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	<title>denk!BAR  &#187; Unterschlagene Propheten</title>
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	<description>Impulse zum Umdenken </description>
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		<title>Wege demokratischer Neuerung</title>
		<link>http://denkbar-mobil.de/2026/05/wege-demokratischer-neuerung/</link>
		<comments>http://denkbar-mobil.de/2026/05/wege-demokratischer-neuerung/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 17:33:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Josef Hülkenberg]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Denken schadet nicht]]></category>
		<category><![CDATA[Querdenker]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexionslogik]]></category>
		<category><![CDATA[Unterschlagene Propheten]]></category>
		<category><![CDATA[zum Design der Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Sich an Populisten abzuarbeiten hat leider einen unerwünschten Effekt: sie erhalten durch diese Aufmerksamkeit ihre Bühne und bestimmen die Themen der Debatten. Es wird Zeit, die Aufmerksamkeit von den Gegnern der Demokratie zur Frage nach einer konstruktiven Weiterentwicklung der Demokratie umzulenken und für diese Weiterentwicklung einzutreten. a.       Einführung Bevor von neuen Formen der Demokratie die [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><b>Sich an Populisten abzuarbeiten hat leider einen unerwünschten Effekt: sie erhalten durch diese Aufmerksamkeit ihre Bühne und bestimmen die Themen der Debatten. Es wird Zeit, die Aufmerksamkeit von den Gegnern der Demokratie zur Frage nach einer konstruktiven Weiterentwicklung der Demokratie umzulenken und für diese Weiterentwicklung einzutreten. </b></p>
<h2>a.       Einführung</h2>
<p>Bevor von neuen Formen der Demokratie die Rede ist, lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten. Politische Debatten beginnen heute meist mitten im Streit: über Parteien, Krisen, Gesetze, Fehlentscheidungen oder einzelne Personen. Das ist verständlich, denn politisches Geschehen zeigt sich im Alltag oft genau so. Doch wer nur auf diese sichtbare Oberfläche schaut, übersieht leicht die tiefere Frage: Wie können Menschen frei sein und dennoch gemeinsam handlungsfähig bleiben? Dieser Frage gehe ich als Sozialpädagoge seit nunmehr über fünfzig Jahren nach.</p>
<p>In dieser Zeit begegnete ich vielen Menschen, die die Sehnsucht nach personaler Selbstbestimmung in guten demokratischen Verhältnissen teilen. Auf einer Vielzahl  von Tagungen, Seminaren und in den eigenen Projekten lernte ich kreative Denker und engagierte Aktivisten kennen, durfte Initiativen wie den „Regionalen Aufbruch“ oder die „Initiative Verfassungskonvent“ mitgestalten. Und doch schafften wir es gemeinsam nicht, das Geschenk neuzeitlicher Demokratie vor autokratischen und populistischen Angriffen zu schützen. Herausforderungen der sozialen Gerechtigkeit, der Klimaverantwortung oder des internationalen Ausgleichs werden seit Jahrzehnten in den Mühlen des intransparent gewordenen politischen Systems zermahlen. Es ist Zeit, die Sehnsucht nach Demokratie erneut auf ihre Möglichkeiten und Bedingungen zu überprüfen.<span id="more-1433"></span></p>
<p>Demokratie wird oft entweder zu hoch oder zu niedrig beschrieben. Zu hoch, wenn sie nur als feierliches Verfassungsprinzip erscheint, das mit dem wirklichen Leben wenig zu tun hat. Zu niedrig, wenn man sie auf Wahlen, Umfragen oder parteipolitische Taktik verkürzt. Beides greift zu kurz. Demokratie ist nicht nur eine Staatsform und auch nicht nur ein Verfahren. Sie ist eine Weise des gesellschaftlichen Zusammenlebens.</p>
<p>Sie lebt davon, ob Menschen sich als ernstzunehmende Mitwirkende erfahren, ob sie die Regeln des Gemeinwesens verstehen und ob sie darauf vertrauen können, dass ihre Stimme mehr ist als ein symbolischer Akt.</p>
<p>Ausgerechnet hier liegt inzwischen ein spürbares Problem. Viele Bürgerinnen und Bürger erleben Demokratie nicht als lebendige gemeinsame Angelegenheit, sondern als ein System, das zwar Beteiligung verspricht, durch den Kampf der Interessen in der Praxis aber Distanz erzeugt. In der Sphäre dieser Auseinandersetzungen darf man wählen, kommentieren, protestieren oder Petitionen unterschreiben – doch bleibt das Gefühl, dass die entscheidenden Weichen anderswo gestellt werden. Das schwächt nicht nur das Vertrauen in die Politik, sondern auch das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit.</p>
<p>Solche Krisen haben selten nur eine Ursache. Sie entstehen dort, wo mehrere Ebenen zugleich aus dem Gleichgewicht geraten: wenn wirtschaftliche Zwänge politische Entscheidungen verengen, wenn öffentliche Debatten an Tiefe verlieren, wenn Bildung ihre orientierende Kraft einbüßt und wenn Grundfragen von Würde, Sinn und Verantwortung nur noch als Privatangelegenheit gelten. Deshalb genügt es nicht, an einer einzelnen Stellschraube zu drehen. Wer Demokratie erneuern will, muss ihre innere Ordnung verstehen.</p>
<p>So sollten wir Demokratie als gegliederte Lebensordnung zu betrachten. Eine Gesellschaft besteht nicht aus einem einzigen Bereich, der alles bestimmt. Sie umfasst Versorgung und Wirtschaft, Recht und Politik, Bildung und Kultur sowie jene tieferen Orientierungen, aus denen Menschen Maßstäbe für Gerechtigkeit, Würde und Sinn gewinnen. Das Bild eines vierstöckigen Hauses macht diese innere Architektur anschaulich. Es hilft zu erkennen, dass die verschiedenen Ebenen aufeinander angewiesen sind, aber nicht miteinander verwechselt werden dürfen.</p>
<p>Von dort aus entfaltet sich der weitere Gedankengang. Zunächst geht es um die Sehnsucht nach Mitwirkung, aus der demokratische Ordnungen geschichtlich erwachsen. Danach wird gefragt, welche Rolle Religion für den Bestand einer Demokratie spielen kann und wie sich diese Frage mit Hartmut Rosas (*1965) Resonanztheorie und Jürgen Habermas’ (1929-2026) deliberativer Demokratie verbinden lässt. Im Mittelpunkt steht dann die Wertstufendemokratie von Johannes Heinrichs (*1942), die das Gemeinwesen als ein vierstöckiges Haus beschreibt. Anschließend wird gezeigt, wie dieses Modell durch Permakultur und modulare Revolution eine Sprache der praktischen Gestaltung gewinnt.</p>
<p>Im weiteren Verlauf werden diese Ansätze im Bild des Hauses zusammengeführt. Dabei zeigt sich, dass Resonanz, deliberative Verständigung unter Einbeziehung der Bürger, permakulturelles Denken und modulare Veränderung keine konkurrierenden Programme sein müssen. Sie lassen sich als verschiedene, komplementäre Antworten auf dieselbe Frage lesen: Wie kann eine Demokratie so geordnet werden, dass sie menschlich, vernünftig, widerstandsfähig und lernfähig bleibt?</p>
<p>Diesen Text verstehe ich deshalb nicht als theoretische Fingerübung, sondern als Versuch, das Gemeinwesen neu lesbar zu machen. Er will zeigen, dass Demokratie mehr braucht als Zustimmung und Verfahren: nämlich Orientierung, Unterscheidungsvermögen und Formen der Beteiligung, die dem menschlichen Bedürfnis nach Mitwirkung wirklich entsprechen.</p>
<h2>1.                   Die Sehnsucht nach Mitwirkung</h2>
<p>Demokratie beginnt nicht erst mit Verfassungen, Parlamenten oder Wahlen. Wir können sie tiefer verstehen: als Ausdruck eines menschlichen Grundbedürfnisses, das in allen Zeiten wiederkehrt – des Wunsches, über das eigene Leben mitzubestimmen, respektiert zu werden und nicht bloß von oben regiert zu werden. Berühmte Stationen der Demokratiegeschichte erscheinen mir deshalb nicht als vereinzelte Aufbrüche, aus denen in späterer Betrachtung sich neue Ansätze entwickelten, sondern als sichtbare Früchte einer älteren, tief verwurzelten und allgemeineren Sehnsucht. Wo Menschen über ihr Leben nachdenken, Ungerechtigkeit wahrnehmen und sich gegen Bevormundung wehren, entsteht jener Impuls, den wir demokratisch nennen können<a title="" href="#_edn1">[i]</a>.</p>
<p>Aus dieser Perspektive ist Demokratie keine Erfindung an einem einzigen Ort, sondern ein geschichtlicher Lernprozess. Immer wieder haben Menschen Formen gesucht, in denen Macht begrenzt und gemeinsames Leben fairer geordnet werden kann.</p>
<p>Diese Suche lässt sich an verschiedenen geschichtlichen Beispielen beobachten. Im antiken Athen etwa verlangten freie Bürger politische Mitsprache, weil sie nicht nur arbeiteten, sondern auch Verantwortung für die Gemeinschaft trugen. Entscheidungen über die <b>Polis</b>, also die politische Gemeinschaft, wurden öffentlich auf der <b>Agora</b>, dem Marktplatz, beraten. Auch in älteren Stammeskulturen finden sich ähnliche Ansätze, etwa in Volksversammlungen wie dem <b>Thing</b> germanischer und nordischer Stämme.</p>
<p>Wichtig ist dabei weniger eine romantische Verklärung der Vergangenheit als ein wiederkehrendes Muster: Menschen wollen dort mitreden, wo sie von Entscheidungen unmittelbar betroffen sind. Im Mittelalter tritt dieser Wunsch in anderer Form auf. Die britische <b>Magna Carta</b> von 1215 war noch kein demokratisches Manifest im modernen Sinn, setzte aber ein entscheidendes und nachhaltiges Zeichen: Selbst der König sollte nicht schrankenlos herrschen, sondern an Regeln gebunden sein.</p>
<p>Diese Begrenzung von Macht gehört zum Kern jeder freiheitlichen Ordnung. Ähnlich lassen sich städtische Kämpfe um Mitspracherechte oder Aufstände gegen Willkürherrschaft im Mittelalter deuten: nicht als fertige Demokratie, wohl aber als Ausdruck des Verlangens nach Selbstbehauptung.</p>
<p>Auch Reformation und Aufklärung markieren wichtige Schritte. Wenn Martin Luther (1483-1546) die Verantwortung des Einzelnen betont und später Denker wie Rousseau (1712-1778) über Freiheit, Vernunft und Gemeinwillen nachdenken, wächst die Vorstellung, dass Menschen nicht nur Untertanen, sondern eigenständig Urteilende sind. Die Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts, besonders in Amerika (1763), Frankreich (1789) und im europäischen Vormärz (1848), greifen diesen Gedanken politisch auf. Die deutsche <b>Paulskirchenverfassung</b> von 1849 war zwar zunächst erfolglos, wurde aber zu einem wichtigen Bezugspunkt des deutschen Parlamentarismus, weil sie Grundrechte, Volksvertretung und staatliche Ordnung zusammendachte. Daran wird sichtbar: Demokratie lebt nicht bloß von Institutionen, sondern von Bürgern, die sich als Träger des Gemeinwesens verstehen.</p>
<p>Deshalb fällt die Diagnose der Gegenwart kritisch aus. Zwar dürfen die Menschen wählen, doch politische Macht entfernt sich danach oft wieder vom wirklichen Willen der Bevölkerung. Fraktionslogik verdrängt eigenständiges Urteilen, wirtschaftliche Interessen gewinnen Vorrang vor Gemeinwohl und Menschenwürde, und Parlamente verlieren an sichtbarer Gestaltungskraft. Demokratie droht so zu einer leeren Form zu werden. Deshalb braucht es mehr als kleine Korrekturen. Es bedarf einer Ordnung, in der die Gesellschaft sich stärker selbst reguliert und Bürgerinnen und Bürger nicht nur am Wahltag, sondern fortlaufend an politischen Entscheidungen beteiligt sind.</p>
<h2>2.                   Religion als Halt der Demokratie</h2>
