diskurs ist der Begriff „Zukunft“ eher zu übersetzen mit „mittelfristig optimierte, verlängerte Gegenwart“. Selbst die „Optimierung“ ist konzentriert auf „Renovierung und Wiederherstellung“ (z.B. Rathaus, Schulen, weitere Stadtimmobilien), „Umsetzung vor Zeiten gefasster Beschlüsse“ (Nordring) oder „dem Marketing förderliche Verbesserung des städtischen Erscheinungsbildes“ (Ravardiviertel).</p>
<p>Von einem gemeinsamen, gesellschaftsprägenden Zukunfts-Narrativ ist in Bocholt wenig zu spüren. „Bokelt baut wer up“ – dieser Leitsatz vereinte nach den Bombenangriffen vom März 1945 die Bürger der zerstörten Stadt unter der Führung ihrer Oberbürgermeister Dr. Benölken (1945-1946) und Otto Kemper (1948-1964). Bis 1962 dauerte diese Kampagne zum Wiederaufbau von Infrastruktur, Industrien und Wohnraum. Sie steht für eine gesamtgesellschaftliche Leistung der Bürger.</p>
<p>Eine Voraussetzung dieser Gemeinschaftsleistung war die reale Sichtbarkeit der zerstörten Stadt, das Erleben der Schrecken und das Be-Greifen des Engagements. Die Bürger konnten handfest anpacken und mit jedem Griff dessen konstruktive Wirkung spüren.</p>
<p>Dagegen sind die wahrscheinlichen, bereits kalkulierten Schäden an der Infrastruktur und die erkennbaren Folgen für Leib und Leben der Bürger durch die Klimaerhitzung vorerst „nur“ abstrakte Perspektiven. Viele Bocholter Bürger lassen sich von diesen Perspektiven beeindrucken. Sie sind in unterschiedlichen Themennischen engagiert und lassen sich als auf Nachhaltigkeit, Solidarität und Gemeinwohl ausgerichtete Akteure ausmachen.</p>
<p>Trotzdem prägen nicht sie das vorherrschende gesellschaftliche Milieu dieser Stadt. Kennzeichnende Kernelemente des in Bocholt vorherrschenden Milieus sind noch „Selbstzufriedenheit und Nörgeln am Nicht-Gewollten“.</p>
<p>Mir drängen sich Vergleiche zum Biedermeier auf, einer prägenden Epoche des frühen 19. Jahrhunderts. Wie heute in der EU ging es politisch um die Neuordnung Europas. Der <a href="https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Wiener_Kongress_(1814/1815)#:~:text=%20Wiener%20Kongress%20%281814%2F1815%29%20%201%20Verlauf.%20Februar,Stadt%20und%20der%20Kongress.%20Ver%C3%B6ffentlichungen%20des...%20More%20">Wiener Kongress</a> (1814-1815) hatte nicht nur getanzt, sondern die Mächte neu verteilt. Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Karlsbader_Beschl%C3%BCsse">Karlsbader Beschlüsse</a> (1819) sorgten mit strenger Zensur und Unterdrückung politischer Äußerungen für „Ruhe und Ordnung“ im lieben Vaterland. Die überwiegende Mehrheit der Bürger zog sich ins private Leben, in Familie und Haus zurück. Widerspruch und Revolte vieler Bürger formte sich als Epoche des Vormärz.</p>
<p>Zensur und Unterdrückung politischer Äußerungen brauchen wir heute nicht mehr zu fürchten. Der Rückzug ins traute Private folgt nicht mehr äußerem Druck. Anders als die Vormärz-Revolutionäre brauchen wir die Obrigkeit nicht mehr zu fürchten. Lähmend ist vor allem die rasant gestiegene Komplexität aller Themenfelder in Politik, Wirtschaft und Sozialleben. Diese dynamische Komplexität wird vielfach als Kompliziertheit und Überforderung erfahren. Dann bietet sich das „Private“ als vermeintlich einfach und überschaubar an. Zugleich ist schon das „Private“ hochkomplex, es ist bereits aufreibend, die eigene Komfortzone zu sichern. So lockt es nicht, sich das eigene Leben zu überlasten mit Zukunftsfragen und -strategien.</p>