<p>Eine Demokratie lebt nicht nur von Verfassungen, Wahlen und Institutionen. Sie lebt auch davon, ob Menschen einander zuhören können, ob sie sich als Teil eines gemeinsamen Ganzen verstehen und ob es Maßstäbe gibt, die über Nutzen, Erfolg und Tagesinteressen hinausweisen. Hier bekommt Religion eine Bedeutung, die in säkularen Gesellschaften oft unterschätzt wird. Gemeint ist nicht, dass Religion als Kirche oder Staatsreligion herrschen oder politische Entscheidungen ersetzen soll. Gemeint ist etwas Schlichteres und zugleich Grundsätzlicheres: Religion kann eine Gesellschaft daran erinnern, dass der Mensch mehr ist als Konsument, Wähler oder Funktionsträger. Sie hält Fragen nach Würde, Verantwortung, Grenze und Sinn wach. Wo solche Fragen ganz verstummen, verliert auch die Demokratie einen Teil ihrer inneren Tragkraft.</p>
<p>Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt mit dem Begriff der Resonanz, was Menschen zum Leben brauchen, damit sie nicht innerlich verstummen. Resonanz meint eine lebendige Beziehung zur Welt: etwas berührt uns, wir antworten darauf, und in diesem Vorgang verändert sich etwas in uns. Für die Demokratie ist das wichtig, weil politische Freiheit mehr verlangt als formale Rechte. Eine freie Ordnung braucht Bürgerinnen und Bürger, die ansprechbar bleiben, die eigene und andere Erfahrungen ernst nehmen und die Konflikte nicht nur als Kampf um Vorteile verstehen.</p>
<p>Religion kann in diesem Sinn ein Resonanzraum sein. Rituale, Gebet, Gesang, Schweigen, Feste und gemeinsames Gedenken unterbrechen die Logik ständiger Verwertung. Sie erinnern daran, dass nicht alles machbar, planbar oder kaufbar ist. Damit stärkt Religion nicht automatisch die Demokratie, aber sie kann Haltungen einüben, ohne die Demokratie auf Dauer austrocknet<a title="" href="#_edn2">[ii]</a>.</p>
<p>Der Soziologe und Philosoph Jürgen Habermas setzt an einer anderen Stelle an. Für ihn lebt Demokratie davon, dass Normen und Gesetze argumentativ und öffentlich begründet werden können. Bürger sollen nicht bloß Interessen durchsetzen, sondern Gründe austauschen. Diese Sicht ist bekannt als deliberative Demokratie. Ihr Kern ist einfach: In einer freien Gesellschaft darf Macht nicht das letzte Wort haben, sondern das bessere Argument muss zumindest eine faire Chance bekommen<a title="" href="#_edn3">[iii]</a>. Auch hier ist Religion nicht einfach ein Fremdkörper. Habermas hat gerade in seinen späteren Überlegungen betont, dass moderne Gesellschaften religiöse Stimmen nicht vorschnell an den Rand drängen sollten. Westliche Philosophien hätten ihre wesentlichen Wurzeln im alttestamentlichen Gerechtigkeitsideal und im neutestamentlichen Liebesethos. Sie können moralische Intuitionen, Erfahrungen der Selbstbegrenzung und Bilder von Gerechtigkeit einbringen, die für das Gemeinwesen wertvoll sind. Zugleich müssen sie sich in eine Sprache übersetzen lassen, die auch Andersdenkende nachvollziehen können. So trägt Religion zum demokratischen Gespräch nicht durch Sonderrechte bei, sondern durch einen Beitrag zur gemeinsamen Verständigung.</p>
<p>Für den Bestand der Demokratie heißt das: Sie braucht nicht notwendig Religion im engen konfessionellen Sinn, wohl aber Quellen der Orientierung, der Selbstbegrenzung und der inneren Sammlung. Religion ist eine mögliche, historisch starke Form solcher Orientierung. Wo sie Menschen für Würde, Verantwortung und das Hören auf andere öffnet, stärkt sie die demokratische Kultur. Wo sie sich selbst absolut setzt oder politische Macht anstrebt, gefährdet sie genau das, was sie eigentlich schützen könnte.</p>
<p>Entscheidend ist also nicht bloß, <i>dass</i> Religion vorhanden ist, sondern <i>wie</i> sie gelebt wird. Eine Demokratie bleibt nur dann lebendig, wenn sie von innen her mehr kennt als Verfahren: nämlich Vertrauen, Urteilskraft und die Bereitschaft, sich einem größeren Maßstab zu stellen.</p>
<h2>3.                   Das vierstöckige Haus der Demokratie</h2>
<p>Ausgehend von seiner seit 1976 entwickelten Reflexionstheorie<a title="" href="#_edn4">[iv]</a> stellte der Sozialphilosoph Johannes Heinrichs 2003 das Konzept der Wertstufendemokratie<a title="" href="#_edn5">[v]</a> vor. Dabei geht er einen wichtigen Schritt weiter als Rosa und Habermas. Heinrichs fragt nicht nur, welche Erfahrungen Menschen brauchen oder wie demokratische Verständigung gelingen kann. Er fragt auch, wie die Gesellschaft selbst aufgebaut sein muss, damit Menschlichkeit, Vernunft und Gemeinwohl nicht ständig von wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen verdrängt werden. Sein Vorschlag beschreibt das Gemeinwesen als ein vierstöckiges Haus: unten die Wirtschaft, darüber Politik und Recht, dann Kultur mit Bildung, Wissenschaft und Kunst, und darüber die Ebene der Grundwerte, der Ethik und der Sinnfragen. Das Bild ist einfach, aber aufschlussreich, weil es zeigt: Nicht jede Frage gehört auf dieselbe Ebene, und nicht jeder Maßstab darf überall herrschen.</p>
<p>Im Verhältnis zu Rosa lässt sich sagen: Rosas Resonanztheorie beschreibt vor allem die Qualität gelingender Weltbeziehungen. Sie zeigt, warum Menschen innerlich verarmen, wenn alles nur noch nach Effizienz, Beschleunigung und Verfügbarkeit geordnet ist. Heinrichs ergänzt diese Diagnose um eine institutionelle Perspektive. Er fragt, welche gesellschaftliche Architektur nötig ist, damit Resonanzräume nicht bloß private Zufälle bleiben.</p>
<p>Man könnte zuspitzen: Rosa erklärt, welche Atmosphäre ein Haus braucht, um bewohnbar zu sein; Heinrichs fragt, wie dieses Haus gebaut sein sollte und zeigt auf, wie durch bewusste Dialogik die von Rosa geforderte Resonanz wahrhaft wird und Struktur findet. Resonanz braucht nämlich nicht nur offene Menschen, sondern auch Institutionen, die Bildung, Kultur, ethische Orientierung und politische Teilhabe schützen.</p>
<p>Im Verhältnis zu Habermas zeigt sich eine andere Ergänzung. Habermas vertraut auf die Kraft der öffentlichen Verständigung. Demokratische Legitimität entsteht für ihn vor allem dort, wo freie und gleiche Bürger ihre Gründe austauschen. Heinrichs hält das für notwendig, aber nicht für ausreichend. Denn selbst der beste Diskurs kann verzerrt werden, wenn Geld, Medienmacht oder parteipolitische Routinen den Gesprächsraum beherrschen.</p>
<p>Die Wertstufendemokratie will deshalb die Bedingungen des demokratischen Sprechens selbst ordnen. Sie unterscheidet systematisch zwischen wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und ethischen Fragen und schützt jede Ebene vor der Übermacht der anderen. So lässt sich sagen: Habermas betont die Form vernünftiger Verständigung, Heinrichs die Struktur, die diese Verständigung erst tragfähig macht.</p>
<p>In ihrer Verbindung werden die drei Ansätze besonders aufschlussreich. Rosa erinnert daran, dass Demokratie ohne lebendige Beziehungen kalt wird. Habermas zeigt, dass sie ohne faire Verständigung stumm bleibt. Heinrichs macht deutlich, dass sie ohne eine kluge innere Gliederung aus dem Gleichgewicht gerät. Die Wertstufendemokratie ist deshalb weder ein bloßes Konkurrenzmodell zu Resonanztheorie und deliberativer Demokratie noch deren einfache Fortsetzung. Sie ist eher ein Ordnungsrahmen, in dem beide Ansätze ihren eigenen Platz bekommen und sich entfalten können: Resonanz als Lebensqualität demokratischer Beziehungen, Deliberation als Form demokratischer Verständigung und Wertstufung als institutionelle Architektur des Ganzen.</p>
<h2>4.                   Wie das Haus wachsen kann</h2>
<p>Die Wertstufendemokratie erklärt, wie ein Gemeinwesen sinnvoll gegliedert werden kann. Sie sagt aber noch nicht von selbst, wie eine solche Ordnung praktisch wachsen soll. Hier werden Permakultur und modulare Revolution wichtig. Beide helfen, den eher abstrakten Gedanken des vierstöckigen Hauses in eine Sprache der Gestaltung und des schrittweisen Wandels zu übersetzen. Permakultur liefert eine Denkweise für lebendige, widerstandsfähige und lernfähige Systeme<a title="" href="#_edn6">[vi]</a>. Die modulare Revolution beschreibt einen Weg des gesellschaftlichen Wandels, der nicht auf den einen großen Umsturz wartet, sondern mit vernetzbaren, überschaubaren Bausteinen beginnt.</p>
<p>Wenn Menschen das Wort Permakultur hören, denken sie oft zuerst an Gemüsebeete, Mischkultur, Kompost oder Regenwassernutzung. Das ist nicht falsch, aber es ist nur die Oberfläche. Der irische Architekt Declan Kennedy (*1934) betont, dass Permakultur im Kern eine Gestaltungslehre für dauerhafte, widerstandsfähige und lebensfreundliche Systeme ist<a title="" href="#_edn7">[vii]</a>. Der Begriff entstand aus dem Gedanken einer dauerhaften Landwirtschaft und wurde durch die Arbeiten Kennedys und des Architekten Ekhard Hahn (*1942), einem Pionier des ökologischen Städtebaus, zu einer Idee dauerhafter Kultur in der Landschaftspflege und im Städtebau erweitert<a title="" href="#_edn8">[viii]</a>. Gemeint ist: Wie gestalten wir unser Leben so, dass es die Grundlagen des Lebens nicht zerstört, sondern regeneriert?</p>
<p>Die auf David Holmgren (*1955) gründenden zwölf Prinzipien lassen sich als Denkwerkzeuge lesen:</p>
<ul>
<li>beobachten, bevor man eingreift;</li>
<li>Energie sammeln und speichern;</li>
<li>einen wirklichen Ertrag erzielen;</li>
<li>aus Feedback lernen;</li>
<li>erneuerbare Ressourcen nutzen;</li>
<li>keinen Abfall produzieren;</li>
<li>zuerst Muster erkennen und dann Details gestalten;</li>
<li>integrieren statt trennen;</li>
<li>kleine und langsame Lösungen bevorzugen;</li>
<li>Vielfalt wertschätzen;</li>
<li>Randzonen beachten;</li>
<li>kreativ auf Veränderung reagieren.</li>
</ul>
<p>Diese Prinzipien sind nicht nur für Gärten nützlich. Sie helfen auch dabei, Nachbarschaften, Schulen, Kommunen oder demokratische Prozesse klüger zu gestalten.</p>
<p>Für politische Fragen ist besonders wichtig, dass Permakultur nicht mit der Illusion arbeitet, man könne alle Probleme von oben lösen. Sie schaut stattdessen auf Beziehungen. Was unterstützt sich gegenseitig? Wo entstehen schädliche Abhängigkeiten? Welche Funktionen sollten mehrfach abgesichert sein? Wie kann ein System lernen, ohne ständig von außen korrigiert zu werden? In dieser Perspektive wird Politik weniger zu einem Kampf um Durchsetzung und mehr zu einer Kunst der guten Anordnung. So  gewinnt nicht die größte Macht, sondern die bessere Verknüpfung.</p>
<p>Das passt erstaunlich gut zur Wertstufendemokratie. Denn auch eine Demokratie ist kein starres Gerät, sondern ein lebendiges Gefüge. Sie braucht Versorgung, ohne vom Markt beherrscht zu werden. Sie braucht Regeln, ohne zur bloßen Verwaltung zu verkommen. Sie braucht Bildung und Kultur, ohne sich im bloß Nützlichen zu erschöpfen. Und sie braucht Werte, ohne dogmatisch zu werden. Permakulturell gedacht heißt das: Jede Ebene soll ihre eigene Funktion behalten und zugleich so mit den anderen verbunden sein, dass das Ganze widerstandsfähiger wird.</p>
<p>Die modulare Revolution ergänzt diese Logik um eine politische Praxis. Der Sozialpsychologe Harald Welzer (*1958) geht davon aus, dass große Veränderungen oft dort beginnen, wo Menschen im Kleinen andere Formen des Wirtschaftens, Lernens, Entscheidens und Zusammenlebens aufbauen<a title="" href="#_edn9">[ix]</a>. Genossenschaften, Bürgerräte, Reparaturinitiativen, Gemeinschaftsgärten, lokale Energienetze, offene Werkstätten oder neue Lernorte sind solche Module. Sie sind nicht bloß Randphänomene. Sie können zu Keimformen einer anderen demokratischen Kultur werden, weil sie Selbstwirksamkeit erfahrbar machen und abstrakte Politik in konkrete Mitgestaltung übersetzen. Damit wird die modulare Revolution zum praktischen Gegenstück der Wertstufendemokratie: Was das Haus theoretisch gliedert, bauen die Module schrittweise im Alltag auf.</p>
<p>In ihrer Verbindung gleichen sich die drei Ansätze wechselseitig aus. Die Wertstufendemokratie verhindert, dass modulare Projekte beliebig nebeneinander stehen. Die modulare Revolution verhindert, dass das Hausmodell abstrakt bleibt. Die Permakultur verhindert, dass gesellschaftliche Erneuerung zu rein technischer Reform wird.</p>
<p>Zusammen entsteht ein Bild von Demokratie, das zugleich geordnet, lernfähig und lebensnah ist: eine Demokratie, die ihre Ebenen unterscheiden kann, Veränderung in kleinen Schritten ermöglicht und dabei immer fragt, ob ihre Strukturen das Leben fördern oder erschöpfen.</p>
<h2>5.                   Vier Wege in einer Ordnung</h2>
<p>Wenn man sowohl Resonanz, deliberative Demokratie, Permakultur und modulare Revolution im Bild des vierstöckigen Hauses zusammenführt, wird der Zusammenhang besonders anschaulich. Das Haus macht klar, dass eine gute Gesellschaft weder nur aus Wirtschaft noch nur aus Politik besteht. Jede Etage hat ihre eigene Aufgabe, und jede wird durch die genannten Ansätze auf besondere Weise beleuchtet. So kann sich das Sammelsurium diverser Theorien auflösen. Es entsteht eine innere Ordnung, in der sich die verschiedenen Gedanken gegenseitig verständlich machen.</p>
<p><b>Im Erdgeschoss</b> geht es um Wirtschaft und Versorgung. Hier helfen vor allem Permakultur und modulare Revolution. Permakultur erinnert daran, dass Versorgung auf Kreisläufen, Regeneration und Maß beruhen sollte. Die modulare Revolution zeigt, wie dies praktisch beginnen kann: mit Energie­genossenschaften, regionalen Ernährungsprojekten, Reparaturnetzwerken, Gemeinwohl­bilanzen oder gemeinschaftlichem Wohnen. In der Ordnung dieses Geschosses lässt sich Gemeinwohlökonomie entwickeln, Armut mindern und soziale Gerechtigkeit stärken. Überfällige Reformen zur Gesundheits- und Alterssicherung können wertorientiert und sachgerecht entwickelt werden.</p>
<p><b>Im ersten Stock</b>, also bei Politik und Recht, tritt Habermas besonders hervor. Deliberative Demokratie fordert faire Verständigung, öffentliche Begründung und Beteiligung. Die modulare Revolution ergänzt dies durch konkrete Beteiligungsformen wie Bürgerräte oder kommunale Werkstätten. Hier bekommen sie ihren rechtlichen Rahmen, mit denen sie auf Sachebene des Hauses eingesetzt werden können. Politik wird dann nicht bloß als Kampf um Mehrheiten verstanden, sondern als organisierte Form gemeinsamen Urteilens. Machtorganisation unterliegt den Wertentscheidungen im Dachgeschoss.</p>
<p><b>Im zweiten Stock</b>, also bei Bildung, Wissenschaft und Kultur, treffen sich Rosa und Habermas besonders deutlich. Resonanz ist hier wichtig, weil Lernen und Bildung nicht nur Informations­aufnahme, sondern Beziehung zur Welt bedeuten. Habermas erinnert daran, dass Erkenntnis und öffentliche Debatte auf Gründen, Kritik und Verständlichkeit beruhen müssen. Permakulturell gesprochen braucht besonders diese Etage Aufmerksamkeit für Muster, Rückmeldungen und Lernprozesse.</p>
<p><b>Im Dachgeschoss</b> schließlich liegen Ethik, Religion und Sinnfragen an. Hier wird sichtbar, warum Religion für den Bestand der Demokratie nicht belanglos ist. Sie kann Sprache für Würde, Verantwortung und Selbstbegrenzung bewahren. Rosa würde sagen: Sie hält Resonanzräume offen. Heinrichs würde sagen: Sie stärkt die oberste Orientierungsebene. Und Habermas würde ergänzen: Diese Orientierungen werden demokratisch fruchtbar, wenn sie in einen allgemein zugänglichen öffentlichen Dialog übersetzt werden. Hier werden die für die weiteren Geschosse verbindlichen Rahmen entschieden und Etage um Etage hinunter verdichtet. Die politische Interpretation der Grund- und Menschenrechte unterliegt dadurch nicht mehr dem ökonomischen oder machtpolitischen Diktat. Zudem wird die Auslegung der Grundrechte aus der Judikative zurück in die Legislative verlagert.</p>
<p style="text-align: center;" align="center"><a href="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/07/WertstufenHaus.jpg"><img class=" wp-image-1435 aligncenter" alt="WertstufenHaus" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/07/WertstufenHaus.jpg" width="361" height="430" /></a></p>
<p>So verstanden zeigt das vierstöckige Haus keine starre Trennung, sondern eine geordnete Zusammenarbeit. Alle Etagen korrespondieren und kommunizieren miteinander zur Lösung komplexer Sachfragen. Geht es um Entscheidungen, greift die Rangfolge der Etagen: Das Dachgeschoss setzt die allgemeinverbindlichen Rahmenbedingungen, wie eine Kaskade werden diese Rahmenbedingungen von Etage zu Etage konkretisiert und heruntergebrochen. Die Rangfolge Ethik &gt; Kultur &gt; Politik &gt; Wirtschaft sichert, dass der Einfluss der einzelnen Geschosse im sachgerechten Rahmen bleibt.  Resonanz macht das Haus innerlich bewohnbar. Deliberation sorgt dafür, dass in ihm gesprochen und gestritten werden kann, ohne dass Gewalt oder bloße Macht das letzte Wort haben. Permakultur lehrt, seine Beziehungen so zu gestalten, dass sie tragfähig bleiben. Die modulare Revolution zeigt, wie Zimmer, Wege und Werkstätten dieses Hauses im Alltag überhaupt erst entstehen können. Gerade darin liegt die Stärke des Modells: Es erklärt nicht alles auf einmal, sondern ordnet das Ganze in nachvollziehbare Ebenen.</p>
<h2>6.                   Schluss: Die innere Ordnung des Hauses</h2>
<p>Als leitende Einsicht lässt sich somit formulieren: Demokratie bleibt nur dann lebendig, wenn ihre äußeren Verfahren von einer inneren Ordnung getragen werden. Wahlen, Parlamente und Gesetze sind unverzichtbar, aber sie genügen nicht. Ein Gemeinwesen braucht eine Wirtschaft, die dem Leben dient; eine Politik, die fair ordnet; eine Kultur, die Wahrheit, Bildung und Urteilskraft schützt; und eine Ebene der Grundwerte, die dem Ganzen Richtung gibt. Das Bild des vierstöckigen Hauses macht diese Ordnung sichtbar, ohne die Sache unnötig kompliziert zu machen.</p>
<p>Rosas Resonanztheorie erinnert daran, dass Demokratie Menschen braucht, die berührbar bleiben. Habermas macht deutlich, dass Freiheit nur dort politisch tragfähig wird, wo Gründe ausgetauscht und Konflikte sprachlich bearbeitet werden. Die Permakultur zeigt, dass lebendige Systeme auf Kreisläufen, Vielfalt und Rückmeldungen beruhen. Die modulare Revolution führt vor Augen, dass gesellschaftlicher Wandel mit konkreten, überschaubaren Schritten beginnen kann. Die Wertstufendemokratie bündelt diese Einsichten zu einer Form innerer Gliederung. Sie hilft zu verstehen, warum Demokratien aber auch gut gemeinte Reformprojekte scheitern, wenn sie die innere Ordnung nicht beachten und ihre Ebenen verwechseln<a title="" href="#_edn10">[x]</a>, und warum sie gewinnen, wenn sie ihre Unterschiede sinnvoll aufeinander beziehen.</p>
<p>Damit ist auch der praktische Sinn des Ganzen benannt. Demokratieerneuerung beginnt nicht erst bei großen Verfassungsreformen. Sie beginnt dort, wo Menschen wieder unterscheiden lernen: zwischen Nutzen und Würde, zwischen Macht und Verständigung, zwischen Wissen und Meinung, zwischen Orientierung und Beliebigkeit. Das vierstöckige Haus ist somit kein fernes Gedankengebäude, sondern eine Einladung, das Gemeinwesen neu lesbar zu machen. Eine menschliche Demokratie darf weder bloß verwaltet noch bloß erträumt werden. Sie muss in ihrer inneren Ordnung verstanden, Schritt für Schritt aufgebaut und gepflegt werden.</p>
<p>jh 5/2026</p>
<div></div>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><b>Quellenverzeichnis</b></p>
<p><b> </b>[i] Hülkenberg, Josef: <i>Nur mal angenommen &#8230; Demokratie ginge anders. Auf der Spur einer Sehnsucht und den Bedingungen ihrer Realisierung</i>. Hamburg, 2015.</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref2">[ii]</a> Rosa, Hartmut: <i>Demokratie braucht Religion &#8211; gerade jetzt</i>. München, 2026.</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref3">[iii]</a> Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1981</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref4">[iv]</a> Heinrichs, Johannes: <i>Reflexion als soziales System</i>. Bonn, 1976.</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref5">[v]</a> Heinrichs, Johannes: <i>Revolution der Demokratie. Eine konstruktive Bewusstseinsrevolution</i>. Edition Johannes Heinrichs, 2014.<b> </b></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref6">[vi]</a> Holmgren, David: <i>Permaculture: Principles and Pathways Beyond Sustainability</i>. Hepburn: Holmgren Design Services, 2002.</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref7">[vii]</a> Krause, Peter: <i>Declan Kennedy. Permakultur leben, die Welt gestalten. Eine Biografie</i>. München 2020</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref8">[viii]</a> Hahn, Ekhard: Ökologischer Stadtumbau, Frankfurt/Main, 1993</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref9">[ix]</a> Welzer, Harald: <i>Das Haus der Gefühle</i>. Frankfurt/Main, 2025.<b> </b></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ednref10">[x]</a>Hülkenberg, Josef: <i>Der Würde wegen, Ein Zwischenbericht zur INITIATIVE VERFASSUNGSKONVENT</i>, Hamburg, 2016</p>
<p>Ergänzende<b> </b>Orientierungsquellen:</p>
<ul>
<li><b>Bauer, Joachim</b>: <i>Prinzip Menschlichkeit</i>. München, 2008.</li>
<li><b>Heinrichs, Johannes</b>: <i>Das Projekt Grundwerteparlament</i>. <a href="https://www.johannesheinrichs.de/media/cms_574a6c04b1e34.pdf">[johannesheinrichs.de]</a></li>
<li><b>Hülkenberg, Josef</b>: <i>Nur mal angenommen &#8230; Demokratie ginge anders. Auf der Spur einer Sehnsucht und den Bedingungen ihrer Realisierung</i>. Hamburg, 2015.</li>
<li><b>Hülkenberg, Josef</b>: <i>Selbstermächtigung der Bürger als Konstitutive demokratischer Stadt- und Regionalentwicklung</i> (Masterarbeit, Hochschule Wismar, WS 2024/25).</li>
<li><b>Kohr, Leopold</b>: <i>The Breakdown of Nations</i>. London, 1957; deutsch: <i>Das Ende der Großen. Zurück zum menschlichen Maß</i>.<b> </b></li>
<li><b>Rosa, Hartmut</b>: <i>Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung</i>. Berlin,  2016.</li>
<li><b>Welzer, Harald</b>: Beiträge und Essays zu „guten Orten“ und demokratischer Praxis, u. a. in publizistischen Beiträgen von FUTURZWEI und Interviews, 2025.</li>
<li><b>Welzer, Harald: </b><i>Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen</i>. Frankfurt/Main, 2019</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
</div>
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		<title>Abbau oder Neubau des Sozialstaates?</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Feb 2026 19:51:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Josef Hülkenberg]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken schadet nicht]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Unterschlagene Propheten]]></category>