<p>Das vom Stadtmarketing verantwortete Jubiläumsprogramm bedient pointiert diesen Wunsch nach Wohlgefühl. „Wir möchten … ein WIR-Gefühl erzeugen durch positive gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen“ bekundet die Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketing Gesellschaft Bocholt mbH &amp; Co. KG im Geleitwort des Programms. Vor allem bietet das Festjahr eine große Chance, „die Stadt Bocholt über die Stadtgrenzen hinaus positiv sichtbar zu machen.“</p>
<p>Bürgermeister Thomas Kerkhoff lobt in seinem Grußwort zum Programmheft, „Das bunte Programm führt uns den Ideenreichtum und die Kreativität unserer Stadt vor Augen und zeigt, was in der Gemeinschaft geleistet werden kann.“ Ist da nicht auch die Überlegung angebracht, wie Ideenreichtum und Kreativität der Gemeinschaft beitragen können, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern?</p>
<div id="attachment_1073" style="width: 160px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2022/02/Janus.png"><img class="size-thumbnail wp-image-1073" alt="Januskopf aus dem Bocholter Stadtarchiv" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2022/02/Janus-150x150.png" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Januskopf aus dem Bocholter Stadtarchiv</p></div>
<p>Im Foyer des einstigen Stadtarchivs an der Münsterstrasse verwies die Bronzeplatte mit dem Januskopf auf den Doppelsinn von Rückblick und Ausblick. Das Stadtarchiv wurde zum Studentenwohnheim umgebaut, die Bronzeplatte wahrscheinlich eingelagert. Die Symbolik des Janus kam wohl aus dem Blick, im Jubiläumsprogramm jedenfalls fand sie kein Echo.</p>
<p>So verbreitet das Jubiläumsprogramm einseitig das Image selbstzufriedener Biedermeierlichkeit. Als wäre dies das tragende Milieu dieser Stadt, bleiben die weiteren in Bocholt existenten und engagierten sozialen Milieus vernachlässigt.</p>
<p>Eine wichtige Chance wurde vergeben. Das Stadtjubiläum hätte für die Akteure einer zukunftstüchtigen Nachhaltigkeits- und Gemeinwohlstrategie zu einer öffentlichen Komm-Vor-Zone werden können. Dass im Auftrag der Stadt 800 Bäumchen gepflanzt werden, wiegt diese vergebene Chance nicht auf. Die ungebrochene Politik verdichtender Urbanisierung und Landschaftsversiegelung führt schon derzeit bundesweit zu massivem, anhaltenden Sterben der Stadtbäume. Die zukünftige Überhitzung der Städte bei gleichzeitigem Wassermangel lässt fraglich werden, wieviel der 800 Jubiläumsbäumchen zum nächsten Stadtjubiläum noch stehen.</p>
<p>Zum Image der Zukunftstüchtigkeit trägt das Bocholter Jubiläumsprogramm nicht bei. Wie bei Janus hätte der Blick nicht in Geschichte und Gegenwart verweilen dürfen, sondern den Fokus auch auf die Herausforderungen der Zukunft richten müssen. Zukunftsbezogene Kreativität und Ideenreichtum der Bürger hätten vor allem im Jubiläumsjahr ihren Raum zur Entfaltung verdient.</p>
<p>Gemeinsam mit den verschiedenen Bildungsträgern, Initiativen und Vereinen ließe sich der Umgang mit dynamischen Komplexitäten trainieren. Gemeinsam, unter den Augen der feiernden Öffentlichkeit, ließen sich Handlungsstrategien entwickeln, welche Handlungsmöglichkeiten nicht einengen, sondern weiten. Kooperative Choreographien zur Lösung der anstehenden klimapolitischen Dilemmata ließen sich einüben, in der notwendige Regelungen von breiter Akzeptanz getragen würden.</p>
<p>Das städtische Jubiläumsprogramm bietet für solche Überlegungen keine Komm-Vor-Zone.<br />
Doch nur mal angenommen, die aufgeschlossenen, engagierten und kreativen Bürger würden selbst aktiv und schafften sich ein eigenes Forum.</p>
<p>Der Stadt, den Bürgern und ihrer Zukunft würde es gut tun!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://denkbar-mobil.de/2022/02/bocholts-zukunft-im-biedermeier/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