		<category><![CDATA[Zu den Stufen zur Weisheit]]></category>
		<category><![CDATA[zum Design der Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialstaat]]></category>
		<category><![CDATA[Tätigkeitsgesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Versorgungsstaat, der Bedürftigkeit seiner Bürger alimentiert und primär Defizite verwaltet, kommen auch moderne Industriegesellschaften an ihre Grenzen. Die klassischen Sozialsysteme werden im politischen Spagat zwischen Alterung der Bevölkerung und wegbrechender Beitragsbasis zerrissen. Notwendig erscheinende Sparpolitik verschärft die Lage, führt die Mehrheit der Bürger in die Verarmungsspirale und den Staat in die steuerpolitische Sackgasse.Politischer Mut [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="402">Als Versorgungsstaat, der Bedürftigkeit seiner Bürger alimentiert und primär Defizite verwaltet, kommen auch moderne Industriegesellschaften an ihre Grenzen. Die klassischen Sozialsysteme werden im politischen Spagat zwischen Alterung der Bevölkerung und wegbrechender Beitragsbasis zerrissen. Notwendig erscheinende Sparpolitik verschärft die Lage, führt die Mehrheit der Bürger in die Verarmungsspirale und den Staat in die steuerpolitische Sackgasse.Politischer Mut um die staatliche Handlungsfähigkeit durch eine proaktive Ausweitung der Wertschöpfungsbasis  zu stabilisieren, ist weder bei Parteien noch in breiten Kreisen der Wählerschaft zu erkennen. Eine darauf ausgerichtete Strategie stellte einen tiefgreifenden Systemwandel dar.</p>
<p>Dass ein derartiger Systemwechsel sich allerdings nationalökonomisch rechnen würde, legte das POLITISCHE FORUM UNTERE SAAR – HOCHWALD dar. Sprecher dieses Forums ist der Nationalökonom Hans Ludwig, ehemaliger Direktor des Sozialinstituts der süddeutschen KAB in Waldmünchen. In einer Denkschrift vom Oktober 2016 entwarf das Forum eine „solidarische Arbeitsgesellschaft in marktwirtschaftlicher Ordnung“. Die vorgeschlagene strategische Lösung liegt im Übergang zu einer „Vorsorge- und Tätigkeitsgesellschaft“. Mit ökonomischen Berechnungen bestätigte das Forum die „Vision für eine gerechter Gesellschaft – Solidarität – Chance für die Zukunft“, mit der bereits 2003 der Bund der katholischen Jugend (BdkJ) für ein bedingtes Grundeinkommen in einer Tätigkeitsgesellschaft warb.Statt auf fragwürdige „Sondervermögen“ zu setzen, schlagen die Ökonomen des Forums die soziale, marktwirtschaftliche Regulierung bestehender Geldflüsse vor. Eine Regulierung, die die Schuldenspirale aufbricht.Die aktuellen politischen und regierungsamtlichen Bestrebungen zum Abbau des Sozialstaates geben Anlass, die Perspektiven unterschlagener Propheten erneut ins gesellschaftliche Bewusstsein zu heben.</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="190"><i>Video-Zusammenfassung</i><i>KI-generiert</i><a href="https://youtu.be/UMdJZ_GzTDo"><br />
<img class="alignleft size-full wp-image-1332" alt="Auf Pump" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/02/Auf-Pump.png" width="748" height="412" /></a></td>
<td valign="top" width="212"><i>Themengrafik KI-generiert</i> <a href="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/02/Investition-statt-Sparzwang.png"><img class="alignleft size-full wp-image-1334" alt="Investition statt Sparzwang" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/02/Investition-statt-Sparzwang.png" width="2752" height="1536" /></a><b><i> </i></b></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="402">Quelle:POLITISCHES FORUM UNTERE SAAR – HOCHWALDDenkschrift zur Frage Ist das Saarland noch zu retten? Eine solidarische Arbeitsgesellschaft in marktwirtschaftlicher Ordnung vom 4.Oktober 2026</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="402"><i>Zum vertieften Lesen</i></p>
<p><b>Die Finanzierungslogik der Tätigkeitsgesellschaft: Ein mathematischer Wegweiser </b></p>
<p>In der klassischen Nationalökonomie wird oft das Dogma des „Sparens in der Krise“ gelehrt. Doch Ökonomen, der sich intensiv mit transformativen Modellen befassen, konstatieren: Herkömmliche Austerität greift zu kurz, da sie die produktive Basis schwächt. Das Modell der <b>Tätigkeitsgesellschaft</b> schlägt einen anderen, mathematisch fundierten Weg ein. Es begreift den Sozialstaat nicht als Kostenstelle, sondern als Investitionsmotor.</p>
<p><b>1. Der Paradigmenwechsel: Vom Sparzwang zur Investition </b></p>
<p>Das Fundament dieses Modells ist die Auflösung des sogenannten Schuldenparadoxons. Politisch prägend ist die Sorge vor Staatsverschuldung; hier jedoch wird Verschuldung als präzise dosierter „Initialfunke“ eingesetzt.<span id="more-1330"></span><b>Das Schuldenparadoxon:</b> Eine einseitige Fixierung auf das Sparen (Austerität) führt zu massiven Einnahmeausfällen im Staatshaushalt. Diese Ausfälle generieren das Schuldenproblem immer wieder neu, da die wirtschaftliche Basis durch fehlende Investitionen schrumpft.</p>
<p>Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, akzeptiert das Modell eine gezielte zusätzliche Staatsverschuldung als Anschubfinanzierung. Diese Investition in Erziehung, Pflege und Bildung trägt sich aus drei ökonomischen Gründen fast zeitgleich selbst:</p>
<ul>
<li><b>Steuerrückfluss:</b> Bezahlte gesellschaftliche Arbeit ist Bruttoerwerbsarbeit. Die Empfänger entrichten von ihrem Einkommen sofort wieder Steuern und Sozialabgaben, was den Rückfluss in die Staatskasse sichert.</li>
<li><b>Wegfall von Sozialleistungen:</b> Da Tätigkeiten wie Erziehung und Pflege nun als regulär bezahlte Arbeit gelten, entfallen die Anspruchsvoraussetzungen für klassische Transferleistungen (z. B. Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe) massiv.</li>
<li><b>Nachfrageimpulse als Jobmotor:</b> Die zusätzliche Kaufkraft stimuliert die Binnennachfrage so stark, dass der herkömmliche Arbeitsmarkt schätzungsweise um <b>7 Millionen Plätze</b> wächst – ein Wachstum, das weitere Steuereinnahmen ohne Steuererhöhungen generiert.</li>
</ul>
<p>Dieser massive Investitionsprozess ist jedoch kein Selbstzweck, sondern erfordert eine fundamentale Umgestaltung der fiskalischen Architektur.</p>
<p><b>2. Die neue Einnahmenstruktur: Werden Sie Teil der „Bürgerversicherung“</b></p>
<p>Der Übergang zur Tätigkeitsgesellschaft bedeutet das Ende der paritätischen Finanzierung. Zukünftig tragen die Bürger die Versicherung allein. Dies führt jedoch nicht zu einer Mehrbelastung, sondern zur sogenannten „Lohnnebenkosten-Neutralität“: Der bisherige Arbeitgeberanteil wird direkt in das Bruttoeinkommen der Beschäftigten umgewandelt. Zudem wird die Beitragsbasis radikal verbreitert, wobei die Beitragsbemessungsgrenze als regulatives Element erhalten bleibt.</p>
<table width="100%" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td>Merkmal</td>
<td>Altes System</td>
<td>Modell Tätigkeitsgesellschaft</td>
</tr>
<tr>
<td><b>Beitragsbasis</b></td>
<td>Vornehmlich abhängige Beschäftigung</td>
<td>Alle Einkunftsarten (inkl. Kapital, Mieten, Pachten)</td>
</tr>
<tr>
<td><b>Personenkreis</b></td>
<td>Angestellte (mit Ausnahmen für Beamte/Selbstständige)</td>
<td><b>Alle</b> Bürger (inkl. Beamte, Rentiers, Selbstständige)</td>
</tr>
<tr>
<td><b>Finanzierungslast</b></td>
<td>Paritätisch (Arbeitgeber &amp; Arbeitnehmer)</td>
<td>Bürger tragen Beiträge allein (Umwandlung AG-Anteil in Bruttolohn)</td>
</tr>
<tr>
<td><b>Zielsetzung</b></td>
<td>Absicherung von Bedürftigkeit</td>
<td>Aufbau einer Vorsorge- und Tätigkeitsgesellschaft</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Diese strukturelle Verbreiterung ist das mathematische Rückgrat, auf dem die gesamte Finanzierungsrechnung des neuen Systems ruht.</p>
<p><b>3. Die mathematische Herleitung der 723 Milliarden Euro</b></p>
<p>Um die Tragfähigkeit des Modells zu beweisen, müssen wir die Einnahmen der neu geschaffenen „Bundesagentur für Arbeit und Familie“ (BAF) schrittweise rekonstruieren. Wir addieren hierzu drei zentrale Einkommenssäulen:</p>
<ol start="1">
<li><b>Bisherige Einkommen:</b> Das Volumen der aktuell versicherungspflichtigen Einkommen (ca. 1,7 Bio. €).</li>
<li><b>Neue Einkommen aus gesellschaftlicher Arbeit:</b> Die Entlohnung von 14 Millionen Plätzen in Erziehung, Pflege und Bildung (0,68 Bio. €).</li>
<li><b>Einbeziehung aller Bürger:</b> Die Aufnahme von Beamten, Selbstständigen und Rentiers in das Umlagesystem (1,1 Bio. €).</li>
</ol>
<p>Daraus ergibt sich folgende Gleichung für die Gesamteinkommensbasis (in Billionen Euro): <b>1,7 + 0,68 + 1,1 = 3,286 Bio. €</b></p>
<p>Auf diese Basis wird ein <b>einheitlicher Beitragssatz von 22 %</b> angewandt – ein transparenter Pauschalsatz, der das bisherige fragmentierte System ersetzt. Das Ergebnis ist eine solide Finanzierungsmasse:</p>
<p><b>723.000.000.000 € (723 Mrd. €) an jährlichen Einnahmen.</b></p>
<p>Diese massive Kapitalansammlung ist jedoch kein Selbstzweck, sondern der Treibstoff für eine gezielte Umstrukturierung der menschlichen Arbeit.</p>
<p><b>4. Die Ausgabenseite: Investition in Mensch und Tätigkeit</b></p>
<p>Die Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit und Familie sind keine „verlorenen Kosten“, sondern stellen die Umwandlung bisher unbezahlter oder subventionierter Tätigkeiten in vollwertige, steuerpflichtige Arbeit dar.</p>
<p>Die geplanten Allokationen stellen sich wie folgt dar:</p>
<ul>
<li>[ ] <b>14 Millionen Bruttoeinkommen:</b> Bezahlung von Erziehung, Pflege und Bildung (à 3.000 €/Monat) = <b>540 Mrd. €</b></li>
<li>[ ] <b>Bedarfsgerechtes Kindergeld:</b> (500–550 €/Monat, teilfinanziert durch Wegfall des ermäßigten MwSt-Satzes) = <b>90 Mrd. €</b></li>
<li>[ ] <b>Gehälter für Kita-Erzieher:</b> Sicherstellung der professionellen Infrastruktur = <b>1,8 Mrd. €</b></li>
</ul>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p><b>Gesamtkosten: 631,9 Mrd. €</b></p>
<p>Der entscheidende Effekt: Indem wir gesellschaftlich notwendige Leistungen wie Kindererziehung oder Angehörigenpflege als Bruttoerwerbsarbeit entlohnen, integrieren wir diese Tätigkeiten vollumfänglich in den Wirtschaftskreislauf und schaffen so echte soziale Sicherheit durch ökonomische Teilhabe.</p>
<p><b>5. Das Fazit: Warum die Rechnung aufgeht</b></p>
<p>Vergleicht man die Einnahmen mit den Ausgaben, wird die finanzielle Robustheit dieses Entwurfs deutlich:</p>
<p><b>723,0 Mrd. € (Einnahmen) &#8211; 631,9 Mrd. € (Ausgaben) = + 91,1 Mrd. € Überschuss.</b></p>
<p>Dieser Überschuss von über 91 Milliarden Euro ist zudem konservativ gerechnet. Er fungiert als Sicherheitsmarge, während die durch das Modell induzierten 7 Millionen zusätzlichen Arbeitsplätze am herkömmlichen Markt als eigentlicher <b>Wachstumsmotor</b> wirken und einen positiven Rückkopplungseffekt für den Gesamthaushalt erzeugen.</p>
<p><b>Key Insight: Finanzielle Tragfähigkeit</b> Die Tätigkeitsgesellschaft garantiert Stabilität durch zwei Säulen:</p>
<ol start="1">
<li><b>Verbreiterte Basis:</b> Die Einbeziehung aller Bürger und Einkunftsarten schafft ein krisenfestes Fundament.</li>
<li><b>Systemkonforme Refinanzierung:</b> Die Umwandlung von Sozialkosten in steuerpflichtige Arbeit generiert die Mittel für ihre eigene Finanzierung selbst.</li>
</ol>
<p>Die mathematische Logik zeigt: Ein moderner Sozialstaat muss kein Sanierungsfall sein. Wenn wir den Mut aufbringen, Arbeit neu zu definieren und die Finanzierung auf alle Schultern zu verteilen, wird aus dem Schuldenparadoxon ein tragfähiges Fundament für den gesellschaftlichen Wohlstand von morgen.</p>
<p>&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="402"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Life-Style – Menschenwürdig arbeiten und leben</title>
		<link>http://denkbar-mobil.de/2026/01/life-style-menschenwuerdig-arbeiten-und-leben/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Jan 2026 13:04:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Josef Hülkenberg]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Cocktails aus der denk!BAR]]></category>
		<category><![CDATA[Denken schadet nicht]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenken über...]]></category>
		<category><![CDATA[Querdenker]]></category>
		<category><![CDATA[Unterschlagene Propheten]]></category>
		<category><![CDATA[Zu den Stufen zur Weisheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Mehr arbeiten, damit (wessen?) Wohlstand wächst? Während Wirtschafts-Ideologen über „Life-Style-Arbeitsverträge“ palavern, haben sozialbewußte Nationalökonomen längst die notwendige Umwandlung der Erwerbsarbeits-Gesellschaft in eine Tätigkeits-Gesellschaft erkannt und berechnet.Bereits im Jahr 2003 legte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ein Konzept vor, wie  eine gerechtere Gesellschaft, zentriert auf ein tätigkeitsbasiertes Grundeinkommen, die Armutsrisiken mindern kann. Dieses Modell [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="377">
<h3><strong>Mehr arbeiten, damit (wessen?) Wohlstand wächst?</strong></h3>
<p>Während Wirtschafts-Ideologen über „Life-Style-Arbeitsverträge“ palavern, haben sozialbewußte Nationalökonomen längst die notwendige Umwandlung der Erwerbsarbeits-Gesellschaft in eine Tätigkeits-Gesellschaft erkannt und berechnet.Bereits im Jahr 2003 legte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ein Konzept vor, wie  eine gerechtere Gesellschaft, zentriert auf ein tätigkeitsbasiertes Grundeinkommen, die Armutsrisiken mindern kann. Dieses Modell sieht ein bedingungtes Grundeinkommen in gleicher Höhe für Kinder und Erwachsene vor, w elchesdas sozio-kulturelle Existenzminimum absichert.</p>
<p>Der Anspruch auf dieses Einkommen basiert auf der Erbringung von jährlich mindestens 500 Stunden gesellschaftlich notwendiger Arbeit in vier gleichwertigen Bereichen: Erwerbsarbeit, ehrenamtliches Engagement, Familienarbeit und Bildung. Finanziert werden soll das System hauptsächlich durch eine reformierte Steuerstruktur, einschließlich einer negativen Einkommenssteuer und einer Ressourcenverbrauch-Steuer, und wird ergänzt durch Maßnahmen wie eine Höchstarbeitszeitbegrenzung und eine stärkere Investition in Bildung.</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="190"><i>Video-Zusammenfassung</i><i>KI-generiert</i><b><i> </i></b><a href="https://youtu.be/7FIK1PuXOR4"><img class="alignleft  wp-image-1278" alt="BDKJ Grundeinkommen" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/BDKJ-Grundeinkommen.png" width="179" height="100" /></a></td>
<td valign="top" width="187"><i>Themengrafik KI-generiert</i><b><i> </i></b><a href="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/BdkJ-Grundeinkommen.png"><img class="alignleft  wp-image-1277" alt="BdkJ Grundeinkommen" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/BdkJ-Grundeinkommen.png" width="214" height="119" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="377"><em>Zum vertieften Lesen </em></p>
<h3><b>5 radikale Ideen aus einem fast vergessenen Grundeinkommens-Konzept </b></h3>
<p>Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist eine der meistdiskutierten sozialen Ideen unserer Zeit. Die Vorstellung, dass jeder Mensch monatlich einen festen Geldbetrag erhält, der die Existenz sichert – ganz ohne Gegenleistung – fasziniert und polarisiert zugleich. Es scheint, als gäbe es nur zwei Lager: die begeisterten Befürworter und die strikten Gegner. Doch diese binäre Debatte übersieht einen dritten, weitaus nuancierteren Weg – einen, der bereits vor fast zwei Jahrzehnten detailliert formuliert wurde. <span id="more-1265"></span>Schon 2003 legte der Bund der Katholischen Jugend Deutschlands (BDKJ) ein umfassendes Konzept vor, das auf den ersten Blick wie ein Grundeinkommen aussieht, bei genauerem Hinsehen aber alles auf den Kopf stellt. Es ist nicht bedingungslos, sondern knüpft die Auszahlung an eine völlig neue Definition von gesellschaftlichem Beitrag. Dieses fast vergessene Modell gibt überraschende Antworten auf die Frage, wie unsere Gesellschaft gerechter werden könnte.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<h4><b>Die 5 überraschendsten Aspekte des BDKJ-Modells</b></h4>
<p>Das &#8220;tätigkeitsbasierte Grundeinkommen&#8221; des BDKJ ist weit mehr als nur ein Finanzierungsinstrument. Es ist der Entwurf für eine Gesellschaft, die auf dem „Zusammenspiel mehrerer Lenkungsinstrumente“ basiert und „entscheidende Weichenstellungen und Gestaltungselemente“ erfordert. Hier sind die fünf radikalsten Ideen daraus:</p>
<h5><b>Punkt 1: Arbeit ist Pflicht – aber &#8220;Arbeit&#8221; wird völlig neu definiert</b></h5>
<p>Das Kernprinzip dieses Modells lautet: Das Grundeinkommen gibt es nicht einfach so. Personen zwischen 18 und 64 Jahren müssen einen Beitrag leisten, genauer gesagt mindestens 500 Stunden &#8220;gesellschaftlich notwendige Arbeit&#8221; pro Jahr. Eine Ausnahme bilden nur gesundheitliche Einschränkungen.</p>
<p>Der wirklich revolutionäre Gedanke steckt aber in der Definition dessen, was als Arbeit zählt. Das Konzept stellt vier Bereiche völlig gleichwertig nebeneinander:</p>
<ul>
<li><b>Erwerbsarbeit:</b> Der klassische, bezahlte Job.</li>
<li><b>Ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement:</b> Die Tätigkeit im Sportverein, in sozialen Initiativen oder politischen Gremien.</li>
<li><b>Familienarbeit:</b> Die Erziehung von Kindern und die Pflege von Angehörigen.</li>
<li><b>Bildung:</b> Von Schule, Studium und Ausbildung über Zweitstudium und berufliche Neuqualifikation bis hin zu „musische, kulturelle, soziale, politische und ökologische Bildung“.</li>
</ul>
<p>Diese breite Definition ist radikal, weil sie die gesellschaftliche Realität anerkennt: Unbezahlte Tätigkeiten wie Kindererziehung, Pflege oder ehrenamtliches Engagement sind für das Funktionieren unserer Gemeinschaft genauso essenziell wie ein bezahlter Job. In diesem Modell erhalten sie endlich die gleiche Anerkennung und Legitimation.</p>
<h5><b>Punkt 2: Gleiches Grundeinkommen für alle – vom Baby bis zum Greis</b></h5>
<p>Ein weiterer fundamentaler Pfeiler des Konzepts ist die universelle Auszahlung vom Tag der Geburt an bis zum Tod. Doch anders als oft angenommen, ist der Anspruch an strenge Kriterien geknüpft: Das Grundeinkommen sollen nur Menschen erhalten, die seit mindestens acht Jahren ihren ersten Wohnsitz in Deutschland haben. Für Personen unter 65 Jahren erhöht sich diese Anforderung sogar auf mindestens 20 Jahre.</p>
<p>Besonders bemerkenswert ist, dass Kinder und Erwachsene den gleichen Betrag erhalten sollen. Das Ziel ist die Sicherung des sozio-kulturellen Existenzminimums für jede einzelne Person. Im Jahr 2003 wurde dafür ein Betrag von mindestens 600 Euro veranschlagt. Dieser Ansatz würde Kinder- und Familienarmut an der Wurzel packen und jedem Kind von Anfang an eine eigenständige finanzielle Grundsicherung und damit bessere Teilhabechancen garantieren.</p>
<h5><b>Punkt 3: Schluss mit dem Hamsterrad – Eine Obergrenze für bezahlte Arbeit</b></h5>
<p>Das Modell will nicht nur Arbeit umverteilen, sondern auch unsere Fixierung auf die reine Erwerbsarbeit aufbrechen. Dafür sieht es eine &#8220;Jahreshöchsterwerbsarbeitszeit&#8221; vor: Niemand soll mehr als maximal 1.500 Stunden pro Person und Jahr im Rahmen einer bezahlten Tätigkeit arbeiten.</p>
<p>Diese Obergrenze ist kein Plädoyer für erzwungene Freizeit. Sie ist der entscheidende Mechanismus, der es den Bürgern überhaupt erst ermöglicht, ihre Verpflichtungen in den drei anderen anerkannten Arbeitsbereichen – Familie, Bildung und Ehrenamt – zu erfüllen. Das Ziel ist mehr &#8220;Zeit-Souveränität&#8221;, was für Familien ganz konkret bedeutet: „Eltern haben die Entscheidungsfreiheit, sich für einen durchschnittlichen wöchentlichen Stundenumfang in der Erwerbsarbeit zwischen 0 und 35 Stunden zu entscheiden.“ Das ist eine revolutionäre Abkehr von der Logik des endlosen Hamsterrads hin zu einer ausgewogeneren und selbstbestimmteren Lebensgestaltung.</p>
<h5><b>Punkt 4: Roboter, Luxusgüter und Spekulanten zahlen mit</b></h5>
<p>Wie soll das alles finanziert werden? Das BDKJ-Modell setzt auf ein breites Spektrum an Steuern, das weit über die klassische Lohnsteuer hinausgeht und gezielt dort ansetzt, wo heute riesige Werte geschaffen werden. Die interessantesten Quellen sind:</p>
<ul>
<li><b>Negative Einkommenssteuer:</b> Dieses System vereint Sozialleistung und Steuer. Wer kein weiteres Einkommen hat, erhält das volle Grundeinkommen. Für jeden dazuverdienten Euro werden 40 Cent vom Grundeinkommen abgezogen, bis dieses auf null sinkt. Jedes Einkommen, das über diesen Punkt hinausgeht, wird dann pauschal mit 53 % besteuert.</li>
<li><b>Wertschöpfungsabgabe:</b> Eine Steuer, die ihrer Zeit weit voraus war. Die Idee ist, Wertschöpfung, die durch Maschinen, Technologie und Kapitaleinsatz entsteht, genauso zu besteuern wie die Wertschöpfung, die durch menschliche Arbeit erbracht wird.</li>
<li><b>Öko-Steuern:</b> Schrittweise ansteigende Steuern auf den Verbrauch von Ressourcen und auf Umweltbelastung sollen die Wirtschaft nachhaltig umbauen.</li>
<li><b>Weitere Steuern:</b> Ein Mix aus einer Vermögenssteuer auf internationalem (OECD-) Niveau, einer erhöhten Erbschaftssteuer, einer Devisenumsatzsteuer (Tobin-Steuer) und einer drastisch erhöhten Luxusgütersteuer soll die Finanzierung auf eine breite und gerechte Basis stellen.</li>
</ul>
<p>Die Wertschöpfungsabgabe ist dabei ein zentraler Baustein, um die Finanzierung an die Realitäten einer automatisierten Wirtschaft anzupassen.</p>
<p>Um dies gerecht zu tun, soll die Wertschöpfung, die durch Einsatz von Arbeitskräften erbracht wird, gleichgestellt werden mit der Wertschöpfung durch Kapitaleinsatz, den Einsatz von Maschinen und Technologie.</p>
<h5><b>Punkt 5: Ein lokales Modell mit globaler Vision</b></h5>
<p>Das Konzept des BDKJ war nie als rein nationale Lösung gedacht. Es wurde explizit als &#8220;nationales Pilotprojekt zur Entwicklung globaler Standards für eine soziale Marktwirtschaft&#8221; entworfen.</p>
<p>Das ambitionierte Ziel ist es, von Deutschland ausgehend weltweite soziale Mindeststandards durchzusetzen. Langfristig soll so jedem Menschen auf der Welt ein existenzsicherndes Einkommen garantiert werden, um der globalen Spaltung zwischen Arm und Reich aktiv entgegenzuwirken. Dieser globale Anspruch hebt das Modell von einem reinen Sozialprogramm auf die Ebene eines Instruments für globale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Weltwirtschaft.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<h4><b>Fazit: Eine Vision, die zum Nachdenken anregt</b></h4>
<p>Das fast 20 Jahre alte Konzept des BDKJ ist kein einfaches Auszahlungssystem. Es ist die umfassende Vision für eine Gesellschaft, die Arbeit, Bildung, Familie und bürgerschaftliches Engagement fundamental neu bewertet und in eine neue Balance bringt. Es fordert uns auf, nicht nur über die Höhe eines Grundeinkommens zu streiten, sondern darüber, was wir als Gesellschaft als wertvollen Beitrag anerkennen wollen.</p>
<p>Es ist ein Gegenentwurf zur reinen Bedingungslosigkeit, der auf Teilhabe und Mitgestaltung setzt. Während wir einer Zukunft entgegenblicken, die von künstlicher Intelligenz und demografischem Wandel geprägt ist, stellt sich daher die Frage: Welche Elemente dieser sorgfältig ausgearbeiteten, fast vergessenen Vision bergen die stärksten Lehren für die Gestaltung einer ausgewogeneren und gerechteren Gesellschaft von heute?</p>
<p><i> </i></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="377">
<p align="left">Quellen:</p>
<p align="left">Vision für eine gerechtere Gesellschaft – Solidarität – Chance für die Zukunft.</p>
<p>Hg. Bundesvorstand BdkJ, Düsseldorf 2003</p>
<p><b> </b></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="377"></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="377"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Auf der Suche nach dem Kompass?</title>
		<link>http://denkbar-mobil.de/2026/01/auf-der-suche-nach-dem-kompass/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Jan 2026 12:52:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Josef Hülkenberg]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
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		<description><![CDATA[Deutsche Christdemokraten suchen ihren Kompass in der programmatischen Wurzel ihrer Partei. Donals Trump dagegen erklärt seine eigene Moral zum Kompass seines Handelns. Doch wie Pfadfinder und Soldaten schon früh lernen, gehört zur Orientierung auch die Landkarte. Was, wenn die zerrissen ist, wie ein alter Falk-Plan auf einer Mülldeponie? Wie schaffen, wie rekonstruieren wir aus dessen [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="175"><a href="https://youtu.be/hi9yA8nMRzM"><img class="alignleft  wp-image-1217" alt="Aufhebung Hegels" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/Aufhebung-Hegels.jpg" width="234" height="129" /></a></td>
<td valign="top" width="170"><a href="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/Kompass-integrale-Philosophie.png"><img class="wp-image-1218 alignright" alt="Kompass integraler Philosophie" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/Kompass-integrale-Philosophie.png" width="214" height="119" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="175"></td>
<td valign="top" width="170"></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="345">Deutsche Christdemokraten suchen ihren Kompass in der programmatischen Wurzel ihrer Partei. Donals Trump dagegen erklärt seine eigene Moral zum Kompass seines Handelns. Doch wie Pfadfinder und Soldaten schon früh lernen, gehört zur Orientierung auch die Landkarte. Was, wenn die zerrissen ist, wie ein alter Falk-Plan auf einer Mülldeponie? Wie schaffen, wie rekonstruieren wir aus dessen Resten unsere notwendige Orientierung?Hier kommt der Sozialphilosoph Johannes Heinrichs (*1942) ins Spiel. Während sich die Philosophie nach Hegel in isolierte Spezialdisziplinen auflöste, ermöglicht Heinrichs’ Reflexionslogik eine <b>systematische Integration</b>, die sowohl universelle Strukturen erkennt als auch offen für neue Erfahrungen bleibt.Wie wichtig seine integrale Philosophie für die gesellschaftliche Entwicklung ist, lässt sich an mehreren Kernpunkten festmachen:</p>
<p><b>1. Überwindung der Demokratiekrise</b> Heinrichs diagnostiziert, dass heutige Parteiendokratien strukturell unfähig sind, notwendige Reformen umzusetzen, da sie verschiedene Sachfragen (Wirtschaft, Bildung, Ethik) in unzulässige „Paket-Lösungen“ pressen. Sein Modell der <b>Wertstufendemokratie</b> sieht vier spezialisierte parlamentarische Kammern vor, was die politische Handlungsfähigkeit durch eine sachgemäße Gliederung wiederherstellen soll.<span id="more-1213"></span></p>
<p><b>2. Lösung systemischer Wirtschaftskonflikte</b> Die Quellen betonen, dass wirtschaftliche Krisen oft auf systemischen Fehlkonstruktionen wie dem Zinsmechanismus beruhen. Heinrichs bietet hier einen „dritten Weg“ jenseits von Kapitalismus und Sozialismus an, indem er die Wirtschaft in einen <b>rechtlich-ethischen Rahmen</b> einbettet, der eine „Gegenkolonialisierung“ der Lebenswelt durch rein ökonomische Logiken verhindert.</p>
<p><b>3. Integration durch Differenzierung</b> Ein wesentlicher Beitrag zur gesellschaftlichen Stabilität ist das Prinzip der <b>„Integration-durch-Differenzierung“</b>. Es ermöglicht, gesellschaftliche Teilbereiche (Subsysteme) nach ihrer eigenen Logik funktionieren zu lassen, während sie gleichzeitig durch einen gemeinsamen <b>Grundwertekonsens</b> zusammengehalten werden. Dies bietet eine Lösung für moderne Kulturkämpfe und das Dilemma zwischen Uniformierung und chaotischem Pluralismus.</p>
<p><b>4. Modell für Europa und die Weltgemeinschaft</b> Auf internationaler Ebene bietet die Philosophie einen Entwurf für eine <b>europäische Verfassung</b> und eine globale Weltföderation. Statt eines homogenisierenden Einheitsstaates schlägt Heinrichs eine Konföderation vor, die nationale kulturelle Identitäten wahrt, aber auf einer gemeinsamen reflexionslogischen Struktur basiert.</p>
<p><b>5. Verantwortungsvolle Gestaltung der KI-Zukunft</b> Auch für die technologische Entwicklung ist der Ansatz relevant, da er Kriterien für <b>echte Sprachkompetenz und reflexive Intelligenz</b> liefert. Dies bietet der Industrie einen Pfad zur Entwicklung von Systemen, die nicht nur Muster erkennen, sondern ihre Handlungen reflexiv überwachen können, was für die Sicherheit und Interpretierbarkeit von KI entscheidend ist.</p>
<p><b>Zusammenfassend</b> ist Heinrichs&#8217; Philosophie ein „Navigationsinstrument“ für die Meta-Moderne: Sie liefert die Architektur, um die komplexen globalen Krisen – von der ökologischen Herausforderung bis zum Vertrauensverlust in die Politik – nicht nur punktuell zu bearbeiten, sondern an ihren systemischen Wurzeln zu lösen.</p>
<p>Man kann sich diese Philosophie wie den <b>Bauplan für ein modernes Glasfasernetz</b> der Gesellschaft vorstellen: Bisher verlaufen unsere sozialen Leitungen (Wirtschaft, Politik, Kultur) oft ungeordnet und behindern sich gegenseitig. Heinrichs liefert die logische „Schaltzentrale“ und die präzisen „Kabelkanäle“, die dafür sorgen, dass Informationen und Werte ohne Störungen fließen können, während jeder Bereich genau den Platz erhält, den er für seine spezifische Funktion benötigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div align="center">
<hr align="center" size="2" width="100%" />
</div>
<p>Quelle:</p>
<p>Kai Froeb, Johannes Heinrichs, Die Aufhebung Hegels, Porto 2025 https://reflexivitypress.com/de/buecher/froeb-johannes-heinrichs-die-aufhebung-hegels</td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
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		<title>Größenwahn oder Augenmaß</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Jan 2026 12:45:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Josef Hülkenberg]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Cocktails aus der denk!BAR]]></category>
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		<category><![CDATA[zum Design der Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[politische Willensbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
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		<description><![CDATA[  Das Maß verloren? Söders Fusionspläne im Konflikt mit der Philosophie der kleinen Einheiten 1. Einleitung: Zwei unvereinbare Visionen für Deutschlands ZukunftDer aktuelle Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, deutsche Bundesländer zu fusionieren, ist mehr als nur ein finanzpolitischer Schachzug; er ist die Speerspitze einer Denkschule, die Effizienz über Identität stellt und damit eine philosophische [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top" width="288"> <a href="https://youtu.be/3GJ3CGL8UEg"><img class=" wp-image-1178" alt="Größenwahn" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/Größenwahn.jpg" width="235" height="130" /></a>
<dl class="wp-caption alignleft" id="attachment_1178" style="width: 245px;">
<dd class="wp-caption-dd"></dd>
</dl>
</td>
<td colspan="2" valign="top" width="331">
<p><div id="attachment_1177" style="width: 222px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/Kohr-Das-Maß-der-Dinge.png"><img class="wp-image-1177  " alt="Das Maß der Dinge " src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2026/01/Kohr-Das-Maß-der-Dinge.png" width="212" height="118" /></a><p class="wp-caption-text">Das Maß der Dinge</p></div></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" width="288"><b>Das Maß verloren?</b></td>
<td colspan="2" valign="top" width="331"></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="555"><b>Söders Fusionspläne im Konflikt mit der Philosophie der kleinen Einheiten</b></td>
<td width="64"></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="555"><b>1. Einleitung: Zwei unvereinbare Visionen für Deutschlands Zukunft</b>Der aktuelle Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, deutsche Bundesländer zu fusionieren, ist mehr als nur ein finanzpolitischer Schachzug; er ist die Speerspitze einer Denkschule, die Effizienz über Identität stellt und damit eine philosophische Grundfrage unserer Zeit aufwirft: Ist „größer“ wirklich immer „besser“? Söders primäre Motivation ist die radikale Reform des Länderfinanzausgleichs, doch seine Vision einer zentralisierten Ordnung steht im diametralen Widerspruch zu einer radikal entgegengesetzten Philosophie: der des Denkers Leopold Kohr. Wo Söder auf Zusammenschluss und Skaleneffekte setzt, sah Kohr die Lösung für die Pathologien der Moderne in Teilung und Kleinteiligkeit. Dieser Artikel analysiert die beiden unvereinbaren politischen Ontologien und beleuchtet sie am konkreten Fallbeispiel der saarländischen Denkschrift zur Teilautonomie, die Kohrs Ideen als Verteidigungsstrategie aufgreift.<span id="more-1175"></span><b>2. Söders Logik: Effizienz durch Größe </b>Markus Söders Vorschlag zielt darauf ab, die Anzahl der Bundesländer durch gezielte Fusionen zu reduzieren. Der Kern seiner Argumentation ist vordergründig finanzpolitischer Natur. Den bestehenden Länderfinanzausgleich bezeichnete er als die „größte Sauerei“, da Bayern als finanzstärkstes Geberland die Defizite finanzschwächerer Länder in erheblichem Maße ausgleichen muss. Sein Ansatz folgt einer klaren Effizienzlogik, die strukturelle Probleme durch die Schaffung größerer und vermeintlich wirtschaftlich stabilerer Verwaltungseinheiten lösen will. Doch eine rein ökonomische Lesart greift zu kurz. Söders Vorstoß ist zugleich ein machtpolitisches „Signal an die Bayern“, den bayerischen Sonderstatus zu untermauern und nach einem durchwachsenen Parteitagsergebnis die eigene Machtbasis zu festigen. Es ist die Logik des Zentralismus, die Größe als Synonym für Stärke und Leistungsfähigkeit versteht.<b>3. Die Antithese von Leopold Kohr: &#8220;Small is beautiful</b></p>
<p><b>&#8220;</b>Dem steht die Lehre des österreichischen Philosophen und Nationalökonomen Leopold Koh (1909-1994)r diametral entgegen. Seine Kernthese lautet: Das Hauptproblem der modernen Zeit ist nicht eine bestimmte Ideologie, sondern die <b>übermäßige Größe</b> von Staaten, Gesellschaften und Institutionen. Sein Lösungsprinzip ist konsequent und radikal: <b>„Division, not union“</b> – Teilung, nicht Vereinigung.Kohrs zentrale Argumentation besagt, dass soziale Probleme geometrisch mit der Größe eines Organismus wachsen, während die menschliche Fähigkeit, sie zu bewältigen, nur arithmetisch zunimmt. Die Komplexität explodiert, doch unsere Problemlösungskapazität hinkt hoffnungslos hinterher. Mit einer Analogie, die auf Paracelsus zurückgeht, fasst Kohr seine Philosophie zusammen: „Die Dosis macht das Gift.“ Was in kleinem Maße heilsam ist, wird bei Überschreiten einer kritischen Masse toxisch. Berühmt wurde diese Philosophie durch den von seinem Schüler und Freund E. F. Schumacher popularisierten Slogan „Small is beautiful“. Die Kernbotschaft dahinter ist, dass kleine, überschaubare Einheiten nicht nur menschlicher, sondern auch effizienter, friedlicher und vor allem resilienter sind.Um diese Resilienzlogik zu veranschaulichen, nutzte Kohr das Bild der Matratze: Eine starre Holzplatte zerbricht unter Druck, doch eine Matratze, bestehend aus hunderten kleinen, unabhängigen Federn, absorbiert den Stoß flexibel. Ein System kleiner Staaten, so Kohr, funktioniert wie eine Matratze – es ist widerstandsfähig. Der Versuch, die Probleme der Größe durch noch mehr Größe zu lösen, ist aus seiner Perspektive nichts anderes als der „Weg in die Irrenanstalt der Unendlichkeit“.</p>
<p><b>4. Fallbeispiel Saarland: Ein Plädoyer für die Teilautonomie</b></p>
<p>Wie aktuell Kohrs Gedanken sind, zeigt eine Denkschrift zur Rettung des Saarlandes, die sich explizit auf seine Philosophie der überschaubaren Gesellschaft stützt. Erstellt vom „Politischen Forum Untere Saar – Hochwald“ ist sie nicht nur eine politische Streitschrift, sondern die direkte, realweltliche Anwendung von Kohrs abstrakten Prinzipien als Verteidigungsmechanismus gegen den von Söder repräsentierten „Größenwahn“. Sprecher dieses Forums ist der Nationalökonom Hans Ludwig, Langjähriger Direktor des Katholischen Sozialinstitutes der süddeutschen KAB, Die historische Argumentation der Verfasser ist prägnant: In seiner teilautonomen Phase von 1947 bis 1957 hatte das Saarland keine fiskalischen Probleme. Diese entstanden erst nach dem Beitritt zur Bundesrepublik durch den damit einhergehenden Verlust von Verhandlungsmacht und entscheidenden Einnahmequellen.</p>
<p>Das in der Denkschrift formulierte sozialpolitische Ziel ist die Schaffung einer <b>„solidarische[n] Arbeitsgesellschaft in marktwirtschaftlicher Ordnung“</b>. Erreicht werden soll dies durch die Wiedererlangung von Souveränität. Konkret fordert das Papier eine <b>Teilautonomie</b> nach dem Vorbild Südtirols oder der eigenen Geschichte. Eine Fusion, wie von Söder vorgeschlagen, wird kategorisch abgelehnt. Ein solcher Schritt, so die Befürchtung, würde das Saarland zu einer reinen „Kolonie“ oder zur „verarmten Verwandtschaft“ eines größeren Nachbarn degradieren und seine Identität auslöschen.</p>
<p><b>5. Die Positionen im direkten Vergleich</b></p>
<p>Die fundamentalen Unterschiede der beiden Ansätze – Söders mechanistischer Blick auf den Staat als Optimierungsprojekt und Kohrs organische Auffassung von Gemeinschaften, die ein menschliches Maß benötigen – lassen sich in einer Gegenüberstellung klar erkennen:</p>
<table width="100%" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td width="97">Aspekt</td>
<td width="246">Söders Reformvorstellung</td>
<td width="264">Kohrs Überlegungen / Saarland-Modell</td>
</tr>
<tr>
<td width="97">Ziel</td>
<td width="246">Weniger, aber größere Bundesländer.</td>
<td width="264">Mehr, aber kleinere und überschaubare Einheiten.</td>
</tr>
<tr>
<td width="97">Logik</td>
<td width="246">Effizienz durch Größe und Reduktion von Transferzahlungen.</td>
<td width="264">Effizienz durch menschliches Maß und lokale Eigenverantwortung.</td>
</tr>
<tr>
<td width="97">Status Saarland</td>
<td width="246">Kandidat für eine Fusion/Eingliederung.</td>
<td width="264">Eigenständiger, teilautonomer Staat in einer Föderation.</td>
</tr>
<tr>
<td width="97">Problemursache</td>
<td width="246">Unfaire Finanzströme zwischen großen und kleinen Ländern.</td>
<td width="264">Überdimensionierung und Verlust der regionalen Selbstbestimmung.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><b>6. Fazit: Ein grundlegender Konflikt über das richtige Maß</b></p>
<p>Die von Markus Söder angestoßene Debatte ist weit mehr als ein Streit um Finanzströme; sie ist ein Symptom des zentralen politischen und philosophischen Konflikts des 21. Jahrhunderts. Söders Vorstoß verkörpert die vorherrschende Logik der Globalisierung und Zentralisierung, die in Skaleneffekten und immer größeren Einheiten die Lösung aller Probleme sieht – eine mechanistische Staatsauffassung, die den Menschen dem System unterordnet.</p>
<p>Demgegenüber verteidigen die Philosophie Leopold Kohrs und das darauf aufbauende Saarland-Modell eine organische Vision, die in Subsidiarität, Resilienz und der Rückkehr zum „menschlichen Maß“ die Voraussetzung für eine stabile und humane Gesellschaft sieht. Dieser Konflikt spiegelt sich global wider: in der Spannung zwischen supranationalen Unionen wie der EU und regionalen Unabhängigkeitsbewegungen, zwischen globalisierten Lieferketten und dem Ruf nach lokaler Autarkie, zwischen dem Dogma des unendlichen Wachstums und den planetaren Grenzen. Die Frage, die dieser deutsche Föderalismusstreit aufwirft, ist daher keine provinzielle, sondern die entscheidende Richtungsfrage unserer Zeit: Suchen wir unsere Zukunft in der anonymen Effizienz des Gigantismus oder in der widerstandsfähigen Souveränität der kleinen Einheiten?</td>
<td width="64"></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" valign="top" width="555">Quellen:<a href="https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/rehlinger_kontert_soeder_forderung_nach_einsparung_des_saarlandes_100.html">https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/rehlinger_kontert_soeder_forderung_nach_einsparung_des_saarlandes_100.html</a><a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/soder-will-bundeslander-zusammenlegen-aus-den-landern-kommt-gegenwind--auch-von-unions-kollegen-15132202.html">https://www.tagesspiegel.de/politik/soder-will-bundeslander-zusammenlegen-aus-den-landern-kommt-gegenwind&#8211;auch-von-unions-kollegen-15132202.html</a><a href="http://www.projekt-saarland.de/index.html">http://www.projekt-saarland.de/index.html</a><a href="https://www.tauriska.at/kohr/">https://www.tauriska.at/kohr/</a></td>
<td width="64"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
]]></content:encoded>
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		<title>Des Fragens würdiger Priesterkult</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jul 2022 15:35:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Josef Hülkenberg]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Denken schadet nicht]]></category>
		<category><![CDATA[Laienapostolat]]></category>
		<category><![CDATA[Persönlich]]></category>
		<category><![CDATA[Querdenker]]></category>
		<category><![CDATA[Unterschlagene Propheten]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Skandale um sexuelle Missbräuche und deren organisierte Vertuschung haben vor allem die katholische Kirche in eine abgrundtiefe Vertrauenskrise gestürzt. Dieser Sturz in den Abgrund mag vielen traditionell Christgläubigen als Desaster erscheinen. Er kann aber auch zum Rück-Sturz in die dem Christentum eigenen Urgründe werden. Die derzeitige Vertrauenskrise der katholischen Kirche ist im Wesentlichen eine [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Skandale um sexuelle Missbräuche und deren organisierte Vertuschung haben vor allem die katholische Kirche in eine abgrundtiefe Vertrauenskrise gestürzt. Dieser Sturz in den Abgrund mag vielen traditionell Christgläubigen als Desaster erscheinen. Er kann aber auch zum Rück-Sturz in die dem Christentum eigenen Urgründe werden.</p>
<p>Die derzeitige Vertrauenskrise der katholischen Kirche ist im Wesentlichen eine Ablehnung traditionellen Priestertums und Priesterherrschaft. Längst überfällige Debatten brechen auf. Synodal soll die Kirche in die Zukunft geführt werden – allerdings sind sich die verschiedenen Bischöfe und Laienvertreter sehr uneins über die Begriffs- und Tragweite von „Synodal“. Frauen erheben Ansprüche auf Leitungs- und Weiheämter, Männer unterstützen diese Begehren und geweihte Amtsträger bekunden Verständnis und leichte Öffnungsbereitschaft.</p>
<div id="attachment_1108" style="width: 160px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2022/07/E-Mail-an-den-Papst-2.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1108" alt="Auf synodalen Wegen?" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2022/07/E-Mail-an-den-Papst-2-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Auf synodalen Wegen?</p></div>
<p>Der Klerus sei die Wirbelsäule der Kirche<a href="https://www.domradio.de/node/367949">, betont der Augsburger Bischof Bertram Meier</a>. Männer und Frauen des gottgeweihten Lebens sieht er als „Herz der Kirche“.</p>
<p>Für Bischof Meier ist das Konzept sakramental verorteten Priestertums notwendiger Grundzug der katholischen Kirche. Würde die sakramentale Weihe zur Disposition, stünde die Katholizität als Ganzes auf dem Spiel. Das ginge weit über eine geistlich erneuerte Kirche hinaus, führe in eine ganz andere neue Kirche. Wie sein Münchner Amtsbruder Reinhard Kardinal Marx sieht auch er: &#8220;Eine priesterlose Kirche ist nicht mehr katholisch.&#8221;</p>
<p>Dagegen <a href="https://www.katholisch.de/artikel/24827-warum-auch-frauen-priester-werden-koennen">verweisen inzwischen verschiedene Theologen und Theologinnen darauf,</a> dass sich weder im Verhalten Jesu noch im Neuen Testament Hinweise finden lassen, Jesus wolle die Geschicke seiner Glaubensgemeinschaft in die Hände speziell ausgebildeter spiritueller Kultdiener mit „amtlicher Heiligkeit durch Weihe“ legen.<span id="more-1105"></span></p>
<p>Die von Jesus in die Führung der Gemeinschaft berufenen 12 Apostel oder die in die Dörfer gesandten 72 Jünger waren Menschen aus dem Volk. Sie vertrauten seiner Botschaft und Lehre. Ohne spirituelle, theologische, liturgische oder kultische Ausbildung übernahmen sie ihre Aufgaben. Die eigenen Charismen und Fähigkeiten und das Vertrauen, welches Jesus und die Gemeinschaft in sie setzten, legitimierten ihre Berufung.</p>
<p>Dem Wanderprediger Jesus von Nazareth war erbliche Priesterschaft der Sadduzäer und Leviten als Tempel-Kultpersonal natürlich bekannt. Dieses System gehörte zu den religiösen und kulturellen Traditionen seiner Zeit. Die Evangelisten berichten immer wieder von Spannungen zwischen Jesus und den Priestern, wie auch den Pharisäern. Ständig murrten die Hüter des traditionellen Judentums über die Ansichten und Aussagen des Wanderpredigers Jesus. Immer wieder versuchten sie, ihm theologische und ethische Fallen zu stellen, ohne dass Jesus sich darin verfing. Die wohl härteste Kritik Jesu an Priestern und Leviten findet sich im Gleichnis vom barmherzigen Samariter<strong>:</strong> „Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter.“<strong> (LK 10, 30-3</strong><strong>2</strong><strong>)</strong><strong> </strong> Über die Gründe ihres Verhaltens äußert sich Jesus nicht. Heutige Theologen vertreten die Auffassung, es sei weniger mangelnde Empathie als die für ihren Tempeldienst zwingend geltenden Reinheitsgebote gewesen, dass sie den Verletzten halbtot liegen ließen. Der Schutz der „heiligen Ordnung“ führte bereits damals zu Missachtung und Missbrauch von Schutzbefohlenen.</p>
<p>Nicht nur im Judentum, schon in den alten orientalischen Gotteskulturen Babylons, Kanaans oder Ägyptens sorgten sich ebenso wie bei den Griechen und Römern religiöse Spezialisten um die Entfaltung der göttlichen Lehre und die Bewahrung der Traditionen.</p>
<p>Anders als Propheten, Seher, Charismatiker oder Schamanen genossen sie eine langjährige vorbereitende Ausbildung und wurden durch eigene Initiations- und Weiheakte in ihr Amt eingesetzt. Ihr Amt gab ihnen in der jeweiligen Religionsgemeinschaft eine „Heiligkeit“, der sie durch besondere Kleidung und Lebensführung Ausdruck gaben. So durften ägyptische Priester heiraten, mussten sich nach sexueller Betätigung allerdings rituell reinigen, bevor sie wieder im Tempel Dienst taten. Längst ist historisch belegt, dass Frauen wie Männer geweihte Tempeldienste taten.</p>
<p>Wie nun die frühchristliche Glaubensgemeinschaft (Ecclesia) nach und nach durch eine kulturelle Aneignung von Priestertum und Tempelkult zur „katholischen Kirche“ wurde, dürfte weniger eine theologische als eine kulturhistorische Betrachtung fordern. Dabei gewonnene Erkenntnisse könnten die Debatten um „Wirbelsäule und Herz des Katholischen“ versachlichen und der christlichen Gemeinschaft neue Perspektiven in der Nachfolge Jesu geben. Möglicherweise mangelt es ja an den Berufungen zum Priestertum, weil der Ruf dazu ausbleibt.</p>
<p>Was die Gemeinschaft der Glaubenden – also die Ecclesia – braucht, sind gottvertrauende Frauen und Männer, die in der Nachfolge Jesu Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Verantwortung, dass die Gemeinschaft die volle personale Entfaltung jedes und aller Menschen fördert und zur ständigen Vermenschlichung der Welt beiträgt. (GES 59)</p>
<p>Die Entwicklungsgeschichte der Kirche zeigt zwei wesentliche Stränge auf:</p>
<ul>
<li>Einerseits die Wirkmacht und Strahlkraft spiritueller und lebensbejahender Personen in der Nachfolge Jesu</li>
<li>Andererseits der Aufbau einer klerikalen Organisations- und Herrschaftsstruktur mit wachsenden Herrschaftsansprüchen über die Glaubensgemeinschaft hinaus in Gesellschaft und Staat.</li>
</ul>
<p>Vor allem diese Machtansprüche und gesellschaftlichen Verquickungen prägen die „Kriminalgeschichte des Christentums“ von der „konstantinischen Schenkung“ über eine militante Missionspraxis, Kreuzzüge, Hexenjagden bis hin zu den aktuellen Missbräuchen und Vertuschungen.</p>
<p>Die bekanntgewordenen und noch nicht erfassten Missbräuche durch katholische Priester sind skandalös. Sie und die diversen Vertuschungen müssen strafrechtlich, zivilrechtlich und kirchenrechtlich aufgearbeitet werden. Auch kirchenpolitische Konsequenzen sind dringend. Zugleich aber ist festzuhalten, dass der überwiegende Teil der Priesterschaft sich im Gemeindealltag bewährt und an der Belastungsgrenze abstrampelt. Zum Täter-Anteil in der Priesterschaft heißt es in der Missbrauchsstudie des Bistums Münster: „Bezogen auf die Gesamtzahl der katholischen Priester sind das mindestens vier von 100 Priestern und damit ein kleiner, aber erheblicher Teil des Klerus.“ Es ist zu befürchten, dass sich dieser Täteranteil im „Dunkelfeld der Aufklärungen“ kräftig vergrößert.</p>
<p>Eine nüchterne Betrachtung der Kulturgeschichte christlichen Priestertums ist längst überfällig und dringend notwendig. Dabei kann sicherlich festgestellt werden, dass „Priestertum“ als solches in der römisch-katholischen Ecclesia hohe Akzeptanz findet. Das verstärkt Frauen den Zugang zu Weiheämtern einfordern, weist eher auf solche Hochschätzung als auf eine Ablehnung des Priestertums hin. Auch wenn der Zölibat kritisch hinterfragt wird, geht es eher um Reformen als um Abschaffung des Priestertums.</p>
<p>Deutlich wird zugleich, dass mit zunehmender innerkirchlicher Aufklärung der Gläubigen Priestermacht und Klerusherrschaft auf Widerstand stoßen. Seit den Tagen des II.Vatikanischen Konzils (!962-1965) hat sich ein selbstbewusstes, eigenmächtiges Laienapostolat entwickelt. 50 Jahre nach dem Konzil fordern die Laien über die ihnen zuerkannten Beratungsrechte hinaus echte Mitentscheidungskompetenzen. Immer weniger engagierten Gläubigen ist verständlich zu machen, warum weltweit etwa 5.300 Bischöfe in ihrem selbstreferenziellen und selbstgenerierenden Gruppensystem die Geschicke der über 1,3 Milliarden Menschen umfassenden Ecclesia bestimmen sollen. Auch wenn die Bischöfe ihre Führungsrolle mit der Unterstützung von über 400.000 Welt- und Ordenspriestern ausüben, bleibt die Priesterschaft eine relative kleine Gruppe in der gesamte Ecclesia. Nach den im Vatikan verwandten Kennzahlen änderte sich das Verhältnis Priester zu Laien seit 1969 von 1:1.428 auf 1:3.167 im Jahr 2017.</p>
<p>Je mehr sich die Laien ihres ihnen eigenen Apostolates bewusst werden, erodiert der Anspruch auf Priesterherrschaft. Längst finden sich auch unter den Laien ausgezeichnete und weltweit geachtete Frauen und Männer in der Theologie und Spiritualität.</p>
<p>Zur nüchternen Betrachtung zählt ebenfalls die Wahrnehmung jener Priester, die sich in tiefem Glauben als Seelsorger in den Dienst der Gemeinden stellen und die lebensförderliche Botschaft Jesu im Alltag bekunden. Die ihnen durch „Reformprozesse“ seit inzwischen Jahrzehnten zugemuteten Fusionen von Gemeinden und Seelsorgebereichen hat sie längst an die Grenzen organisatorischer und vor allem menschlicher Belastung geführt. Dieser vielen guten „Hirten“ und der unzähligen charismatischen Apostel und Apostelinnen wegen ist es notwendig, den katholischen Priesterkult würdig und sorgfältig zu hinterfragen.</p>
<p>Einen aus heutiger Sicht prophetischen Beitrag, perspektivisch auch für synodale Wege, lieferte der Passauer Pfarrer Dr. Walter Friedberger (gest. 1999):<br />
Nach über 20jähriger Tätigkeit als Leiter der Priesterfortbildung der bayrischen Diözesen reflektierte er seine Erfahrungen mit den „Hirten in Not“. 1991 beschrieb er, was Priester nervt, was sie belastet und welcher Art Unterstützung sie bedürfen, um auch als Priester authentische Jünger Jesu zu sein. <i>(Unter <b>reVisio</b> „Schätze unterschlagener Propheten“ stelle ich diese Überlegungen frei zugänglich, aufbereitet als <a href="https://share.mindmanager.com/#publish/rGQOF2Ii2dKDziAAHIEK3i4OH8kaPmB8HTnx0Hs8">interaktives Mindmap</a>. )</i></p>
<p>Die überfällige synodale Debatte um die Zukunft des Priestertums darf sich darum nicht allein an den skandalösen Missbräuchen und Vertuschungen ausrichten. Sie muss der gegenwärtigen Lebenssituation aktiver Priester und ihrer berechtigten Bedürfnisse auf die Zukunft hin gerecht werden.</p>
<p>Nur mal angenommen, weltweit würden sich Bischöfe und Priester vom Konzept der „Priesterherrschaft“ lösen. Sie vertrauten dem Gottesvolk, seine soziale und weltliche Ordnung dezentral aus den Kompetenzen der Gläubigen zu regeln. Sie lebten ihre Priesterschaft als spirituelle und seelsorgende Wegbegleiter gottvertrauender und um Vertrauen ringender Menschen. Wie einst Jesus erzählten sie den Menschen von der umfassenden Barmherzigkeit des himmlischen Vaters und lebten diese Botschaft authentisch im Alltag.</p>
<p>Welch ein Geschenk könnte solches Priestertum für die Welt sein!</p>
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		<title>Unterschlagene Propheten</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Mar 2022 18:20:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Josef Hülkenberg]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das traditionelle System &#8220;Katholische Kirche&#8221; zerfällt. Verantwortungsträger in Klerus und Laienschaft suchen synodal nach Wegen aus der Misere. Da lohnt ein Blick auf engagierte und klarsichtige Christen, deren Einsichten in ihrer Zeit als irritierend und störend abgetan wurden. Priester als auch Laien zählen zu diesen Propheten, deren Erkenntnisse noch heute (oder gerade heute) Wege aus [&#8230;]]]></description>
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<div id="attachment_1098" style="width: 160px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2022/03/IMG_3214.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1098" alt="Kerzenopfer am Wallfahrtsort Fatima" src="http://denkbar-mobil.de/wp-content/uploads/2022/03/IMG_3214-150x150.jpg" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Kerzenopfer am Wallfahrtsort Fatima</p></div>
<p>Das traditionelle System &#8220;Katholische Kirche&#8221; zerfällt.</p>
</dt>
</dl>
</div>
<p>Verantwortungsträger in Klerus und Laienschaft suchen synodal nach Wegen aus der Misere.</p>
<p>Da lohnt ein Blick auf engagierte und klarsichtige Christen, deren Einsichten in ihrer Zeit als irritierend und störend abgetan wurden. Priester als auch Laien zählen zu diesen Propheten, deren Erkenntnisse noch heute (oder gerade heute) Wege aus den Sackgassen eröffnen.</p>
<p>Texte dieser Vordenker habe ich als interaktive MindMaps aufbereitet.</p>
<p>MindMaps erlauben, die Argumentation des Autors grafisch wie eine Landkarte zu entfalten. Anders als im klassischen Fließtext wird es dem Leser möglich, in der Gedankenwelt des Autors zu stöbern.</p>
<p>Nach und nach stelle ich die MindMaps (bzw. die Links dazu) hier auf dieser Seite ein.</p>
<p>Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und gute Einsichten beim Stöbern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Den Start macht ein Vortrag von Dr. Walter Friedberger zu den <a href="https://share.mindmanager.com/#publish/bTAXunHfsWLQEK9EWJS5USsaozrKsBy6saUS6o1E" target="_blank">Sozialen Intentionen des Jesus von Nazareth</a> aus dem Jahr 1976. Dr. Friedberger leitete von 1970 bis 1991 die überdiözesane Priesterfortbildung der bayrischen Bistümer.</p>
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